Cambridge Audio L/R Series: Neuer Anwärter für die Spitze der All-in-One-Lautsprecher

Cambridge Audio stellt mit der L/R Series ein komplettes aktives Audiosystem vor, das traditionelle Hi-Fi-Komponenten ersetzen soll. Die Serie umfasst drei Modelle mit integriertem Streaming und Phono-Vorverstärker.

Cambridge Audio stellt mit der L/R Series seinen bisher ambitioniertesten Vorstoß in den Markt für komplette Audiosysteme dar. Die neuen aktiven Lautsprecher, die auf der CES 2026 präsentiert wurden, zielen direkt auf etablierte Premium-Marken und wollen das traditionelle Hi-Fi-Setup überflüssig machen.

Das Flaggschiff L/R X: Ein „Separates-Killer“ für Puristen

Im Zentrum der neuen Serie steht der L/R X. Mit einer Systemleistung von 800 Watt (400 Watt pro Kanal) übertrumpft dieses Modell viele Konkurrenten im Lifestyle-Segment. Die technische Architektur ist eine 2.5-Wege-Konstruktion mit einem proprietären 28-mm-„Torus“-Hochtöner, zwei 5-Zoll-Tieftönern und zwei 6-Zoll-Passivradiatoren für den Bass.

Ein besonderes Alleinstellungsmerkmal ist der integrierte Moving-Magnet-Phono-Vorverstärker. Damit können Plattenspieler direkt angeschlossen werden – eine Seltenheit in dieser Geräteklasse. Die Streaming-Plattform StreamMagic der vierten Generation sorgt für hochauflösende Wiedergabe über Wi-Fi. Bei einem Preis von umgerechnet etwa 2.100 Euro stellt der L/R X eine direkte Alternative zum KEF LS50 Wireless II dar.

Skalierbare Systeme für jeden Raum

Nicht jedes Wohnzimmer braucht 800 Watt. Daher bietet Cambridge Audio zwei kleinere Modelle mit derselben Designsprache an.

Der L/R M (ca. 1.450 Euro) reduziert die Leistung auf 300 Watt und setzt auf kleinere 4-Zoll-Treiber, behält aber die 2.5-Wege-Architektur und alle Streaming-Funktionen bei. Mit HDMI eARC ist er die ideale Lösung für kompakte Wohnzimmer mit TV-Anbindung.

Die Einstiegsvariante L/R S (ca. 500 Euro) setzt einen anderen Schwerpunkt: Um den Preis zu drücken, wurde auf Wi-Fi und die StreamMagic-Plattform verzichtet. Stattdessen kommt Bluetooth aptX HD zum Einsatz. Mit 100 Watt Leistung, einem 21-mm-Hochtöner und einem 3-Zoll-Tieftöner eignet sich dieses Modell ideal als Desktop-Lösung oder für Zweitsysteme.

Design als Möbelstück und Technik in einem

Ästhetisch markiert die L/R Series einen klaren Bruch mit dem traditionellen „grauen Kasten“-Look von Hi-Fi-Komponenten. Die Gehäuse mit schwebend wirkendem Sockel sind in sechs Farben erhältlich, darunter ein edles Echtholzfurnier als Aufpreis-Option.

Die beiden größeren Modelle verfügen über eine subtile, weiß leuchtende Unterbodenbeleuchtung, deren Helligkeit und Farbtemperatur anpassbar sind. Dies unterstreicht den Anspruch, dass High-End-Audio heute auch als Möbelstück funktionieren muss.

Die Konnektivität der Wi-Fi-Modelle ist umfassend: Sie unterstützen Spotify Connect, Tidal Connect, Qobuz, Roon Ready, Google Cast, AirPlay 2, HDMI eARC und den drahtlosen Mehrkanal-Standard WiSA HT.

Strategischer Schwenk in einem wachsenden Markt

Der Launch der L/R Series markiert eine strategische Neuausrichtung für Cambridge Audio. Während das Unternehmen mit den Evo-All-in-One-Playern bereits im Lifestyle-Segment aktiv war, eliminiert die neue Serie nun komplett die Notwendigkeit einer separaten Steuereinheit.

Marktbeobachter sehen darin eine klare Antwort auf den Trend zu „Just-Add-Music“-Systemen. Durch die Integration von Verstärker, Streaming-DAC und Lautsprechern in einem Gehäuse werden die typischen Hürden des traditionellen Hi-Fi – Kabelsalat und Komponenten-Abstimmung – beseitigt. Dies spricht besonders jüngere oder platzbewusste Käufer an.

Die Integration des Phono-Stages im Flaggschiff ist eine bewusste Differenzierung. Während Konkurrenten für Vinyl-Wiedergabe oft einen externen Vorverstärker benötigen, vereint die L/R Series die digitale Streaming-Welt und das Vinyl-Comeback in einer Box.

Verfügbarkeit und Ausblick

Die Auslieferung der Modelle erfolgt gestaffelt. Der Einstiegs-Lautsprecher L/R S soll im Frühjahr 2026 verfügbar sein. Die Modelle L/R M und L/R X folgen im Sommer 2026.

Der Erfolg der Serie wird maßgeblich von den ersten unabhängigen Testberichten abhängen. Insbesondere der direkte Vergleich des „Torus“-Hochtöners mit der etablierten Uni-Q-Technologie des Hauptkonkurrenten KEF wird spannend. Sollte die Klangleistung den beeindruckenden technischen Daten gerecht werden, könnte der Premium-Markt für drahtlose Lautsprecher noch in diesem Jahr kräftig durchgeschüttelt werden.