Der japanische Spieleentwickler Capcom hat im Rahmen der Capcom Open Conference RE: 2026 in Tokio eine umfassende technologische Neuausrichtung seiner internen Entwicklungssoftware angekündigt. Programmierer Satoshi Ishida präsentierte in der Ariake Convention Hall die sogenannte REX-Initiative.
Ziel des Vorhabens sei es, die etablierte RE Engine schrittweise in eine auf künstlicher Intelligenz basierende Entwicklungsumgebung zu transformieren, um Produktionsprozesse nachhaltig zu modernisieren.
Modulares Upgrade statt vollständigem Ersatz
Die REX-Initiative steht laut Unternehmensangaben für „RE neXt Engine“. Dabei handele es sich nicht um einen plötzlichen Austausch der bisherigen Technologie, sondern um einen stückweisen Umbau. Capcom beabsichtige damit, die Erstellung von Projekten zu beschleunigen, Werkzeuge zu vereinfachen und bestehende Produktionsengpässe abzubauen.
Die technologische Basis, die RE Engine, blickt auf eine längere Geschichte zurück. Die Entwicklung begann bereits im Jahr 2014, bevor die Software 2017 erstmals bei der Produktion von Resident Evil 7 eingesetzt wurde. Seither fand die Engine in über 27 Titeln Verwendung. Aktuell arbeiten mehr als 2.000 Nutzer verschiedener Nationalitäten mit dem System.
Ishida nannte bei der Vorstellung drei zentrale Herausforderungen für die künftige Spieleentwicklung: Neben wachsenden Spielgrößen und damit einhergehenden längeren Kompilierzeiten müssten immer größere und vielfältigere Teams mit intuitiveren Tools unterstützt werden. Die Integration von KI sei daher eine notwendige Bedingung, um die künftige Entwicklung effizienter zu gestalten.
Sechs Programme zur Steigerung der Effizienz
Die REX-Initiative gliedert sich in sechs spezialisierte Programme, die verschiedene Aspekte der Spieleentwicklung abdecken sollen:
- RE:Dox: Fokus auf Datenverarbeitung und Dateiformate.
- RE:UI: KI-gestützte Optimierung der Benutzeroberflächen für Entwicklerwerkzeuge.
- RE:Runtime: Verbessertes Management von Gruppen-Animationen für eine Vielzahl von Charakteren.
- RE:Flows: Visuelle Erstellung von Spielmechaniken mit automatischer Umwandlung in Standard-Programmiersprachen.
- RE:Log: Systeme für Protokollierung und Telemetrie.
- RE:C++: Anpassungen an der zugrunde liegenden Programmiersprache.
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Durch eine vereinheitlichte Programmiersprache soll künstliche Intelligenz künftig in der Lage sein, eigenständig Programme zu erstellen, Code zu verstehen und automatisierte Testläufe zur Fehlersuche durchzuführen.
Ein Kernstück dieser Entwicklung ist eine autonome Playtest-KI für die Qualitätssicherung namens REAssistAI. Diese nutzt Technologien wie Large Language Models (LLM) und Retrieval-Augmented Generation (RAG). Das System bewertet Spiele über Bildschirm- und Audio-Eingaben und folgt dabei einem menschlichen Dual-Prozess-Modell, das schnelle Reaktionen mit bewusster Logik kombiniert.
Strategische Ausrichtung und Branchenkontext
Capcom betonte im Rahmen der Konferenz eine klare Trennung beim Einsatz der neuen Technologien. VP Shinichi Inoue erklärte, dass KI nicht dazu dienen solle, Kunst zu erschaffen, sondern das Potenzial der Entwickler freizusetzen.
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Das Unternehmen bekräftigte zudem, keine KI-generierten Assets direkt in den finalen Spielinhalten einzusetzen. Die Technologie solle ausschließlich die Effizienz in den Bereichen Grafik, Sound und Programmierung steigern. Ishida unterstrich das Ziel, künftig Spiele gemeinsam mit künstlicher Intelligenz zu entwickeln.
Teile der neuen Entwicklungen, insbesondere RE:Dox und RE:Log, sollen zudem als Open Source für das Training von KI-Systemen zur Verfügung gestellt werden. Trotz der technischen Ambitionen löste die Ankündigung in der Community auch Besorgnis aus.
Kritiker äußerten Befürchtungen hinsichtlich der künftigen Qualität der Spiele sowie eines möglichen Stellenabbaus in der Branche. Der Einsatz von KI ist in der japanischen Entwicklungslandschaft indes bereits weit verbreitet: Laut einer Umfrage des Branchenverbands CESA aus dem Jahr 2026 nutzen bereits über 85 Prozent der japanischen Entwickler generative Werkzeuge.
Ein konkreter Zeitplan für den Rollout der REX-Initiative wurde bisher nicht bekannt gegeben. Die Fachkonferenz wird in den kommenden Wochen mit weiteren Terminen in Tokio und Osaka fortgesetzt.

