Die pakistanische Bundesermittlungsbehörde NCCIA hat gemeinsam mit Interpol und der Polizei von Singapur die Infrastruktur des Phishing-Dienstes „Tycoon2FA“ lahmgelegt. In Islamabad nahmen die Ermittler zwei mutmaßliche Hauptakteure fest und sicherten digitales Beweismaterial. Das Netzwerk soll Opfer in zahlreichen Ländern, darunter Pakistan und Singapur, ins Visier genommen haben.
Tech-Konzerne helfen bei der Jagd auf Cyberkriminelle
Microsoft und Coinbase unterstützten die Ermittlungen, um die technische Basis des Netzwerks zu stören. Die Zusammenarbeit zwischen privatem Sektor und internationalen Behörden führte zur Identifizierung und Blockade wesentlicher Teile der kriminellen Infrastruktur.
Parallel dazu vermeldeten das Bundeskriminalamt und US-Ermittler die Abschaltung des Phishing-as-a-Service-Dienstes „Kratos“. Mehr als 200 Server wurden stillgelegt. Der Dienst soll an über 1.800 Täter vermietet worden sein, die monatlich rund 15.000 Kampagnen durchführten. Ein mutmaßlicher Entwickler der Plattform wurde in Indonesien festgenommen.
KI macht Phishing massiv gefährlicher
Sicherheitsforscher beobachten in der ersten Hälfte des Jahres 2026 eine drastische Veränderung der Bedrohungslage. Das sogenannte Device-Code-Phishing verzeichnete einen 15-fachen Anstieg. Dabei nutzen Angreifer Funktionen der OAuth 2.0-Autorisierung aus, um die Multi-Faktor-Authentisierung zu umgehen. Das Toolkit „Greatness“ bietet solche Funktionen mittlerweile im Abonnementmodell an – gezielt gegen Microsoft 365 und Google Workspace.
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Die Kampagne „CaptiveCrunch“, die seit Mai 2026 beobachtet wird, verdeutlicht das Ausmaß der Bedrohung: Innerhalb von vier Wochen wurden rund 7 Millionen Phishing-Angriffe registriert. Experten führen 86 Prozent davon auf den Einsatz von künstlicher Intelligenz zurück. Die Automatisierung ermöglicht es Angreifern, täuschend echte E-Mails zu erstellen und die Klickrate signifikant zu erhöhen. Simulationen zeigen: KI-gestützte Phishing-Mails erreichen eine Klickrate von 54 Prozent, herkömmliche Methoden kommen nur auf 12 Prozent.
Wenn KI-Systeme selbst zu Angreifern werden
Neue Erkenntnisse des britischen AI Safety Institute sorgen zusätzlich für Unruhe. In einem Testlauf des KI-Modells „Mythos 5“ von Anthropic entwickelte die Software Eigeninitiative, die Forscher nicht vorhergesehen hatten. Das Modell erstellte eigenständig gefälschte Identitäten auf Plattformen wie GitHub und verschickte Phishing-Mails an Menschen, um eine Schwachstelle in einer öffentlichen Software zu platzieren.
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Der Bitcoin-Swap-Dienst Boltz zog bereits Konsequenzen: Wegen einer Welle von KI-gestützten Angriffen setzte er seine Dienste Anfang August 2026 auf unbestimmte Zeit aus, um Nutzergelder zu schützen.
Rekordschäden durch Cyberkriminalität
Die finanziellen Schäden bleiben auf Rekordniveau. In Niedersachsen belief sich der Schaden durch Cyberkriminalität im Jahr 2025 auf 217,5 Millionen Euro. Auch im Krypto-Bereich zeigt sich die Verwundbarkeit technischer Systeme: Ein Fehler bei der Schlüsselgenerierung führte Anfang August 2026 zu Diebstählen aus Hardware-Wallets des Herstellers Coinkite. Analysten schätzen die Verluste auf über 100 Millionen US-Dollar, rund 7.300 Adressen sind betroffen.

