Die Fintech-App startet ein Werbenetzwerk mit Nutzerdaten – zeitgleich plant Mutterkonzern Block massive Stellenstreichungen.
Ab heute, dem 9. Februar 2026, wertet die Bezahl-App Cash App die Einkaufsgewohnheiten ihrer Millionen Nutzer in Echtzeit aus, um personalisierte Werbung für Drittmarken zu schalten. Diese strategische Wende hin zur Datenmonetarisierung erfolgt parallel zu Berichten über einen geplanten massiven Stellenabbau beim Mutterkonzern Block Inc. und unterstreicht den finanziellen Druck auf den Fintech-Riesen.
Vom Bezahltool zur Werbeplattform
Die aktualisierte Datenschutzerklärung beschreibt detailliert das neue „Commerce Media Network“. Cash App darf nun Transaktionsverläufe, Suchanfragen innerhalb der App, Kartenzahlungen und sogar grobe Standortdaten verarbeiten. Ziel ist es, Nutzern maßgeschneiderte Anzeigen von Marken außerhalb des eigenen Ökosystems zu zeigen.
Anders als bei sozialen Netzwerken, die Absichten nur erahnen, weiß Cash App genau, wofür Nutzer ihr Geld ausgeben. Diese „Closed-Loop“-Daten sind für Werbetreibende äußerst wertvoll. Die App teilt dafür Kategorien wie „Reiseinteressiert“ oder „Technik-Enthusiast“ sowie verschleierte Nutzerkennungen mit Werbetechnologie-Partnern.
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So deaktivieren Sie die Datenweitergabe
Nutzer, die nicht Teil des Werbenetzwerks sein möchten, können die Funktion deaktivieren. Dazu müssen sie in der App unter „Konto & Einstellungen“ den Punkt „Datenschutz“ aufrufen und die entsprechende Option ausschalten. Die Einstellung kann jederzeit geändert werden.
Datenschutzexperten weisen jedoch darauf hin: Das Opt-out stoppt nur die Datenweitergabe für Drittanzeigen. Die interne Datensammlung zur Betrugsprävention oder Serviceverbesserung läuft weiter. In Regionen mit strengen Gesetzen wie der EU gilt möglicherweise standardmäßig ein Opt-in.
Block Inc. plant Stellenabbau von zehn Prozent
Die neue Werbestrategy fällt mit einem harten Sparkurs zusammen. Wie Bloomberg am vergangenen Samstag berichtete, plant Block Inc., zu dem auch Square und Afterpay gehören, einen Abbau von bis zu zehn Prozent der Belegschaft. Die Effizienzmaßnahmen sollen die Profitabilität steigern und die verschiedenen Geschäftssparten enger verzahnen.
Die parallelen Entwicklungen – Stellenstreichungen und Start des Werbenetzwerks – zeigen eine klare Strategie: Neue Einnahmequellen durch Nutzerdaten erschließen und gleichzeitig die Kosten radikal senken. Damit reagiert das Unternehmen auf den Druck der Investoren, ambitionierte Gewinnziele zu erreichen.
Regulierungsdruck und Millionen-Strafen
Der Schritt in die Verhaltenswerbung erfolgt in einem schwierigen regulatorischen Umfeld. Erst im Januar 2025 verhängte die US-Verbraucherschutzbehörde CFPB eine Strafe von 175 Millionen US-Dollar gegen Cash App wegen mangelhafter Betrugsbekämpfung.
Kürzlich begannen zudem Auszahlungen aus einer Sammelklage in Höhe von 12,5 Millionen Dollar. Grund waren unerwünschte Werbe-SMS, die gegen Gesetze im Bundesstaat Washington verstießen. Diese Vorfälle unterstreichen den Spagat zwischen schnellem Wachstum und der Einhaltung von Verbraucherrechten.
Risiko: Das sensible Vertrauensverhältnis
Die Monetarisierung von Finanzdaten ist ein heikles Geschäft. Nutzer betrachten ihre Zahlungsinformationen als besonders intim. Wird das Vertrauen missbraucht, droht ein Reputationsschaden ähnlich dem einiger Tech-Giganten.
Der Erfolg der Strategie hängt maßgeblich von zwei Faktoren ab: der Transparenz des Opt-out-Vorgangs und der wahrgenommenen Relevanz der geschalteten Werbung. Werden die Anzeigen als aufdringlich empfunden, könnte der Widerstand der Nutzer groß sein.
Ausblick: Werbung als Wachstumstreiber bis 2028
Block Inc. erwartet, dass das Werbenetzwerk das Bruttogewinnwachstum bis 2028 steigern wird. Investoren werden die kommenden Quartalszahlen genau auf erste Werbeerlöse prüfen. Gleichzeitig dürften Datenschutzbehörden in den USA und Europa die Praxis der „maskierten Kennungen“ und die Deaktivierungs-Optionen genau unter die Lupe nehmen.
Für Nutzer ändert sich das Erlebnis in der App bereits diese Woche. Die Branche beobachtet gespannt, ob Wettbewerber nachziehen und digitale Geldbörsen so zu einer neuen, mächtigen Werbeplattform werden.
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