Casio schockt die Musikbranche mit einem Prototypen, der die portable Musikproduktion aufmischen könnte. Auf der NAMM 2026 in Anaheim präsentierte der japanische Elektronikpionier überraschend den SX-C1 – einen vollständig eigenständigen Sampler, der als direkter Nachfolger des Kultgeräts SK-1 aus den 1980er Jahren gilt. Die Musikwelt reagiert elektrisiert.
Ein Handheld mit Profi-Ambitionen
Der Entwurf verbindet spielerische Handhabung mit ernsthafter Technik. Optisch erinnert das Gehäuse an einen Retro-Gamecontroller, doch die Spezifikationen sprechen eine klare Sprache: 16-bit Sampling bei 48 kHz, eine 1,3-Zoll OLED-Anzeige und ein 4×4-Pad-Grid mit velocity-sensitive Oberfläche machen deutlich, dass hier kein Spielzeug entsteht.
Besonders beeindruckt die Ausstattung. Mit 64 GB internem Speicher übertrifft der Prototyp viele Konkurrenzprodukte. Die Kapazität soll sowohl für eigene Aufnahmen als auch für eine Bibliothek klassischer Casio-Sounds aus CZ-Synthesizern und SK-Samplern reichen. Die Anschlüsse – inklusive dual USB-C – sind für ein Handheld-Gerät ungewöhnlich umfangreich.
Workflow zwischen Nostalgie und Moderne
Die Demos auf der Messe zeigen einen Geräte-Charakter zwischen Skizzenblock und vollwertigem Instrument. Integriert ist ein grid-basierter Step-Sequenzer, wie man ihn von teureren Grooveboxes kennt. Für Effekte und Sound-Shaping sorgen physische Regler und Drehrädchen, die für Live-Performance optimiert sind.
Mit eingebautem Mikrofon und Lautsprecher positioniert Casio den SX-C1 als Ideenfänger für unterwegs. Doch die 16-stimmige Polyphonie und professionellen Ein-/Ausgänge deuten auf größere Ambitionen hin. Kann das Gerät tatsächlich zur mobilen Workstation werden?
Strategischer Markteintritt zum richtigen Zeitpunkt
Die Timing könnte kaum besser sein. Der Markt für portable Sampler boomt, doch zwischen Teenage Engineerings minimalistischen Geräten und Rolands Profi-Lösungen klafft eine Lücke. Genau hier zielt Casio.
„Das Gerät besetzt eine strategische Nische“, analysieren Branchenbeobachter. „Es bietet die Spielbarkeit eines Pocket Operators mit der Leistung größerer Geräte.“ Der entscheidende Faktor wird der Preis sein. Kann Casio die Geräte aggressiv genug kalkulieren, um den Einstiegsmarkt aufzuwirbeln?
Die Integration vintage-eigener Sounds ist ein kluger Schachzug. In Zeiten, in denen Lo-Fi-Ästhetik Hip-Hop und Elektronik prägt, besitzt Casio eine Authentizität, die sich neue Marken erst mühsam erarbeiten müssen.
Noch viele offene Fragen
Als Prototyp wirft der SX-C1 mehr Fragen auf, als er Antworten gibt. Die finale Effekt-Palette, die Tiefe des Sequenzers und die Verarbeitungsqualität stehen noch nicht fest. Auf der Messe prangten an vielen Stellen „TBD“-Schilder – „To Be Decided“.
Casio betont, dass man sich im Entwicklungsstadium befinde und Feedback der Community sammle. Die Musiktech-Welt beobachtet gespannt. Gelingt der Brückenschlag zwischen Nostalgie und modernem Workflow, könnte 2026 das Jahr der Casio-Renaissance werden.





