Sicherheitsforscher des Unternehmens Fortra haben eine neue Methode der Cyberkriminalität identifiziert, die unter der Bezeichnung „Chameleon SEO Poisoning“ bekannt geworden ist. Dabei nutzen Angreifer gefälschte Bank-Websites, die gezielt darauf ausgelegt sind, herkömmliche Sicherheitsscanner durch eine kontrollierte Präsentation der Inhalte zu täuschen. Laut Berichten von Fortra verzeichnete diese Masche im zweiten Quartal 2026 einen Anstieg der Fallzahlen um 40 Prozent.
Technische Manipulation durch Typo-Squatting
Die Angreifer setzen bei dieser Taktik verstärkt auf sogenannte Typo-Squat-Domains, die unter Endungen wie .ph.com und .gr.com registriert werden, um legitime Bankportale nachzuahmen. Auch das japanische Sicherheitsportal blackhatnews.tokyo bestätigte die Ausbreitung dieser Angriffe.
Analysen von Allure Security untermauern den Ernst der Lage: Die Experten fanden insgesamt 2.200 gefälschte Banking-Domains, von denen zum Zeitpunkt der Untersuchung 1.095 aktiv waren.
Besonders auffällig ist die Standardisierung der Angriffe. Rund 97 Prozent der identifizierten Fake-Banking-Domains nutzen laut Allure Security das sogenannte Cuex-Template, das für lediglich 25 US-Dollar im Internet erworben werden kann.
Ein spezifisches Merkmal vieler dieser Seiten ist der Tippfehler „Curreny Charts“, der in 838 der untersuchten Domains auftauchte. Insgesamt konnten die Sicherheitsforscher auf diesen Plattformen 770 Login-Seiten und 767 Session-Cookies sicherstellen, was auf eine hohe Effizienz beim Diebstahl von Zugangsdaten hindeutet.
Verlagerung der Strategie auf den Faktor Mensch
Der Trend zu immer raffinierteren Täuschungsmanövern wird auch von Finanzdienstleistern beobachtet. David Capezza, Risikochef bei Visa, erklärte, dass sich der Betrug zunehmend von der reinen Datenbeschaffung auf die direkte Manipulation der Kunden verlagere.
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Während Visa täglich etwa 900 Millionen Transaktionen verarbeite und die Betrugsquote bei 0,1 Prozent liege, steige die Gefahr durch gezieltes Social Engineering. Das Bundeskriminalamt (BKA) meldete in diesem Zusammenhang ebenfalls einen deutlichen Anstieg der Phishing-Angriffe auf Bankkunden.
Eine besonders gefährliche Variante ist das „Caller ID Spoofing“. Hierbei erscheint auf dem Telefondisplay der Opfer die echte Telefonnummer ihrer Bank. Kriminelle fordern unter diesem Vorwand Passwörter, Freigabecodes oder Überweisungen auf vermeintlich „sichere Konten“ an.
Massive finanzielle Schäden durch kombinierte Betrugsmaschen
Aktuelle Fälle aus den vergangenen Wochen verdeutlichen das Schadenspotenzial. In Rheinhessen verlor ein 31-jähriger Mann am 22. August 2026 über 10.000 Euro, nachdem er eine gefälschte Bank-SMS erhalten hatte und anschließend telefonisch von einem vermeintlichen Mitarbeiter zur Bestätigung einer Überweisung in seiner Bank-App gedrängt worden war.
Nur einen Tag zuvor, am 21. August 2026, wurde ein 85-jähriger Mann in Kaarst Opfer eines ähnlichen Betrugs und verlor einen hohen vierstelligen Betrag.
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Auch in Österreich häufen sich die Vorfälle. Eine 22-jährige Studentin in Wien verlor am 13. August 2026 eine Erbschaftssumme von 9.800 Euro an einen falschen Bankberater, der über detaillierte Kenntnisse ihrer Kontobewegungen und ihrer Filiale verfügte.
Die Sparkasse Oberösterreich warnte in diesem Kontext vor einer neuen Betrugswelle, bei der sich Täter nicht nur als Bankmitarbeiter, sondern auch als Polizisten, Ärzte oder Staatsanwälte ausgeben.
Empfehlungen zur Prävention
Um sich vor „Chameleon SEO Poisoning“ und Telefonbetrug zu schützen, raten Experten und Polizeibehörden zur äußersten Vorsicht. Fortra empfiehlt, Bank-Logins grundsätzlich direkt über die Adresszeile des Browsers einzugeben oder die offizielle App des Instituts zu nutzen, statt Suchmaschinenergebnissen zu folgen.
Die Polizei betont, dass Bankmitarbeiter niemals telefonisch zur Freigabe von Zahlungen oder zur Herausgabe von Passwörtern auffordern. Im Zweifelsfall sollten Kunden das Gespräch sofort beenden und ihre Bank unter einer offiziell bekannten Nummer selbst zurückrufen. Institutionen sollten stets unabhängig verifiziert werden, um die Authentizität der Kommunikation sicherzustellen.

