ChatGPT Computer History: OpenAI zeichnet Klicks und Tastatureingaben auf

OpenAI führt die Funktion Computer History für ChatGPT auf macOS ein, die Nutzeraktivitäten lokal erfasst und nach 48 Stunden zur Verarbeitung an Server übermittelt.

OpenAI hat Mitte August 2026 mit der Einführung einer neuen Funktion namens „Computer History“ für die ChatGPT-App unter macOS begonnen. Das Werkzeug ist darauf ausgelegt, Interaktionsereignisse auf dem Betriebssystem zu erfassen, um den Kontext der Nutzeraktivitäten für den KI-Assistenten nutzbar zu machen. Dabei zeichnet die Anwendung Klicks, Tastatureingaben und App-Wechsel auf, verzichtet jedoch laut Unternehmensangaben auf die Aufnahme von Bildschirminhalten oder Audiomaterial.

Funktionsweise und Integration in macOS

Die neue Funktion nutzt die Barrierefreiheits-Schnittstellen von macOS, um die Aktivitäten des Nutzers zu verfolgen. Computer History löst damit die bisherige Funktion namens „Chronicle“ ab. Ziel der Datenerfassung ist es, eine Zeitleiste für ChatGPT zu erstellen und Erinnerungen aus den aufgezeichneten Ereignissen zu generieren. Dies soll dem Sprachmodell helfen, Anfragen im Kontext der zuvor getätigten Arbeitsschritte besser zu verstehen.

Die Speicherung der Daten erfolgt zunächst lokal auf dem Endgerät des Nutzers. In diesem Zustand verbleiben die Informationen für bis zu 48 Stunden unverschlüsselt, bevor sie zur weiteren Verarbeitung an die Server von OpenAI übertragen werden.

Die lokalen Speicherdateien bleiben so lange auf dem System erhalten, bis sie vom Anwender aktiv gelöscht werden. Nutzer haben zudem die Möglichkeit, bestimmte Anwendungen oder Websites von der Erfassung auszuschließen, die Sammlung jederzeit zu pausieren oder den Verlauf manuell zu bereigen.

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Verfügbarkeit und Sicherheitsaspekte

Die Einführung von Computer History erfolgt schrittweise und ist an spezifische Abonnement-Modelle gebunden. Die Funktion steht Nutzern der Versionen ChatGPT Pro, Business und Enterprise zur Verfügung. Während Pro-Anwender das Feature manuell in den Einstellungen aktivieren müssen, ist in Unternehmensumgebungen eine Freigabe durch die Administratoren erforderlich. Standardmäßig ist die Funktion deaktiviert (Opt-in).

Regional ist die Verfügbarkeit zum aktuellen Zeitpunkt eingeschränkt. OpenAI bietet den Dienst in den USA und den meisten globalen Regionen an. Ausgenommen sind derzeit der Europäische Wirtschaftsraum (EWR), die Schweiz sowie Großbritannien. Für diese Märkte sei eine spätere Einführung geplant.

Experten weisen darauf hin, dass die kontinuierliche Aufzeichnung von Interaktionsdaten das Risiko für sogenannte Prompt-Injection-Angriffe erhöhen kann. Da die KI Zugriff auf einen detaillierten Verlauf der Nutzeraktionen erhält, könnten bösartige Eingaben in Drittanwendungen theoretisch dazu genutzt werden, das Verhalten des Assistenten zu manipulieren.

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Wettbewerb durch Betriebssystem-Assistenten

Zeitgleich treiben auch andere Technologiekonzerne die Integration von KI auf Betriebssystemebene voran. So wurde Mitte August 2026 bekannt, dass das chinesische Unternehmen Tencent seinen KI-Assistenten Marvis für Windows-PCs und Android-Geräte gestartet hat, während Versionen für iOS und macOS folgen sollen.

Marvis verfolgt einen agentenbasierten Ansatz und nutzt sechs rund um die Uhr aktive digitale Agenten für Aufgaben wie Dateiverwaltung, Systemoperationen und die geräteübergreifende Steuerung. Der Assistent kann unter anderem Android-Apps über einen App-Store bedienen und Systemeinstellungen ändern, etwa um Werbung im Betriebssystem zu deaktivieren.

Im Gegensatz zur reinen Cloud-Verarbeitung bei OpenAI bietet Tencent für Marvis einen lokalen Datenschutzmodus an, der auf Modellen wie Qwen basiert, während für komplexere Aufgaben Cloud-Modelle wie Hunyuan oder DeepSeek V4 herangezogen werden.

Marvis war offiziell bereits im Mai 2026 für erste Plattformen gestartet und unterstreicht den Trend zu Assistenten, die tief in die Steuerungslogik von Computern und Mobiltelefonen eingreifen.