ChatGPT Dreaming V3: Gedächtnissystem speichert narrative Profile

ChatGPT erhält mit Dreaming V3 ein narratives Gedächtnissystem. OpenAI verbessert Faktenabruf und Vorlieben-Erkennung bei geringerem Rechenaufwand.

Ab dem 4. Juni 2026 speichert ChatGPT nicht länger nur isolierte Fakten, sondern erstellt umfassende narrative Profile seiner Nutzer. Die Funktion namens „Dreaming V3“ kategorisiert automatisch Informationen aus früheren Unterhaltungen – etwa zu Beruf, Hobbys oder Reiseverhalten – und verdichtet sie zu einem digitalen Nutzerprofil.

Von der Datenbank zur Erzählung

Der entscheidende Fortschritt liegt in der Art, wie die KI Kontext verarbeitet. Statt bloßer Datenspeicherung leitet das System narrative Zusammenfassungen ab und aktualisiert sie kontinuierlich. Das Ergebnis: maßgeschneiderte Interaktionen, die auf dem gesamten Gesprächsverlauf basieren.

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Die internen Evaluierungen belegen deutliche Fortschritte. Die Genauigkeit beim Abruf von Fakten stieg auf 82,8 Prozent – ein Sprung gegenüber 67,9 Prozent im Jahr 2025 und 41,5 Prozent im Jahr 2024. Noch beeindruckender fällt die Verbesserung bei der Erkennung persönlicher Vorlieben aus: Hier kletterte der Wert von 31,4 auf 71,3 Prozent. Auch die Aktualität der gespeicherten Informationen verbesserte sich auf 75,1 Prozent, nach 52,2 Prozent bei früheren Versionen.

Bemerkenswert: Das Dreaming-System benötigt fünfmal weniger Rechenleistung als seine Vorgänger – ein entscheidender Faktor für die breite Nutzbarkeit.

Rollout mit doppeltem Speicher

Die Aktualisierung rollt zunächst für Plus- und Pro-Abonnenten in den USA aus. Sie profitieren zudem von einer Verdopplung ihrer Speicherkapazität. Nutzer der kostenlosen Version sollen in den kommenden Wochen Zugriff auf die Dreaming-Funktionen erhalten.

Datenschutz steht im Fokus: OpenAI führte eine spezielle Übersichtsseite ein, auf der Nutzer ihre Narrative Profile einsehen, korrigieren oder löschen können. Wer die bisherige Speicherform bevorzugt, kann ältere Gedächtnisdaten in den Einstellungen behalten.

Sicherheitsupdate: Sitzungen im Blick

Parallel veröffentlichte OpenAI am 4. Juni das Feature „Active Sessions“. Es erlaubt Nutzern und Administratoren, aktive ChatGPT-Instanzen browser-, app- und API-übergreifend zu überwachen und zu beenden. Die Anzeige umfasst Gerätetyp, Standort und Anmeldezeitpunkt jeder Sitzung.

Branchenexperten bezeichnen die Einführung des Sitzungsmanagements als längst überfällig. Allerdings fehlt noch die Kompatibilität mit Single-Sign-On-Verfahren wie SAML oder OIDC. Auch Aktivitäten von Drittanbieter-Apps werden nicht angezeigt.

Codex: Fünf Millionen Nutzer – auch ohne Code

OpenAIs Entwicklungsplattform Codex verzeichnet inzwischen über fünf Millionen wöchentliche Nutzer. Überraschend: Rund 20 Prozent davon sind keine Entwickler, sondern arbeiten in Marketing, Investmentbanking oder Design. Neue Funktionen umfassen rollenspezifische Plugins für Datenanalyse sowie die Funktion Sites, die aus Textanweisungen interaktive Webseiten und Anwendungen generiert.

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Altman: „Wir stehen erst am Anfang“

OpenAI-CEO Sam Altman äußerte sich auf einer Unternehmensveranstaltung am 4. Juni zur Entwicklung der KI. Die Branche befinde sich derzeit in der zweiten Phase, die von KI-Agenten dominiert werde. Altman prognosticierte einen baldigen Übergang zur dritten Phase: proaktive KI. Diese würde permanent im Hintergrund laufen und Aufgaben automatisch erledigen – eine Entwicklung, die helfen könnte, die steigenden Implementierungskosten zu senken, die bereits Anfang des Jahres viele Unternehmensbudgets belastet haben.

Wettbewerb schläft nicht

Der Trend zu persistenten persönlichen Gedächtnisfunktionen ist branchenweit zu beobachten. Anfang Juni 2026 sicherte sich das Startup Town 55 Millionen US-Dollar (umgerechnet rund 51 Millionen Euro) in einer Series-B-Finanzierung für einen privaten „Memory Graph“ auf Basis von E-Mails und Kalendern. Google brachte die experimentelle App Dreambeans auf den Markt, die aus Nutzerdaten tägliche illustrierte Geschichten erstellt.

Im Reisesektor launchte IHG Hotels & Resorts am 4. Juni eine spezielle ChatGPT-App für Buchungen und Hotelvergleiche. Bereits im März 2026 zeigten Studien, dass über die Hälfte der US-Reisenden KI für die Reiseplanung nutzt.

Rechtliche Baustellen

So beeindruckend die technischen Fortschritte sind – OpenAI steht weiterhin vor rechtlichen Herausforderungen. Ein Urteil des Münchner Landgerichts aus dem Jahr 2025 stellte fest, dass die Fähigkeit des Modells, urheberrechtlich geschützte Songtexte zu reproduzieren, eine Verletzung des deutschen Urheberrechts darstellt. Die Klage der Musikorganisation GEMA könnte richtungsweisend für den Umgang mit KI-generierten Inhalten in Europa sein.