ChatGPT: Eine Milliarde Nutzer – doch Claude und Meta wachsen schneller

ChatGPT erreicht eine Milliarde monatliche Nutzer, während neue Klagen und eine Vorladung den Börsengang überschatten.

OpenAI hat einen historischen Meilenstein erreicht, sieht sich aber gleichzeitig mit wachsenden regulatorischen und rechtlichen Herausforderungen konfrontiert.

Rekordwachstum in Rekordzeit

ChatGPT hat im Mai die Marke von einer Milliarde monatlicher App-Nutzer geknackt. Damit ist die KI-Plattform von OpenAI die am schnellsten wachsende Anwendung aller Zeiten – rund 3,5 Jahre nach ihrem Launch. Doch die Konkurrenz schläft nicht: Während ChatGPT im Jahresvergleich um 62 Prozent zulegte, verzeichneten Claude (640 Prozent) und Meta AI (973 Prozent) deutlich höhere Wachstumsraten.

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Auch das Werbegeschäft boomt. In der Woche bis zum 8. Juni stieg die Zahl der aktiven Werbekunden um 46 Prozent – von 2.585 auf 3.770. Grund dafür war unter anderem eine Senkung der Mindestausgabenschwelle. Acht der zehn größten Werbetreibenden kommen inzwischen aus dem B2B-Softwarebereich. Interessant: Werbeanzeigen erscheinen jetzt meist zwischen dem 14. und 22. Gesprächsschritt, früher waren es der 7. oder 8.

Bezahlen per Chat: OpenAI setzt auf Finanzintegration

Eine neue Partnerschaft mit Visa ermöglicht direkte Zahlungen innerhalb von ChatGPT. Nutzer können dynamische Berechtigungen festlegen – etwa bestimmte Händlerkategorien oder Ausgabenlimits. Die Technik basiert auf einer API von Visa, die einmalige, händlerspezifische Tokens ausstellt. Bei Transaktionen über einer festgelegten Schwelle ist eine manuelle Bestätigung nötig. Experten empfehlen, für KI-Agenten separate digitale Geldbörsen zu nutzen und Autorisierungsprotokolle regelmäßig zu prüfen.

Parallel dazu launchte der Versicherer APRIL am 15. Juni seine „APRIL Moto“-Anwendung in ChatGPT. Kunden erhalten personalisierte Versicherungsangebote per Chat, in Echtzeit verknüpft mit den Preissystemen des Unternehmens. APRIL-CEO Éric Maumy prognostiziert, dass künftig ein erheblicher Teil der Versicherungsprozesse mit einem Gespräch beginnen werde. Der Versicherer erzielte 2025 einen Jahresumsatz von 907 Millionen Euro.

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Regulierungsdruck und Klagewelle

Am 15. Juni stellte ein Bündnis US-amerikanischer Generalstaatsanwälte unter Führung des New Yorker Justizministers OpenAI eine Vorladung zu. Gefordert werden umfassende Unterlagen zu Sicherheitsprotokollen, Datenpraktiken, Werbemethoden und Richtlinien für Minderjährige. Die Maßnahme folgt auf OpenAIs vertraulichen Börsengang-Antrag, der das Unternehmen mit rund einer Billion Euro bewerten dürfte.

Hinzu kommen mehrere Klagen: Im Juni reichte der Generalstaatsanwalt von Florida Klage ein – Hintergrund sind zwei Schusswaffenangriffe, die angeblich mit Chatbot-Nutzung in Verbindung stehen. Am 11. Juni verklagte zudem eine Kanadierin das Unternehmen wegen des Todes ihrer Tochter.

Die öffentliche Stimmung gegenüber OpenAI schwankt. Eine Partnerschaft mit dem US-Verteidigungsministerium im Februar führte am 28. Februar zu einem Anstieg der App-Deinstallationen um 295 Prozent. Trotz aller Bedenken zeigt eine BCG-Studie: 74 Prozent der Angestellten an der Front nutzen inzwischen regelmäßig KI – ein Plus von 23 Prozentpunkten im Jahresvergleich. Neben OpenAI bereitet sich auch das KI-Unternehmen Anthropic auf einen Börsengang vor.