Künstliche Intelligenz hält zunehmend Einzug in schulische Arbeitsabläufe von Heranwachsenden. OpenAI hat sein Angebot für jüngere Nutzer um neue Lernwerkzeuge sowie einen sogenannten College Planner erweitert, der Schüler bei der akademischen Organisation und beim Wissenserwerb unterstützen soll.
Während das Unternehmen auf Partnerschaften und Daten zur Bildungsnutzung verweist, üben Kinderschützer deutliche Kritik an den bestehenden Sicherheitsvorkehrungen.
Neue Funktionen für Bildung und Studienorganisation
Das neu vorgestellte Planungswerkzeug bündelt Bewerbungsanforderungen, Fristen, Aufgaben und Schritte zur Finanzhilfe für die Einrichtungen auf der Auswahlliste eines Schülers in einem zentralen Plan. Die Entscheidung darüber, wo sich die Jugendlichen bewerben, trifft das System nicht selbstständig.
Zu den abgedeckten Bereichen gehören Anforderungen für finanzielle Unterstützung, Fristen je Schule, Stipendien und Gebührenerlasse. Zudem bietet das Programm Fortschritts-Updates, Kalender-Planung sowie Hilfestellungen bei Fragen zum gesamten Bewerbungsprozess.
Die Funktion startet zunächst in den USA für Schüler der Klassen 10 bis 12, die ein vierjähriges College anstreben. Eine Ausweitung auf weitere Länder sowie zweijährige Hochschulen, Fachhochschulen und Berufsschulen ist nach Angaben des Unternehmens vorgesehen.
Ergänzend dazu wurden weitere Lernwerkzeuge eingeführt. Eine kontinuierliche Mehrfachfoto-Aufnahme auf iOS fasst mehrere Notizseiten zu einem PDF zusammen; eine Android-Version befindet sich in der Entwicklung. Zudem lassen sich Lernkarten aus Notizen oder Themenbereichen generieren.
Nutzer können Karten markieren, nicht gewusste Inhalte wiederholen, das Kartendeck mischen und Decks für spätere Einheiten in einer Bibliothek speichern. Darüber hinaus ermöglicht die Anwendung die automatische Erstellung von Quizzen aus eigenen Notizen oder direkt im Chatverlauf.
Das Angebot ChatGPT for Teens ist seit seiner Einführung am 18.08.2026 das Standard-Erlebnis für Konten, die als unter 18 Jahre identifiziert wurden. Es enthält Funktionen wie einen Lernmodus, Hausaufgaben-Erinnerungen, Visualisierungen und feste Lernzeiten.
Nutzungsverhalten und Begleitpartnerschaften
Nach Angaben von OpenAI nutzen wöchentlich Hunderte Tausende US-Jugendliche die Plattform für Bewerbungsplanung, Fristen, Schulsuche und Finanzhilfe. Jugendliche mit Zugang zu der Teen-Version sendeten im Durchschnitt rund 2,7 Millionen mehr lernbezogene Nachrichten als Nutzer ohne diese Version.
Welche KI-Systeme gelten als Hochrisiko – und was müssen Unternehmen jetzt konkret tun? Die EU-KI-Verordnung stellt neue Regeln auf, die viele noch nicht kennen – dieser kostenlose Report klärt auf. Kostenlosen KI-Leitfaden herunterladen
Fast 1,2 Millionen Jugendliche nutzten in einer Woche Lern-Visualisierungen für Mathematik und Naturwissenschaften, während über 180.000 den Lernmodus einsetzten. Im Durchschnitt verbringen Heranwachsende laut OpenAI unter 15 Minuten pro Tag auf der Plattform, wobei unter 2 Prozent mehr als drei Stunden am Stück aktiv sind.
Bei Sitzungen von über drei Stunden Dauer enthielten über 80 Prozent mindestens eine lernbezogene Eingabe. In fast der Hälfte der Gespräche mit einer Pausen-Erinnerung erfolgte eine Unterbrechung oder das Beenden der Sitzung binnen fünf Minuten. Zu den beliebtesten Einstiegsfragen zählten Erkundigungen zu eigenen Ideen, Feedback zu Entwürfen und das Prüfen von Belegen.
Zur fachlichen Begleitung kooperiert OpenAI mit dem College Advising Corps, das über eine Million eingeschriebene Studenten, über 35,7 Milliarden US-Dollar an Hilfen und Stipendien sowie im Jahr 2026 über 300 Berater bei einem Verhältnis von 376 Studenten pro Berater umfasst. Geplant sind eine Expansion in weitere Bundesstaaten und ein Fellowship für Berater im Bereich künstlicher Intelligenz.
Eine weitere, auf drei Jahre angelegte Kooperation besteht mit dem Student Advisory Council des Digital Wellness Lab am Boston Children’s Hospital. Im Zeitraum 2026 bis 2027 begleiten rund 22 Schüler in zwei Gruppen von Oktober 2026 bis Mai 2027 die Entwicklung und geben Rückmeldung zu Sicherheitseinstellungen und Elternkontrollen.
Wer KI-Systeme einsetzt, muss heute neue gesetzliche Anforderungen und Risiken genau im Blick behalten. Dieser kostenlose Download verschafft Ihnen den Überblick über Fristen und Pflichten, den Ihre IT-Abteilung jetzt braucht. EU AI Act in 5 Schritten verstehen
Untersuchung von Common Sense Media beanstandet Schutzlücken
Trotz dieser Maßnahmen bewertete das Youth AI Safety Institute der Organisation Common Sense Media die Plattform für Heranwachsende laut Berichten vom 7.10.2026 als inakzeptables Risiko und forderte OpenAI auf, das Angebot bis zur Behebung von Mängeln auf Erwachsene zu beschränken.
In einer Testreihe mit über 4.000 Eingaben über verschiedene Jugendkonten beurteilten drei Fachleute für Kinder- und Jugendpsychiatrie 201 von 390 Eingaben zur psychischen Gesundheit als krisenressourcenpflichtig.
Bei diesen 201 Eingaben auf elternverknüpften Konten für 13-Jährige sank die Nennung von Krisen-Hotlines im Vergleich zur Zeit vor dem Start von 33 Prozent auf 23 Prozent und die Weiterleitung an Fachleute von 68 Prozent auf 58 Prozent.
Dringlichkeits-Formulierungen gingen von 88 Prozent auf 78 Prozent zurück, während die Ermutigung zur Kontaktaufnahme mit vertrauenswürdigen Erwachsenen von 87 Prozent auf 94 Prozent stieg. Bei spezifischen Eingaben zu Depressionen fiel die Nennung von Hotlines von 63 Prozent auf 3 Prozent und Fragen zur Sicherheitsüberprüfung von 28 Prozent auf 2 Prozent.
Zudem ließen sich pädagogische Schutzfunktionen umgehen: Ein Pop-up zur Anzeige der direkten Antwort erschien in 43 Prozent der Fälle bei verknüpften Konten von 13-Jährigen und in 90 Prozent bei nicht verknüpften Konten von 17-Jährigen.
Lernzeiten ließen sich durch das Löschen eines bestimmten Befehlspräfixes umgehen, woraufhin die Aufgaben vollständig gelöst wurden. Tom Siegel, Geschäftsführer des Instituts, warnte, das jugendspezifische Angebot könne Eltern ein falsches Vertrauen in Schutzmaßnahmen vermitteln.
Reaktion von OpenAI auf die Prüfergebnisse
OpenAI hielt den Testergebnissen entgegen, dass die Untersuchungen die praktische Nutzung nicht widerspiegelten, und bat um eine erneute Testreihe. Ein Sprecher des Unternehmens erklärte zudem, dass die Verknüpfung von Konten zwischen Eltern und Jugendlichen sowie die Aktivierung entsprechender Sicherheitswarnungen mehrere Stunden in Anspruch nehmen könne.

