ChatGPT jetzt in PowerPoint: Microsoft baut KI-Offensive aus

Microsoft bringt ChatGPT in PowerPoint, kündigt aber Preiserhöhungen für Business-Abos an. Europäische Alternativen gewinnen an Bedeutung.

Die Integration von ChatGPT in PowerPoint markiert den nächsten Schritt in Microsofts KI-Strategie – doch die steigenden Preise und wachsende Konkurrenz aus Europa stellen den Marktführer vor Herausforderungen.

Seit Ende Mai 2026 können Nutzer von Microsoft 365 Präsentationen per Textbefehl erstellen und bearbeiten. Die Funktion steht in den Abonnements Business, Enterprise und Education zur Verfügung und folgt auf ähnliche Integrationen in anderen Office-Anwendungen. Einfache Befehle genügen, um Folienstrukturen anzupassen oder Inhalte neu zu formatieren.

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Preisschub zum Juli: Microsoft verteuert Abos deutlich

Doch die neuen KI-Funktionen haben ihren Preis. Microsoft streicht offenbar einige kostenlose Copilot-Funktionen aus den Desktop-Anwendungen – ein klarer Anreiz, auf die Bezahlmodelle umzusteigen. Ab dem 1. Juli 2026 steigen die Preise für Microsoft 365 Business Basic um rund 16 Prozent auf etwa sieben Euro. Das Business Standard-Paket verteuert sich um zwölf Prozent auf rund 14 Euro. Im öffentlichen Sektor könnten die Preise sogar um bis zu 13 Prozent anziehen.

Parallel dazu verschärft Microsoft die Sicherheitsvorkehrungen. Seit dem 21. Mai 2026 werden SMS-basierte Logins für private Konten schrittweise abgeschafft. Stattdessen setzt der Konzern auf Passkeys mit Biometrie oder PIN – ein Schutz gegen SIM-Swapping und Phishing, die im vergangenen Jahr für Milliardenschäden durch Online-Betrug verantwortlich waren.

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Europäische Alternativen: OnlyOffice und Euro-Office im Aufwind

Während Microsoft die Preise anzieht, positionieren sich europäische Anbieter als souveräne Alternativen. OnlyOffice hat Version 9.4 seiner Suite veröffentlicht und dabei das Vertriebsmodell grundlegend überarbeitet. Die bisherige Beschränkung auf 20 gleichzeitige Verbindungen in der Community Edition fällt weg – ein deutliches Signal an größere Organisationen.

Technisch setzt die neue Version auf eine vereinfachte Ein-Prozess-Architektur, die ohne externe Datenbanken und Message Broker auskommt. Die Lizenz wurde auf die strengere AGPLv3 umgestellt, die eine klare Kennzeichnung von Änderungen vorschreibt. Zu den neuen Funktionen zählen ein Dark Mode für Tabellenkalkulationen, 25 neue Präsentationsdesigns und 20 frische Folienübergänge. Auch die Sicherheit wurde verbessert: Schwachstellen in der Dateikonvertierung und Makro-Umgebung wurden geschlossen.

Noch ehrgeiziger ist das „Euro-Office“-Bündnis, das im Sommer 2026 an den Start gehen soll. Die Allianz aus Ionos, Nextcloud, Proton, XWiki und OpenProject bietet eine DSGVO-konforme Cloud-Suite aus europäischen Rechenzentren. Ein erster Erfolg: Das französische Bildungsministerium hat bereits 330.000 Mitarbeiter auf Nextcloud-basierte Systeme umgestellt.

OpenDesk-Studie: Noch kein vollwertiger Microsoft-Ersatz

Doch der Weg zur digitalen Souveränität ist steinig. Eine Studie der Stadt Zürich und der Berner Fachhochschule vom 22. Mai 2026 kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: Die Open-Source-Alternative OpenDesk ist noch kein vollwertiger Ersatz für Microsoft 365.

Die Forscher identifizierten mehrere Schwachstellen: Es fehlen native mobile Apps, eine Volltextsuche im Web-Client und die Kompatibilität zu komplexen Excel-Makros. Besonders brisant: Die Online-Lizenzkosten von OpenDesk liegen bis zu 50 Prozent über denen von Microsoft – hinzu kommen hohe einmalige Einrichtungskosten.

Die Bundesregierung zeigt sich entsprechend vorsichtig. Am 22. Mai 2026 verlängerte sie den Rahmenvertrag mit Microsoft bis zum 30. Juni 2027 – trotz Ausgaben von fast 500 Millionen Euro für Microsoft-Produkte im Jahr 2025, ein Plus von 38 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Opposition kritisiert den Schritt scharf: Der Regierung fehle der Wille zum Umstieg auf souveräne Alternativen.

Linux-Investitionen und Sicherheitslücken

Paradoxerweise investiert der Bund gleichzeitig in die Linux-Zukunft. Der Sovereign Tech Fund hat am 23. Mai 2026 knapp 1,3 Millionen Euro für das KDE-Projekt bewilligt. Das Geld fließt über zwei Jahre in die Sicherheit und Infrastruktur des Linux-Desktops – nach einer Million Euro für das Gnome-Projekt im Jahr 2022.

Die Notwendigkeit solcher Investitionen zeigt sich auch bei Microsoft selbst. Ein bestätigter Bug in Classic Outlook (Build 19929.20164) sorgt dafür, dass Bilder in E-Mails durch ein rotes „X“ ersetzt werden. Zudem entdeckten Forscher die kritische Sicherheitslücke „YellowKey“ (CVE-2026-45585), die Angreifern erlaubt, die BitLocker-Verschlüsselung zu umgehen.

Im Kampf gegen Cyberkriminalität meldete Microsoft im Mai 2026 die Zerschlagung der Schadsoftware-Operation „Fox Tempest“. Branchenexperten schätzen, dass inzwischen die überwältigende Mehrheit aller Phishing-Kampagnen mit Künstlicher Intelligenz durchgeführt wird.

Ausblick: Zweigeteilter Markt für Produktivitätssoftware

Der Markt für Bürosoftware spaltet sich zunehmend in zwei Lager: Auf der einen Seite Microsoft mit immer leistungsfähigeren KI-Funktionen, auf der anderen europäische Anbieter mit Fokus auf Datenschutz und Souveränität.

Die Preiserhöhungen im Juli 2026 könnten viele Unternehmen zum Umdenken bewegen. Ob die europäischen Alternativen dann tatsächlich bereit sind, zeigt sich im Sommer – mit dem Start von Euro-Office und der Umsetzung des Digitalgesetzes in Deutschland.