OpenAI führt eine KI-basierte Altersschätzung für ChatGPT ein – eine direkte Antwort auf wachsenden Regulierungsdruck und Klagen. Das System erkennt mutmaßlich minderjährige Nutzer automatisch und schaltet schärfere Inhaltsfilter frei. Diese Technologie legt das Fundament für einen geplanten „Erwachsenenmodus“ mit freizügigeren Inhalten.
Der Schritt markiert eine Zeitenwende: Statt sich auf selbst angegebene Geburtsdaten zu verlassen, setzt OpenAI aktiv auf algorithmische Moderation. Das System wertet Verhaltensmuster wie typische Nutzungszeiten, Kontodauer und Interaktionsweisen aus. Wird ein Nutzer als unter 18 eingestuft, blockiert die KI automatisch Gespräche über gefährliche Challenges, Gewaltdarstellungen, Selbstverletzung oder ungesunde Körperbilder.
EU-Rollout und regulatorischer Druck
In den kommenden Wochen soll das System auch in der Europäischen Union eingeführt werden. Die Timing ist kein Zufall: OpenAI reagiert damit auf den verschärften Ton von Aufsichtsbehörden in den USA und Europa. Gleichzeitig laufen Klagen, die ChatGPT eine schädliche Wirkung auf die psychische Gesundheit Jugendlicher vorwerfen.
Viele Anbieter von KI-Systemen unterschätzen die Pflichten der EU-KI-Verordnung – Kennzeichnungspflichten, Risikoklassen und umfangreiche Dokumentationsanforderungen sind bereits in Kraft. Wer diese Regeln ignoriert, riskiert Bußgelder und teure Nachbesserungen. Unser kostenloses E-Book erklärt, welche Anforderungen Entwickler und Anbieter jetzt erfüllen müssen, wie Sie Ihr Modell richtig klassifizieren und welche Nachweise besonders wichtig sind. Jetzt kostenlosen KI-Leitfaden herunterladen
Die Branche steht unter Zugzwang. Plattformen wie YouTube arbeiten an ähnlichen KI-Tools. Sie alle müssen dem Digital Services Act (DSA) der EU gerecht werden, der strenge Schutzpflichten für Minderjährige vorschreibt. OpenAI betont, sein Ansatz basiere auf entwicklungspsychologischer Forschung. Doch wie genau ist die Erkennung? Das Unternehmen nennt noch keine Fehlerquote – eine entscheidende Kennzahl für die Akzeptanz.
Zwei Welten: Geschützte Teens und freizügige Adults
Die neue Alterserkennung ist die Voraussetzung für eine kontroverse Zukunftspläne: den „Adult Mode“. Noch im ersten Quartal 2026 will OpenAI verifizierten Erwachsenen mehr Freiheiten geben. Themen wie Erotik, die heute für alle gesperrt sind, könnten dann erlaubt werden.
Doch was, wenn die KI danebenliegt? Erwachsene, die fälschlich als Minderjährige eingestuft werden, können sich freischalten. Dafür müssen sie ein Selfie an Persona schicken, einen externen Identitätsdienst. Die Krux: Wie viele Nutzer werden diesen zusätzlichen Schritt gehen? Und wie reagieren Datenschützer auf diese Biometrie-Lösung?
Die große Balance-Akt
OpenAI verfolgt eine Doppelstrategie: maximale Sicherheit für Jugendliche bei maximaler Freiheit für Erwachsene. Gelingt dieser Spagat? Die kommenden Monate werden zeigen, ob die KI zuverlässig filtert, ohne legitime erwachsene Nutzer auszubremsen.
Die Branche beobachtet den Rollout genau. Sollte er erfolgreich sein, könnte er zum neuen Compliance-Standard für generative KI werden. Für OpenAI geht es um mehr als Technologie: Es ist ein Testlauf dafür, wie sich Sicherheit, Regulierung und Nutzerautonomie in Zeiten intelligenter Chatbots vereinbaren lassen.
PS: Sie arbeiten mit generativen Modellen oder bereiten einen EU-Rollout vor? Dann sollten Sie die Übergangsfristen und Kennzeichnungspflichten genau kennen. Dieses kostenlose Umsetzungs-E-Book fasst die wichtigsten Schritte, Pflichten und Dokumentationschecklisten praxisnah zusammen — ideal für Entwickler, Anbieter und Compliance-Verantwortliche. Kostenlosen Umsetzungsleitfaden zur KI-Verordnung anfordern





