OpenAI hat ChatGPT so umgerüstet, dass die Künstliche Intelligenz nicht mehr direkt den Schreibstil bekannter Schriftsteller imitieren kann. Die Änderung, die Ende Juli 2026 beobachtet wurde, markiert einen Kurswechsel im Umgang mit Stil-Imitationen – während die Branche zunehmend unter rechtlichem Druck steht.
Schutz für lebende und verstorbene Autoren
Die Aktualisierung betrifft Anfragen zu einer Vielzahl prominenter Literaten, darunter Stephen King, J.K. Rowling, Amy Tan, Charles Dickens und Ernest Hemingway. Statt Texte zu generieren, die direkt die unverwechselbare „Stimme“ dieser Autoren kopieren, lehnt ChatGPT solche Aufforderungen nun ab. Stattdessen bietet das System an, Originaltexte zu verfassen, die ein „ähnliches Gefühl“ vermitteln oder von den charakteristischen Merkmalen und Stimmungen eines Werks inspiriert sind.
Tests von No Latency und anderen Forschern Anfang der Woche zeigten, dass das Modell zunächst unterschiedlich auf lebende und verstorbene Autoren reagierte. Neuere Updates scheinen die Verweigerungen nun für beide Kategorien vereinheitlicht zu haben. Die Reaktionen der Nutzer fallen gemischt aus: Manche zeigen sich frustriert über die neuen Einschränkungen der kreativen Flexibilität.
Wettbewerbsumfeld und rechtlicher Druck
Die Entscheidung, Stilimitationen zu unterbinden, fällt in eine Zeit, in der OpenAI und seine Konkurrenten ein komplexes Urheberrechts-Dickicht durchqueren müssen. Eine Studie mehrerer KI-Modelle offenbarte unterschiedliche Herangehensweisen: Googles Gemini kam Stil-Imitationen offenbar nach, während Perplexity sie ablehnte. Andere Assistenten wie Anthropics Claude und Microsofts Copilot bewegten sich in einer Grauzone.
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Der Strategiewechsel folgt einem breiteren Trend rechtlicher Auseinandersetzungen und Vergleiche im KI-Sektor. Erst Anfang des Monats genehmigte ein Bundesrichter einen Vergleich über 1,5 Milliarden Euro in einer Sammelklage gegen Anthropic, an der über 300.000 Autoren beteiligt waren. Das Gericht befand zwar nicht, dass das Training von KI auf urheberrechtlich geschützten Werken grundsätzlich illegal sei – sofern die Werke bezahlt wurden. Es stellte jedoch klar, dass die Nutzung von Raubkopien für das Training eine Urheberrechtsverletzung darstellt.
In einem separaten Rechtsstreit wies der Oberste Gerichtshof von Delhi am 27. Juli 2026 einen Eilantrag einer großen indischen Nachrichtenagentur gegen OpenAI ab. Das Gericht deutete vorläufig an, dass KI-Training unter die „Fair Use“- oder Forschungsausnahmen des indischen Rechts fallen könnte – insbesondere wenn die Ausgabe nicht wesentlich mit dem Quellenmaterial übereinstimmt.
Sicherheitslücken und Schutzmechanismen
Die Einführung stilistischer Beschränkungen fällt mit einer erneuten Überprüfung der KI-Sicherheitsmaßnahmen zusammen. Forscher von Cisco berichteten am 27. Juli 2026, dass sie die Biowaffen-Schutzmechanismen mehrerer führender Modelle umgehen konnten – darunter ChatGPT, Claude und Gemini. Die Studie ergab, dass die Erfolgsquote bei Angriffen zur Erlangung sensibler Informationen zwischen 8 und 88 Prozent lag, und das innerhalb von fünf Gesprächsrunden.
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OpenAI hat seine neuesten Modelle GPT-5 und GPT-5.6 als „hohes“ biologisches Risiko eingestuft. Das verdeutlicht die anhaltende Herausforderung, offene Forschungskapazitäten mit robusten Sicherheitsprotokollen in Einklang zu bringen. Zwar hat das Unternehmen Konten verdächtiger Nutzer gesperrt, doch Experten zufolge bleibt die Aufrechterhaltung wirksamer Schutzmaßnahmen eine enorme Hürde für die gesamte Branche.

