Der US-amerikanische KI-Entwickler OpenAI weitet sein Geschäftsmodell im europäischen Raum deutlich aus. Ab Montag führt das Unternehmen Werbeanzeigen in ChatGPT für insgesamt 31 europäische Märkte ein. Das Rollout umfasst neben den 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union auch Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz. Damit steigt die Zahl der weltweit von OpenAI erschlossenen Werbemärkte auf insgesamt 40.
Differenzierung nach Nutzergruppen und Datenschutz
Die Einführung der Werbeinhalte betrifft nicht alle Anwender gleichermaßen. OpenAI beschränkt die Ausspielung von Anzeigen auf die Nutzergruppen der Tarife „Free“ und „Go“. Abonnenten der kostenpflichtigen Pläne „Plus“ und „Pro“ sowie Kunden im Bereich „Business“, „Enterprise“ und „Edu“ erhalten den Dienst weiterhin werbefrei.
Für Nutzer des kostenlosen Zugangs besteht laut Unternehmensangaben zudem die Option, eine werbefreie Variante zu wählen. Diese ist jedoch mit einer Reduzierung der verfügbaren Nachrichtenmengen und der nutzbaren Werkzeuge verbunden.
Ein zentraler Aspekt der Markteinführung in Europa ist der Umgang mit Nutzerdaten. OpenAI verzichtet zum Start in den Ländern des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) und in der Schweiz auf eine Personalisierung der Werbeanzeigen. Werbetreibende erhalten demnach lediglich aggregierte Daten zur Leistung ihrer Kampagnen.
Eine Weitergabe individueller Informationen wie Chatverläufe, Erinnerungen, Namen, E-Mail-Adressen sowie Standortdaten oder IP-Adressen an Werbepartner findet nicht statt. Zudem werden die Anzeigen im Interface von ChatGPT klar gekennzeichnet und räumlich von den generierten Antworten der Künstlichen Intelligenz getrennt.
Strenge Richtlinien für Werbeinhalte und Budgets
OpenAI setzt bei der Schaltung von Werbung auf restriktive inhaltliche Vorgaben. Anzeigen werden grundsätzlich nicht in Verbindung mit sensiblen Themengebieten wie Gesundheit oder Politik ausgespielt. Politische Werbung ist auf der Plattform generell untersagt.
Für Werbetreibende ist ein dedizierter „Ads Manager“ derzeit noch nicht allgemein verfügbar. Buchungen erfolgen aktuell über das OpenAI-Team sowie spezialisierte Partneragenturen.
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In einer erweiterten Beta-Phase des Ads Managers wurde jedoch bereits ein plattformspezifisches Targeting eingeführt, das die Ausspielung auf der iOS-App, der Android-App sowie im Web ermöglicht. Seit dem 19. August steht zudem eine Funktion für View-through-Conversions mit einem eintägigen Fenster zur Verfügung.
Das Unternehmen hat für die Nutzung seiner Werbeplattform spezifische Mindestbudgets definiert. Diese belaufen sich beispielsweise auf 25 USD für die USA, 15 GBP für Großbritannien, 25 CAD für Kanada, 25 AUD für Australien und 25 NZD für Neuseeland.
In weiteren Märkten liegen die Hürden bei 2.500 JPY für Japan, 25.000 KRW für Südkorea, 40 BRL für Brasilien, 150 MXN für Mexiko und 725 INR für Indien.
Regulatorisches Umfeld und Reichweite
Mit einer Reichweite von zig Millionen Nutzern allein in Europa rückt die Plattform verstärkt in den Fokus der Regulierungsbehörden. Die EU-Kommission prüft derzeit, ob die ChatGPT-Suche die Kriterien für eine Einstufung als sehr große Online-Suchmaschine erfüllt. Dies wäre der Fall, wenn die Nutzerzahlen die Schwelle von 45 Millionen überschreiten.
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Hintergrund dieser Prüfung sind auch Bestimmungen des EU AI Act. Dieser sieht vor, dass Mechanismen, die auf personalisierte Überzeugung abzielen, unter Umständen als unzulässige Manipulation eingestuft werden können.
Bereits im Januar dieses Jahres hatte der US-Senator Ed Markey öffentlich vor den Gefahren einer emotionalen Ausbeutung durch KI-basierte Werbung gewarnt. OpenAI begegnet diesen Bedenken vorerst durch den Verzicht auf Personalisierung im europäischen Kernmarkt.

