ChatGPT Pro: OpenAI verbindet Bankkonten mit KI-Finanzanalyse

ChatGPT Pro analysiert ab sofort Bankkonten in den USA. Experten warnen vor Datenschutzrisiken und unzureichender Beratungsqualität.

OpenAI bringt Finanzanalyse für US-Nutzer – Sicherheit und Genauigkeit bleiben fraglich.

Der KI-Pionier OpenAI hat eine neue Funktion für seinen Premium-Dienst ChatGPT Pro eingeführt: Ab sofort können Abonnenten in den USA ihre Bankkonten direkt mit der KI verbinden. Das System analysiert Ausgabenmuster, erkennt Abo-Kosten und verfolgt Sparziele. Finanzexperten zeigen sich jedoch skeptisch – die Risiken seien erheblich.

Neue Funktionen für 100 Dollar im Monat

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Seit Mitte Mai 2026 können zahlende Nutzer des 100-Dollar-Pro-Abos ihre Giro-, Spar- und Depotkonten an die Plattform anbinden. Möglich macht das die Schnittstelle Plaid, die Zugriff auf über 12.000 Finanzinstitute bietet. Derzeit handelt es sich um eine reine „Lese-Vorschau“: Die KI kann Daten analysieren, aber keine Transaktionen ausführen oder vollständige Kontonummern einsehen.

Angetrieben wird das Feature von GPT-5.5 Thinking, einem Modell, das laut OpenAI einen internen Reasoning-Score von 82,5 von 100 Punkten erreicht hat. Zielgruppe sind vor allem junge Berufstätige mit grundlegenden Finanzfragen. OpenAI plant, die Funktion später auch für das günstigere Plus-Abo für 20 Dollar monatlich anzubieten.

Datenschutz: Bedenken auf Reddit und von Experten

In den sozialen Netzwerken, besonders auf Reddit, äußern erste Nutzer massive Sicherheitsbedenken. Die Verknüpfung sensibler Bankdaten mit einem großen Sprachmodell berge erhebliche Risiken, warnen Experten. Dazu zählen die mögliche Nutzung der Daten für das KI-Training oder der Zugriff durch Hacker.

OpenAI verspricht, dass Finanzdaten 30 Tage nach Trennung des Kontos gelöscht werden. Dennoch raten Datenschutzspezialisten zur Vorsicht: Die Chat-Oberfläche von ChatGPT habe ein völlig anderes Risikoprofil als klassische Finanz-Apps wie Mint oder YNAB.

„Kein Ersatz für echte Berater“

Zertifizierte Finanzplaner sehen strukturelle Schwächen. Die Experten Robert Persichitte, Stephan Shipe und Luke Harder betonen: ChatGPT fehle das kritische Denken, um menschliche Berater zu ersetzen. Die KI greife womöglich auf veraltete Quellen zurück und könne komplexe Fragen zu individuellen Krankheitskosten oder Sozialversicherungen nicht beantworten.

Die Skepsis wird durch konkrete Zahlen untermauert: Tests einiger „Fiscal AI“-Modelle zeigten Kapitalverluste von über 90 Prozent innerhalb von drei Monaten. Zwar kann ChatGPT einfache Rechnungen durchführen – etwa aufzeigen, dass der Verzicht auf den Arbeitgeber-Match in der betrieblichen Altersvorsorge über 30 Jahre hinweg 661.000 Euro kosten kann –, für umfassende Vermögensberatung reicht das nicht.

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Auch Regierungen setzen auf KI

Der Trend zur Finanz-KI erreicht inzwischen auch den öffentlichen Sektor. Am heutigen Samstag startete die britische Regierung einen KI-Chatbot in der Gov.uk-App. Der Bot basiert auf über 80.000 Seiten offizieller Richtlinien und erzielte in Tests eine Genauigkeit von 90 Prozent. Die Regierung betont jedoch ausdrücklich, dass das Tool keine professionelle Steuer-, Finanz- oder Rechtsberatung bietet – die Nutzer haften weiterhin für Fehler.

Parallel dazu eröffnete der Broker Robinhood am Freitag eine Testumgebung, in der KI-Agenten in kontrolliertem Rahmen Aktien handeln und Rechnungen bezahlen können. Diese Entwicklungen heizen die Debatte im Beratungssektor an: Allein ChatGPT verzeichnet monatlich 200 Millionen Nutzer mit Finanzfragen. Aufsichtsbehörden stehen zunehmend unter Druck, klare Grenzen zwischen automatisierter „Orientierung“ und regulierter professioneller „Beratung“ zu ziehen.