Der Chatbot wird zum digitalen Alleskönner: OpenAI bereitet die größte Neuerung seit dem Start von ChatGPT vor. Das Update bringt autonome KI-Agenten und professionelle Werkzeuge.
Der Umbau ist radikal. OpenAI verwandelt ChatGPT von einem reinen Dialog-Tool in eine umfassende „Super-App“ – mit eigenständig handelnden KI-Assistenten und integrierten Profi-Funktionen. Die Neuerung soll in den kommenden Wochen auf der Website und in den mobilen Apps ausgerollt werden. Zeitgleich treibt das Unternehmen seine Pläne für den Börsengang voran.
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KI-Agenten übernehmen komplexe Aufgaben
Im Zentrum der Überarbeitung steht die stärkere Einbindung von Codex, dem Programmiermodell von OpenAI. Es bekommt mehr Rechenleistung und einen prominenteren Platz in der Oberfläche. Ziel ist es, Entwickler und technische Fachkräfte anzuziehen.
Die wichtigste Neuerung: KI-Agenten, die eigenständig mehrstufige Aufgaben erledigen. Sie buchen Reisen, terminieren Besprechungen oder schreiben Software – und das mit minimaler Nutzerführung. Langfristig soll die KI die Absicht des Nutzers automatisch erkennen. Das manuelle Auswählen von Werkzeugen würde dann entfallen.
Die neue Oberfläche bietet zudem direkte Anbindungen an Dienste wie Canva und Booking.com. Ein leitender Mitarbeiter brachte es auf den Punkt: Die Ära einfacher Chats gehe zu Ende. OpenAI positioniert ChatGPT als funktionalen, handlungsorientierten Assistenten für Beruf und Alltag.
Milliarden-Ziele im Enterprise-Geschäft
Der Umbau zur Super-App ist eng mit den Monetarisierungsplänen von OpenAI verknüpft. Aktuell zählt das Unternehmen rund 900 Millionen wöchentliche Nutzer und 50 Millionen zahlende Abonnenten. Der monatliche Umsatz liegt bei umgerechnet etwa 1,8 Milliarden Euro – dennoch schreibt OpenAI rote Zahlen.
Das Geschäft mit Firmenkunden wächst besonders stark. Zwei Millionen Unternehmen nutzen ChatGPT bereits und steuern 40 Prozent des Gesamtumsatzes bei. Vertriebsvorständin Denise Dresser kündigte an, auf eine einheitliche KI-Super-App hinzuarbeiten, die diesen Kunden besser dient. Das Ziel: Bis Jahresende soll die Enterprise-Sparte die Hälfte aller Einnahmen liefern.
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Der Weg an die Börse
Die Produktoffensive folgt auf eine Rekord-Finanzierungsrunde im März 2026. Damals sammelte OpenAI umgerechnet 112 Milliarden Euro ein – bei einer Bewertung von rund 783 Milliarden Euro. Zu den Investoren zählten Amazon (46 Milliarden Euro) sowie Nvidia und SoftBank (je 27,6 Milliarden Euro).
Nun strebt OpenAI an die Börse. Ende Mai reichte das Unternehmen vertrauliche IPO-Unterlagen ein. Goldman Sachs und Morgan Stanley begleiten den Prozess. Analysten taxieren den Börsenwert auf über 920 Milliarden Euro. Ein Börsengang könnte bereits im September erfolgen.
Der Wettbewerb verschärft sich: Der Rivale Anthropic reichte am 1. Juni 2026 seine Börsenunterlagen ein – bei einer Bewertung von umgerechnet rund 887 Milliarden Euro. OpenAI-Chef Sam Altman gibt sich gelassen: Der Zeitpunkt des Börsengangs sei nicht entscheidend. Der strategische Schwenk hin zu kostenpflichtigen Produkten und Enterprise-Diensten gilt jedoch als klarer Versuch, die Finanzkennzahlen vor dem Börsendebüt aufzupolieren.

