ChatGPT verliert mobile Vormachtstellung an Claude

Der Marktanteil der ChatGPT-App bei täglichen Nutzern in den USA ist erstmals unter 40 Prozent gefallen. Der Konkurrent Claude verzeichnet dagegen ein explosives Wachstum und eine hohe Nutzerbindung.

ChatGPT verliert erstmals unter 40 Prozent Marktanteil bei mobilen Nutzern in den USA. Neue Daten zeigen einen dramatischen Aufstieg des Konkurrenten Claude.

Die Ära der Alleinherrschaft von OpenAI im mobilen KI-Markt ist vorbei. Laut einem aktuellen Bericht der Analysefirma Apptopia ist der Marktanteil der ChatGPT-App bei täglichen aktiven Nutzern in den USA im März auf nur noch 38,7 Prozent gefallen. Das ist der vierte Monat in Folge mit Rückgängen für den einstigen Platzhirsch. Der Markt für KI-Chatbots fragmentiert sich rasant – und ein Herausforderer profitiert überproportional.

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Vierteljährlicher Absturz trotz Marktwachstum

Der Abstieg ist deutlich: Noch im September 2025 hielt OpenAI über 52 Prozent der täglichen Nutzer. Der Sturz unter die 40-Prozent-Marke zeigt, wie schnell der First-Mover-Vorteil schwinden kann. Paradoxerweise wächst der Gesamtmarkt kräftig – um 22 Prozent seit Ende letzten Jahres. Immer mehr Menschen nutzen mobile KI, aber sie weichen zunehmend auf Alternativen aus.

Die Zahlen deuten auf ein fundamentales Problem hin: Zwar stiegen die App-Downloads von ChatGPT im März um 8 Prozent, doch die Zahl der täglich aktiven Nutzer sank weiter. Neue User testen die App, integrieren sie aber nicht mehr in ihren Alltag. Experten sehen darin ein Retentions-Problem. Verstärkt wurde dieser Trend möglicherweise durch die Entscheidung von OpenAI, die eigenständige Video-KI Sora zu schließen, was das Engagement im gesamten Ökosystem gedämpft haben könnte.

Claude: Der neue Herausforderer mit hoher Bindung

Der klarer Gewinner der Marktverschiebung ist Anthropic mit Claude. Dessen Anteil an täglichen Nutzern explodierte von rund 4 Prozent im Februar auf 10 Prozent im März. Im Dezember 2025 lag er noch unter 2 Prozent. Dieser „Sprung“ wird durch eine Steigerung der täglich aktiven Nutzer um 167 Prozent von Monat zu Monat befeuert. Allein im März verzeichnete Claude 7,4 Millionen Downloads – fast das Dreifache des Februar-Volumens.

Noch alarmierender für OpenAI ist die Qualität der Nutzerbindung. Claudes Power-User verbringen durchschnittlich 139 Minuten pro Tag in der App, deutlich mehr als die 98 Minuten im Februar. Die Abwanderungsrate unter diesen intensiven Nutzern liegt bei nur 12 Prozent. Wer zu Claude wechselt, bleibt auch dort. Diese tiefe Verankerung macht Claude zur unmittelbarsten Bedrohung für ChatGPTs mobile Vorherrschaft – und rechtfertigt teilweise die jüngste Bewertung von Anthropic von über 61 Milliarden Dollar.

Fragmentierung: Vom Monopol zum „Großen Drei“

Während Claude aufholt, behauptet Google Gemini stabil den zweiten Platz mit etwa 25 Prozent Marktanteil. Geminis großer Vorteil ist die tiefe Integration in das Android-Ökosystem. Viele Nutzer entdecken die KI so ohne gezielten Download. Gemini gewinnt auch bei Suchanfragen an Einfluss und überholte kürzlich erstmals Perplexity bei der Weiterleitung auf externe Websites.

Das restliche Feld ist volatil. Elon Musks Grok (xAI) fiel von 15,3 auf 13,5 Prozent und scheint ein Plateau erreicht zu haben. Perplexity, eine Nischenlösung mit 2,1 Prozent Anteil, verzeichnete immerhin steigende Downloads. DeepSeek ist im US-Markt mit rund 1 Prozent kaum noch relevant. Es etabliert sich eine „Big Three“-Dynamik aus OpenAI, Google und Anthropic, während andere um verbleibende Segmente kämpfen.

Ethische Kontroversen und wechselnde Loyalität

Der plötzliche Nutzerschwund bei OpenAI könnte auch mit strategischen Kontroversen zusammenhängen. Mitte März berichteten Medien über einen Deal zwischen OpenAI und dem US-Verteidigungsministerium für den Einsatz von KI-Modellen in klassifizierten Netzwerken. Dies löste eine Welle der „ethischen Abwanderung“ aus – Schätzungen zufolge verlor OpenAI innerhalb von 48 Stunden über 1,5 Millionen Abonnenten. Anthropic profilierte sich gleichzeitig, indem es einen ähnlichen Deal ablehnte und sich als privacy-fokussierte Alternative positionierte.

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Die Wechselbereitschaft der Nutzer ist hoch. Im Gegensatz zu sozialen Netzwerken sind KI-Chatbots reine Nützlichkeits-Tools. Wenn ein Konkurrent ein besseres Modell oder eine intuitivere Oberfläche bietet – wie es vielen bei Claudes letzten Updates scheint – wechseln Nutzer ihre Arbeitsabläufe nahtlos. Jeder fünfte KI-Nutzer hat mittlerweile mindestens zwei verschiedene Chatbot-Apps auf seinem Gerät.

Ausblick: KI wird zur Commodity

Zu Beginn des zweiten Quartals 2026 muss OpenAI ungewohnt in die Defensive. Zwar führt das Unternehmen noch bei der Gesamtnutzerzahl und im Website-Referral-Verkehr, aber die Mobilfunkdaten sind ein Frühindikator für schwindende Präferenzen. Die Branche erwartet nun eine frühe Veröffentlichung neuer multimodaler Fähigkeiten oder ein größeres Update der GPT-5-Architektur, um den Schwung zurückzugewinnen.

Die breitere Implikation des schwindenden Marktanteils ist die Normalisierung von KI als Commodity. Da Google, Microsoft und Anthropic bei den Kernfähigkeiten mit OpenAI gleichziehen, verlagert sich der Kampf von „Wer hat die beste KI?“ zu „Wer bietet die beste Nutzererfahrung und Verteilung?“. Für OpenAI besteht die Herausforderung darin, den Anteil von 38,7 Prozent zu stabilisieren, bevor die 30-Prozent-Marke in einem immer volleren und fähigeren Feld zur neuen Realität wird.