ChatGPT-Werbung: OpenAI peilt 100 Milliarden Euro bis 2030 an

OpenAI konkretisiert Werbepläne für ChatGPT und strebt bis 2030 einen Milliardenumsatz an. Der KI-Pionier bereitet parallel den Börsengang vor.

Der KI-Konzern will bis 2030 rund 100 Milliarden Euro mit Werbung umsetzen und kündigt auf dem Cannes Lions Festival eine aggressive Expansionsstrategie an.

OpenAI hat auf der weltweit größten Werbefachmesse in Cannes seine Pläne für den Einstieg in die Werbebranche konkretisiert. Das Unternehmen will mit Anzeigen in seinem KI-Assistenten ChatGPT die Nutzung der Dienste querfinanzieren und sich gleichzeitig für einen Börsengang rüsten. Die Ankündigung markiert einen strategischen Wendepunkt für den bisher werbefreien KI-Pionier.

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Vom Aufmerksamkeits- zum Intelligenzgeschäft

Denise Dresser, Chief Revenue Officer von OpenAI, beschrieb auf der Veranstaltung den Wandel von einer traditionellen Aufmerksamkeitsökonomie hin zu einer „Intelligenzökonomie“. Der Wert liege künftig in der Absicht hinter den Suchanfragen der Nutzer. Aktuell verzeichnet ChatGPT mehr als 900 Millionen wöchentlich aktive Nutzer – rund 20 Prozent dieser Anfragen zeigen laut Unternehmensangaben direktes kommerzielles Interesse.

David Dugan, Leiter der globalen Werbelösungen, betonte die hohe Zielgerichtetheit der ChatGPT-Nutzer. Sie kämen meist mit einer konkreten Aufgabe auf die Plattform. Um dieses Potenzial zu heben, setzt OpenAI nun verstärkt auf das Cost-per-Click-Modell (CPC), das den Großteil der Werbeausgaben ausmacht. Bereits Anfang des Jahres führte das Unternehmen einen Self-Service-Anzeigenmanager und Conversion-Tracking-Tools ein.

Datenschutzbedenken begegnet das Unternehmen mit klaren Regeln: Keine Weitergabe von Gesprächsdaten an Werbetreibende. Die aktuellen Anzeigen beschränken sich auf sogenannte „Chat Cards“ – gesponserte Informationen, die unterhalb der organischen Antworten erscheinen.

Globale Expansion in neuen Märkten

Das Werbeprogramm startete im Februar 2026 zunächst für die kostenlosen und günstigeren ChatGPT-Tarife. Aktuell läuft der Test in sieben Märkten: den USA, Kanada, Großbritannien, Australien, Neuseeland, Japan und Südkorea. Nun sollen Brasilien, Mexiko und Indien folgen.

Die Akzeptanz bei den Nutzern entwickelt sich positiv. Die sogenannte Cross-out-Rate – die Zahl der Nutzer, die Anzeigen wegklicken – ist seit dem Start um 50 Prozent gesunken. Mehr als 2.000 Marken werben bereits auf der Plattform, darunter über Partner wie Criteo. Für Messung und Kampagnenmanagement arbeitet OpenAI mit LiveRamp, Adobe und StackAdapt zusammen.

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Kreativdirektor Chad Nelson demonstrierte zudem, wie das hauseigene Codex-Tool Werbekampagnen ohne klassische Programmierkenntnisse ermöglicht.

Milliardenpläne und Börsenambitionen

Der Vorstoß in die Werbung erfolgt unter wachsendem finanziellen Druck. 2025 gab OpenAI rund 34 Milliarden Euro aus und verbuchte einen operativen Verlust von etwa acht Milliarden Euro. Im ersten Quartal 2026 standen Ausgaben von 3,7 Milliarden Euro Einnahmen von 5,7 Milliarden Euro gegenüber.

Für das Gesamtjahr 2026 rechnet das Unternehmen mit Werbeeinnahmen zwischen 2,4 und 2,5 Milliarden Euro. Das langfristige Ziel: 100 Milliarden Euro bis 2030 – etwa die Hälfte dessen, was Branchengrößen wie Meta heute mit Werbung umsetzen.

Die Monetarisierungsoffensive fällt mit einem vertraulichen Börsengangsvorbereitung zusammen. Analysten taxieren den Wert des Unternehmens auf bis zu eine Billion Euro. OpenAI-Chef Sam Altman peilt einen Börsengang innerhalb des nächsten Jahres an.

Doch der Kurswechsel hat auch Kritiker. Die Forscherin Zoë Hitzig verließ das Unternehmen aus Protest gegen die Werbepläne. Konkurrent Anthropic schaltete Kampagnen, die OpenAIs Werbeeinstieg scharf kritisieren. Marktforscher von EMARKETER prognostizieren zudem ein langsameres Wachstum des KI-Chatbot-Werbemarktes als von OpenAI erhofft.