Chatkontrolle: EU-Trilog ringen um Kompromiss bis 29. Juni

EU-Gesetzgeber ringen um Kompromiss bei Chatkontrolle, Verschlüsselung bleibt vorerst ausgenommen. Nächste Runde am 29. Juni.

Seit heute ringen die Gesetzgeber um einen Kompromiss zwischen Kinderschutz und digitaler Privatsphäre.

Verschlüsselung vorerst außen vor

Aktuelle Kompromissvorschläge aus dem Mai 2026 zeigen: Verschlüsselte Inhalte sollen von den geplanten Scan-Pflichten ausgenommen bleiben. Damit wäre eine sogenannte Client-Side-Scanning-Lösung vorerst vom Tisch – also jene Technik, die Nachrichten bereits auf dem Gerät des Nutzers analysieren würde.

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Doch die Fronten zwischen den Mitgliedstaaten bleiben verhärtet. Frankreich, Ungarn und Deutschland befürworten ein freiwilliges Scan-System mit breitem Anwendungsbereich. Italien, Polen und Österreich hingegen kritisieren den aktuellen Kurs scharf. Der zentrale Streitpunkt: Sollen alle Nutzer pauschal überwacht werden – oder nur Personen, die bereits unter Verdacht stehen? EU-Rechtsexperten hatten eine anlasslose Massenüberwachung bereits mehrfach als rechtswidrig eingestuft.

Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 29. Juni 2026 angesetzt.

Big Tech schlägt Alarm nach Auslaufen der Übergangsregel

Die Dringlichkeit der aktuellen Gespräche hat einen konkreten Auslöser: Am 3. April 2026 lief eine befristete Ausnahmeregelung zur ePrivacy-Richtlinie aus. Sie erlaubte es großen Technologiekonzernen bis dahin, digitale Kommunikation auf Missbrauchsmaterial zu durchsuchen.

Seitdem scannen Google, Meta, Snap und Microsoft zwar auf freiwilliger Basis weiter – doch die Unternehmen kritisieren das Versäumnis der EU, eine dauerhafte Rechtsgrundlage zu schaffen, scharf. Die Zahlen des National Center for Missing & Exploited Children (NCMEC) verdeutlichen das Problem: 2025 gingen dort 21,3 Millionen Meldungen mit 61,8 Millionen Dateien ein. Eine ähnliche Regelungslücke im Jahr 2021 führte zu einem Rückgang der gemeldeten Fälle um 58 Prozent.

Parallelprojekt: Altersverifikation ohne Datenschutzverlust

Während die Verhandlungen zur Chatkontrolle laufen, treibt die EU andere Schutzmaßnahmen voran. Erst gestern stellte die EU-Kommission einen Open-Source-Bauplan für ein datenschutzfreundliches Altersverifikationssystem vor. Die Technik soll prüfen, ob ein Nutzer eine bestimmte Altersgrenze überschreitet – zunächst für 18+-Inhalte wie Glücksspiel und Alkohol – ohne seine Identität oder das genaue Alter preiszugeben.

Im Europaparlament steht für den 17. Juni 2026 eine Debatte über besseren Kinderschutz in sozialen Medien an. Diskutiert wird ein Mindestalter von 16 Jahren für die Nutzung sozialer Plattformen. Eine EU-Expertengruppe soll noch vor dem Sommer weitere Ergebnisse zu Altersgrenzen und Sicherheitsstandards vorlegen.

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Globaler Druck auf Tech-Konzerne wächst

Die EU-Gesetzgebung fällt in eine Zeit weltweit verschärfter Regulierung. In Großbritannien hat Premierminister Keir Starmer den Tech-Konzernen eine klare Ansage gemacht: Wer nicht binnen drei Monaten Lösungen zur Sperrung verbotener Inhalte für Minderjährige umsetzt, dem drohen bis zu fünf Jahre Haft.

Auch andere Länder ziehen nach. China verbietet ab dem 15. Juli 2026 KI-Begleitprogramme für Nutzer unter 18 Jahren. Australien und Kanada arbeiten an Gesetzesentwürfen, die soziale Medien für unter 16-Jährige verbieten oder strengere Schutzmaßnahmen gegen schädliche KI-Inhalte vorschreiben.