Chemify und Lgenia automatisieren die Arzneimittelsuche

Die Unternehmen Chemify und Lgenia starten eine Allianz für automatisierte Wirkstoffforschung. Ihr vollautomatisches System soll die Entwicklung neuer Medikamente, zunächst gegen Tuberkulose, erheblich beschleunigen.

Ein deutsch-schottisches Bündnis revolutioniert die Wirkstoffentwicklung mit Robotern und KI. Ihr Ziel: Neue Medikamente gegen Tuberkulose finden.

Glasgow – Die digitale Chemie-Pionierin Chemify und das Biotech-Unternehmen Lgenia gehen eine wegweisende Partnerschaft ein. Gemeinsam implementieren sie ein vollautomatisches, geschlossenes System für robotergestützte Chemie. Dies soll den Entwurf, die Synthese und das Testen neuer Moleküle dramatisch beschleunigen. Ein erstes, von der Gates Foundation finanziertes Projekt zielt auf die Entdeckung neuer Tuberkulose-Medikamente ab.

Die Kooperation vereint Chemifys Spitzenplattform für „Chemputation“ – eine Kombination aus Robotik, Künstlicher Intelligenz (KI) und einer eigenen Programmiersprache – mit Lgenias Expertise in Wirkstoffforschung und Moleküloptimierung. So entsteht ein nahtloser Workflow: Moleküle werden digital entworfen, von Robotern physisch hergestellt, getestet und die Ergebnisse fließen zurück in den Kreislauf für schnelle Iterationen. Dieser geschlossene Prozess soll Geschwindigkeit und Präzision bei der Entwicklung hochwertiger Wirkstoffkandidaten steigern.

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Die Macht der „Chemifarms“

Herzstück der Allianz ist Chemifys einzigartige „Chemputation“-Technologie. Das 2022 als Ausgründung der Universität Glasgow gestartete Unternehmen will die chemische Synthese von einem manuellen in einen programmierbaren, automatisierten Prozess verwandeln. Die Plattform nutzt eine spezielle Programmiersprache, Roboter und eine umfangreiche Datenbank chemischer Reaktionen, um digitalen Code in physische Verbindungen zu übersetzen.

Um diese Vision zu skalieren, eröffnete Chemify im Juni 2025 seine erste „Chemifarm“ in Glasgow. Die 2.000 Quadratmeter große Anlage ist eines der weltweit modernsten Labore für automatisierte Moleküldesign und -synthese. Das Wachstum wurde durch eine Series-B-Finanzierungsrunde im Oktober 2025 mit über 50 Millionen Euro unterstützt. Das Geld ist für den Ausbau des Chemifarm-Netzwerks vorgesehen, mit Plänen für eine neue Einrichtung im Silicon Valley.

Geschlossener Kreislauf für Turbo-Entdeckung

Die Partnerschaft mit Lgenia setzt diese Plattform in eine leistungsstarke, zyklische Entdeckungsmaschine um. Lgenia übernimmt die initiale Designphase und orchestriert die Tests der resultierenden Verbindungen. Chemify synthetisiert die potenziellen „Hits“ dann mit seinem automatisierten Workflow.

Die Testergebnisse fließen zurück in den nächsten Designzyklus. Dieser schnelle Feedback-Loop beschleunigt die Iteration und verbessert die Designzuversicht. Das unmittelbare Ziel ist die Identifizierung vielversprechender Wirkstoffe gegen Tuberkulose. Das Projekt wurde im Dezember 2025 durch einen weiteren Zuschuss der Gates Foundation in Höhe von 1,5 Millionen Euro ausgeweitet.

Der globale Trend zur automatisierten Wissenschaft

Die Partnerschaft spiegelt einen breiteren Wandel in den Life Sciences wider, bei dem Automatisierung und KI zu unverzichtbaren Werkzeugen werden. Große Pharmakonzerne setzen zunehmend auf automatisierte Systeme, um Datenintegrität und Reproduzierbarkeit zu verbessern.

Der Trend zieht massive Investitionen an. Erst im Januar 2026 kündigten etwa Eli Lilly und NVIDIA ein gemeinsames Innovationslabor für KI in der Wirkstoffforschung an. Das ultimative Ziel sind „selbstfahrende“ Labore, die Hypothesen generieren und Experimente steuern können.

Ausblick: Ein digitales Rückgrat für die Chemie

Die Zusammenarbeit mit Lgenia dient als wichtiger Validierungspunkt für Chemifys Plattform. Der erfolgreiche Einsatz eines geschlossenen Systems demonstriert ein greifbares Modell für künftige Partnerschaften. Die Expansion in die USA mit einer Silicon-Valley-Einrichtung wird Chemify tiefer im globalen Innovations-Ökosystem verankern.

Die langfristige Vision geht über die Arzneimittelforschung hinaus. Experten gehen davon aus, dass KI bis 2026 ein aktiver Teilnehmer im gesamten Forschungsprozess von Physik, Chemie und Biologie sein wird. Plattformen wie die von Chemify legen das Fundament für diese Zukunft – und versprechen bahnbrechende Fortschritte auch bei der Entwicklung neuer Materialien und Elektronik.

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