Peking geht massiv gegen Vermittlungsplattformen für ausländische KI-Modelle vor – mit weitreichenden Folgen für die Tech-Branche.
Razzien und Zwangsmaßnahmen gegen KI-Relaisstationen
Die chinesischen Behörden haben am 5. August ihren Druck auf inländische Technologieanbieter deutlich erhöht. Im Fokus stehen Plattformen, die den Zugang zu ausländischen KI-Modellen wie ChatGPT und Claude ermöglichen. Die Polizei in Hangzhou ordnete die Schließung mehrerer sogenannter KI-Relaisstationen an – damit sind nun auch die letzten inländischen Routen zu den US-Diensten blockiert.
Der Schritt ist Teil einer verschärften Überwachung nicht lizenzierter API-Vermittlungsplattformen. Bereits zuvor war in Shanghai ein Betreiber 37 Tage lang in Untersuchungshaft genommen worden, bevor er gegen Kaution freikam. Die Vorwürfe: illegaler Geschäftsbetrieb. Auch andere Anbieter reagieren: Das in Chongqing ansässige Unternehmen Yunwu API stellte seine Schnittstellen für ausländische Modelle ein, der Cloud-Dienst Mianhua Yun verbot inländische Knotenpunkte für KI-Relaisaktivitäten.
Sicherheitswarnungen und Registrierungspflicht
Die aktuelle Durchsetzungswelle folgt auf Warnungen des Staatssicherheitsministeriums vom Juni. Die Behörden hatten damals auf erhebliche Risiken ausländischer KI-Modelle hinweisen – darunter mögliche Datenabflüsse, Modellschrumpfung und die Gefahr bösartiger Manipulation. Besonders kritisch bewerteten die Sicherheitsexperten, dass viele Relaisstationsbetreiber keine offiziellen Qualifikationen vorweisen können.
Die Regulierungsbehörden verzeichnen derweil einen rasant wachsenden heimischen KI-Markt: Bis Ende April waren in China bereits 868 generative KI-Dienste registriert. Weitere 530 Anwendungen, die auf ausländische KI-Technologie angewiesen sind, haben ihre Unterlagen bei den Behörden eingereicht.
Vergeltungsmaßnahmen im Handelsstreit
Die Beschränkungen für KI-Zugänge fallen mit einem Bündel neuer Vergeltungsmaßnahmen des Handelsministeriums zusammen. Dazu gehören Exportkontrollen für Drohnen in die USA sowie die Aufnahme von sechs US-Unternehmen auf eine Gegenmaßnahmenliste. Zudem leitete Peking eine sicherheitspolitische Untersuchung importierter Druck- und Kopiergeräte mit ausländischer Software ein.
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Die Entwicklungen kommen zu einem heiklen Zeitpunkt: Im September ist ein Treffen der Spitzenführung beider Länder geplant. Zusätzlich wies Peking inländische Tech-Firmen an, keine neuen Bestellungen für Nvidia-H200-Chips aufzugeben, während die Behörden Exportlizenzen nach nationalen Sicherheitsgesetzen prüfen. Die aktuellen US-Exportlizenzen für diese Komponenten sollen eine Gewinnbeteiligung von 25 Prozent vorsehen.
US-Senatoren warnen vor Wettbewerbsnachteilen
In den USA schlagen die Entwicklungen hohe Wellen. Fünf demokratische Senatoren äußerten am 4. August ihre Sorge, dass unberechenbare Aufsicht und strenge Exportkontrollen amerikanische Unternehmen in Richtung chinesischer KI-Alternativen treiben. In einem Brief an das Weiße Haus verwiesen sie auf eine Direktive des Handelsministeriums vom 12. Juni, die bereits die Verfügbarkeit hochwertiger Modelle beeinträchtigt habe. Die Folge: Anthropic musste seine Modelle Fable 5 und Mythos 5 vom Markt nehmen, auch der Rollout von OpenAIs GPT-5.6 wurde eingeschränkt.
Branchenbeobachter berichten, dass einige US-Unternehmen bereits chinesische Technologie für unkritische Aufgaben integrieren. Der Lieferdienst DoorDash nutzt demnach chinesische Modelle für Routine-Analysen, während sensible Daten auf heimischen Systemen bleiben. Bei einem vertraulichen Treffen am 4. August teilte das Weiße Haus großen KI-Unternehmen mit, dass chinesische Open-Weight-Modelle von bestimmten staatlichen Sicherheitstests ausgeschlossen würden.
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Chinesische Modelle auf dem Vormarsch
Während chinesische Labore mit Modellen wie Alibabas Qwen3.8 Max und Moonshots Kimi K3 an den Start gehen – die als nahezu gleichwertig mit US-Spitzensystemen vermarktet werden – verweisen Experten auf niedrigere Kosten und einfache Anpassbarkeit als Hauptgründe für die wachsende Akzeptanz. Allerdings stehen chinesische Anbieter im Verdacht, für das Training ihrer Systeme destillierte Daten westlicher Modelle verwendet zu haben.

