Bis 2028 soll ein landesweites Netzwerk aus KI-Rechenzentren entstehen, das weitgehend auf Chips aus eigener Produktion basiert.
Strategischer Schwenk zu heimischen Chips
Das Herzstück des ehrgeizigen Plans: Künftig sollen 80 Prozent der verbauten Hardware aus chinesischer Produktion stammen. Internationale Anbieter wie Nvidia und AMD würden damit faktisch vom Milliardenmarkt ausgeschlossen. Stattdessen setzt Peking auf heimische Chip-Designer wie Huawei, Alibaba, Biren und Moore Threads.
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Der Schritt kommt nicht überraschend. Bereits im Mai 2026 bestanden neun verschiedene heimische KI-Chip-Architekturen eine Reihe staatlicher Sicherheits- und Leistungstests. Die Abkehr von ausländischen Halbleitern ist ein zentraler Baustein des sogenannten „Sechs-Netzwerke“-Programms, das Rechenleistung künftig ähnlich wie Strom oder Wasser als öffentliche Infrastruktur bereitstellen soll.
Die Gesamtinvestitionen könnten sogar noch höher ausfallen: Rechnet man den Ausbau der zugrunde liegenden Stromnetze hinzu, sprechen Branchenanalysten von einem Volumen von bis zu fünf Billionen Yuan – umgerechnet rund 640 Milliarden Euro.
Staatskonzerne übernehmen Führungsrolle
Die operative Verantwortung für den Aufbau des Rechenzentrumsnetzes liegt bei den staatlichen Telekommunikationskonzernen China Mobile und China Telecom. Die Finanzierung erfolgt über eine Mischung aus speziellen Staatsanleihen und staatlich geförderten Investmentfonds.
Das neue Programm baut auf bestehenden Strukturen auf – darunter ein 7,5 Milliarden Euro schwerer nationaler KI-Industriefonds, der bereits im Januar 2025 aufgelegt wurde. Die Börse reagierte prompt: Die Aktien der Rechenzentrumsbetreiber GDS Holdings und Vnet Group legten im vorbörslichen Handel um zwölf beziehungsweise 17 Prozent zu.
Die Dimension des Projekts spiegelt das rasante Wachstum der Branche wider. Ende 2025 war Chinas KI-Kernindustrie rund 160 Milliarden Euro schwer – mit mehr als 6.200 Unternehmen. Zum Vergleich: Die kombinierten KI-Investitionen der US-Tech-Riesen Meta und Microsoft werden für 2026 auf rund 670 Milliarden Euro geschätzt. Chinas Plan liegt mit umgerechnet 272 Milliarden Euro darunter, ist aber in seiner staatlich gelenkten Struktur beispiellos.
Produktionsengpässe und Software-Probleme
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Trotz der gewaltigen Finanzmittel sehen Experten mehrere Hürden, die den Zeitplan bis 2028 gefährden könnten. Ein zentrales Problem: Die Produktionskapazitäten heimischer Hersteller wie SMIC sind begrenzt. Vor allem bei der Massenfertigung von 7-Nanometer-Chips gibt es technische Schwierigkeiten.
Hinzu kommen Sorgen um die Software-Integration. Branchenkreisen zufolge blieben in der Vergangenheit bis zu 80 Prozent der heimischen KI-Chips aufgrund von Kompatibilitätsproblemen unterausgelastet. Diese technischen Engpässe werden durch internationale Exportkontrollen verschärft, die den Zugang zu modernster Fertigungsausrüstung beschränken.
Die Regierung prüft daher neue Finanzinstrumente zur Stützung des Sektors – darunter die mögliche Einführung von KI-Token-Futures an der Shanghai Futures Exchange. Der Vorstoß folgt auf eine Phase enormen Wachstums im Halbleiterhandel: Im Mai 2026 verzeichneten chinesische Chipexporte einen Anstieg von 111 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

