China warnt vor US-KI-Modellen: Claude Mythos und GPT-5.5-Cyber

Chinas Sicherheitsminister sieht US-KI als Gefahr für Infrastruktur und Stabilität. Peking stellt neuen Governance-Rahmen vor und plant Gespräche.

Der chinesische Staatssicherheitsminister Chen Yixin hat vor erheblichen Risiken durch führende US-amerikanische KI-Modelle gewarnt. Er verwies dabei insbesondere auf Anwendungen wie Anthropics „Mythos“ und OpenAIs „GPT-5.5-Cyber“, die eine potenzielle Gefährdung für Chinas kritische Infrastruktur darstellten. Laut Berichten bereite sich die Volksrepublik intensiv auf Szenarien vor, in denen Künstliche Intelligenz außer Kontrolle geraten könnte.

Strategische Rivalität und Sicherheitsrisiken

Chen bezeichnete die Künstliche Intelligenz als die primäre Arena des globalen technologischen Wettbewerbs und sprach von einer neuen strategischen Rivalität.

Die schnelle Verbreitung der Technologie bedrohe nicht nur die politische Sicherheit und die Cybersicherheit, sondern auch die militärische Verteidigung. Er nannte dabei sechs zentrale Entwicklungsrisiken, darunter die Bedrohung der politischen Stabilität durch Desinformation, Sicherheitslücken in Netzwerken sowie Spionage und Datenlecks.

US-Modelle wie „Claude Mythos“ senkten nach Einschätzung des Ministers die Schwelle für Cyberangriffe deutlich. Zudem warf er ausländischen Geheimdiensten vor, KI gezielt für den Diebstahl von Staatsgeheimnissen sowie für kognitive Kriegsführung zu nutzen. Vor diesem Hintergrund forderte Chen den beschleunigten Aufbau eines umfassenden KI-Sicherheitssystems.

Neuer Sicherheitsrahmen und staatliche Kontrolle

Parallel zu diesen Warnungen wurde zur Eröffnung der Cybersecurity Week in Jinan der „KI-Sicherheits-Governance-Rahmen 3.0“ vorgestellt. An der Organisation der Veranstaltung waren zehn Regierungsstellen beteiligt, darunter die Cyberspace Administration, das Ministerium für Industrie und Informationstechnik sowie das Ministerium für öffentliche Sicherheit.

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Der neue Rahmen baut auf Richtlinien auf, die bereits im September 2024 eingeführt wurden. Damals nahmen die Behörden das Szenario eines Kontrollverlusts erstmals in den Sicherheitskatalog auf.

Eine erweiterte Version vom September 2025 betonte bereits das Prinzip einer vertrauenswürdigen Anwendung zur Verhinderung von Kontrollverlusten. Dabei schließen die chinesischen Sicherheitsvorgaben Risiken wie autonome Ressourcenbeschaffung, Selbstreplikation oder die Entwicklung von Selbstbewusstsein bei KI-Systemen nicht aus.

Chinas Staatschef Xi Jinping hatte bereits im Juli bei einer Fachkonferenz in Shanghai betont, dass Künstliche Intelligenz stets unter menschlicher Kontrolle bleiben müsse.

Vorwürfe gegen US-Tech-Konzerne

Die Positionierung Pekings ist auch als Reaktion auf jüngste Forderungen aus der US-Technologiebranche zu verstehen. Dario Amodei, CEO von Anthropic, hatte vor existenziellen Risiken gewarnt und eine Drosselung des Entwicklungstempos sowie strengere Chip-Beschränkungen gefordert. Er behauptete dabei, eine chinesische Führung im Bereich der KI gefährde die globale Sicherheit.

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Chinas Außenministerium wies diese Darstellung durch Sprecher Guo Jiakun als Angstmache und bösartigen Wettbewerb zurück. Solche Narrative würden die globale KI-Governance stören, während die technologische Entwicklung eigentlich dem Wohl der gesamten Menschheit dienen sollte.

Chinesische Forscher und Staatsmedien werteten die Aufrufe zur Verlangsamung, die auch von OpenAI-Chef Sam Altman und Elon Musk unterstützt wurden, als Versuch, den technologischen Vorsprung der USA zu zementieren und Nachzügler gezielt auszuschließen. In der „Global Times“ wurden die Warnungen von Amodei als unbegründet und als Marketinginstrument im Vorfeld geplanter Börsengänge bezeichnet.

Trotz der verschärften Rhetorik bleibt der diplomatische Kanal offen. Für den 24. September 2026 ist ein Treffen zwischen Xi Jinping und Donald Trump geplant, bei dem Fragen der KI-Governance im Mittelpunkt stehen sollen. Währenddessen unterstreichen aktuelle Daten die massive Verbreitung der Technologie in China: Im Juni 2026 lag die Nutzerbasis bei über 500 Millionen Personen, bei täglichen Token-Aufrufen von mehr als 140 Billionen.