Trotz rasanten Wachstums bei Produktion und Börsengängen chinesischer Robotikfirmen offenbart sich eine erhebliche technologische Abhängigkeit vom Ausland.
Wang Chenglu, ehemalige Führungskraft bei Huawei und heute CEO von Shen Kaihong, erklärte, dass 76 Prozent der in China hergestellten Roboter auf ausländische Open-Source-Grundlagen wie ROS (Robot Operating System) angewiesen seien. Die Selbstversorgungsquote bei Kernalgorithmen liege bei unter 40 Prozent.
ROS fungiert laut Wang als Middleware, die auf dem Linux-Kernel läuft und damit eine zentrale technische Basis für Steuerungssoftware vieler Roboter bildet. Die Angaben wurden auch von anderen Medien aufgegriffen, die dieselben Zahlen zur Abhängigkeit von ausländischem ROS und zur niedrigen Selbstversorgungsquote bei Kernalgorithmen bestätigten.
Nvidia als weiterer kritischer Faktor
Neben der Software-Abhängigkeit zeigt sich auch bei Hardware und Chips eine starke Bindung an ausländische Anbieter. Chinesische Roboterhersteller sind demnach auf Nvidias Silizium und Software angewiesen. Nvidias Geschäft mit sogenannter Physical AI erwirtschaftet nach verfügbaren Angaben einen Jahresumsatz von rund 10 Milliarden US-Dollar.
Wachstum trotz Abhängigkeiten
Die Meldung zur technologischen Abhängigkeit steht im Kontrast zu den jüngsten Wachstumszahlen der chinesischen Robotikindustrie. China hält rund 95 Prozent der weltweiten Lieferungen von Humanoid-Roboter-Hardware, mit Anteilen von 33,6 Prozent im Display-Bereich und 12,8 Prozent in der Fertigung.
Landesweit sind mehr als 2 Millionen Industrieroboter im Einsatz, wobei über 50 Prozent der weltweiten Industrieroboter in China produziert werden – ein Wachstum, das auch mit dem demografischen Wandel begründet wird: Bis 2035 soll mehr als ein Drittel der Bevölkerung über 60 Jahre alt sein.
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Auch auf Unternehmensebene zeigt sich Dynamik: Unitree ging mit einer Bewertung von 9,04 Milliarden US-Dollar an die Börse, nachdem sich der Umsatz 2025 auf 1,7 Milliarden Yuan vervierfacht hatte; 13,3 Prozent des Umsatzes stammen aus den USA. Am ersten Handelstag stieg die Aktie um 629 Prozent.
Xpeng Robotics sammelte zuvor über 900 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung von über 6,3 Milliarden US-Dollar ein, unterstützt von Investoren wie IDG, Tencent und Alibaba. Auch der Automobilkonzern Chery bereitet über seine Robotiksparte Aimoga einen Börsengang vor.
Engpässe bei Hardware und Rohstoffen
Trotz des größten weltweiten Marktanteils bei Humanoid-Robotern steht die Branche laut Digitimes vor Engpässen bei Preisgestaltung sowie einer Kluft zwischen Konsum- und Industriemodellen. Verschärft wird die Lage durch strukturelle Hardware-Probleme: Aktuatoren machen 40 bis 60 Prozent der Stückliste eines Roboters aus, Getriebe wiederum 30 bis 50 Prozent der Aktuatoren-Kosten.
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China kontrolliert zwar rund 90 Prozent der weltweiten Seltenerd-Verarbeitungskapazität, doch die EU reagiert mit ihrer Kritische-Rohstoffe-Verordnung (CRMA), die bis 2030 eine Versorgung aus einem einzigen Drittland auf maximal 65 Prozent begrenzen soll. Ab 2028 soll zudem eine Kennzeichnungspflicht für Magnete über 0,2 Kilogramm gelten.
Die Denkfabrik DSET ordnet die staatliche Förderung der chinesischen Robotikbranche in eine Politik ein, die der früheren Förderung der Elektrofahrzeugindustrie ähnele. Gleichzeitig fehle es den Robotern noch an echter Autonomie – Vorführungen seien häufig vorprogrammiert, und humanoide Roboter befänden sich insgesamt noch in einem frühen Entwicklungsstadium.

