Die US-Großbanken Citigroup und Bank of America haben autonomen KI-Agenten den direkten Zugriff auf Kundenkonten verwehrt. Beide Institute begründen diesen Schritt mit ungeklärten Haftungsfragen sowie der Sorge vor abrupten Einlagenabflüssen.
Citigroup gestattet externen KI-Assistenten weder den Login in Konten noch die eigenständige Ausführung von Finanztransaktionen. Ein lesender Zugriff im Rahmen von Open-Banking-Schnittstellen bleibt in begrenztem Umfang weiterhin möglich. Das Finanzinstitut argumentiert, die Maßnahme diene dem Schutz von Kundendaten und Bankkonten.
Auch die Bank of America schränkt den Zugriff solcher Systeme auf Privatkundeneinlagen ein. Diese Sperre soll so lange aufrechterhalten werden, bis verbindliche Regeln und klare Haftungsvorgaben für automatisierte Transaktionen existieren.
Der Vorstandsvorsitzende der Bank of America, Brian Moynihan, forderte am 14. Oktober 2026 in einem Fernsehinterview mit CNBC eine zwingende menschliche Kontrolle für ausgehende Zahlungen. Jede Geldbewegung von einem Konto müsse weiterhin durch einen Menschen geprüft und freigegeben werden.
Furcht vor Umschichtungen zinsloser Einlagen
Hinter den Vorsichtsmaßnahmen steht auch die Furcht vor erheblichen Bilanzbelastungen. Die Geldhäuser haben ihre Bedenken bereits Regulierungsbehörden vorgetragen. Sie warnen davor, dass KI-Agenten Kontoguthaben autonom zu Finanzinstituten mit besseren Konditionen abziehen könnten.
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Laut Berichten der Financial Times halten JPMorgan, die Bank of America und Wells Fargo zusammen rund 1,6 Billionen US-Dollar an zinslosen Einlagen, was etwa 16 Prozent ihrer gesamten Verbindlichkeiten ausmacht. Müssten diese Guthaben beispielsweise mit 3 Prozent verzinst werden, entstünden den drei Instituten jährliche Mehrkosten von rund 47 Milliarden US-Dollar.
Eine entsprechende Warnung formulierte bereits im September 2026 der Chefökonom des Vermögensverwalters Apollo, Torsten Sløk. Er wies darauf hin, dass Digital- und Fintechbanken Zinsen zwischen 3,3 Prozent und 5 Prozent bieten, während traditionelle Girokonten in den USA im Schnitt nur rund 0,1 Prozent abwerfen. Wells-Fargo-Chef Charlie Scharf bezeichnete die Sorge vor einem KI-getriebenen Bankenansturm am 13. Oktober 2026 hingegen als völlig übertrieben.
Als Katalysator der aktuellen Debatte gelten neue Angebote der Technologiebranche. Meta startete im September 2026 das System Meta Muse mit einer Schnittstelle zum Finanzdienstleister Plaid, gefolgt von der Veröffentlichung von OpenAI Dots wenige Wochen später.
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Juristisches Vakuum bei der Haftung
Auch das Branchenschwergewicht JPMorgan Chase verfolgt einen restriktiven Kurs. Vorstandschef Jamie Dimon erklärte am 13. Oktober 2026 im Rahmen einer Analystenkonferenz, das Institut dulde keine unkontrollierten Systeme in seinen Netzwerken. Kunden, die KI-Programmen dennoch Zugriff gewähren, müssen laut Dimon über entsprechende Vereinbarungen die finanzielle Haftung übernehmen.
Eine Sprecherin von JPMorgan stellte klar, dass Zugangsdaten nicht an Dritte übergeben werden dürfen. Lediglich der lesende Saldenabruf über Aggregatoren wie Plaid ohne die Berechtigung zu Geldbewegungen werde erlaubt. Für mögliche Lockerungen gebe es keinen Zeitplan. Für Überträge zwischen bankinternen Konten testet JPMorgan derzeit eine eigene Funktion namens Smart Cash.
Auf regulatorischer Ebene forderte der Finanzstabilitätsrat FSB am 15. Oktober 2026 in seinen Richtlinien zu Künstlicher Intelligenz ebenfalls eine verpflichtende menschliche Freigabe bei Finanzgeschäften. In den USA gibt es bislang kein umfassendes Bundesgesetz zur Haftung autonomer Agenten.
Zwar brachten die Senatoren Josh Hawley und Chris Murphy einen Gesetzesentwurf zur Verantwortlichkeit von KI-Agenten ein, andere Initiativen blieben jedoch in den Ausschüssen stecken. Bereits am 15. September 2026 stellte US-Finanzminister Scott Bessent vor dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses klar, dass er rechtliche Haftungsausnahmen für Entwickler von KI-Modellen ablehnt.

