Citigroup und US-Regulierer ebnen Weg für schlankere Banken

Citigroups radikale Entschichtung und US-Regulierungsklarheit für flexible Gehaltsauszahlungen markieren eine Wende zu schlanken Bankstrukturen, während die EU-Digitalidentität auf Hindernisse stößt.

Die Finanzbranche beendet das Jahr mit einem klaren Auftrag: Bürokratie abbauen. Während Citigroup mit einer radikalen Entschichtung für Furore sorgt, schafft eine US-Behörde Rechtssicherheit für flexible Gehaltsauszahlungen. Doch in Europa hakt es bei der digitalen Identität.

Diese Woche zeigt einen Wendepunkt in der digitalen Transformation des Bankensektors. Es geht nicht mehr um neue Features, sondern um das Fundament. Die Nachrichten von Citigroups massivem Bürokratieabbau und der regulatorischen Klarstellung in den USA verfolgen ein gemeinsames Ziel: Reibungsverluste eliminieren. Im digitalen Zeitalter ist Bürokratie gleichbedeutend mit Verzögerung. Jedes interne Gremium bremst Software-Updates aus, jede unklare Vorschrift verzögert Produkteinführungen.

Citigroups „Project Bora Bora“: Ein radikaler Bürokratie-Abbau

Citigroup liefert ein Lehrstück in aggressiver Effizienzsteigerung. Wie Analysen vom 24. Dezember zeigen, hat die Bank mit ihrer intern als „Project Bora Bora“ bekannten Umstrukturierung die Management-Ebenen von 13 auf nur noch acht verschlankt. Gleichzeitig wurden etwa 60 interne Komitees abgeschafft – einer der umfassendsten operativen Überholungen der modernen Bankengeschichte.

Diese Straffung gilt als Hauptgrund für die robuste Performance der Bank, die seit Jahresbeginn fast 68 Prozent zugelegt hat. Weniger Hierarchieebenen sollen Entscheidungsprozesse beschleunigen und die Verantwortlichkeit erhöhen. Für Bankkunden könnte sich das in schnelleren Produkt-Updates und reaktionsschnelleren Services niederschlagen, da die Distanz zwischen Strategen und kundennaher Technologie schrumpft.

Die Strategie signalisiert einen breiteren Trend: Das „De-Banking“, also der Abbau komplexer, nicht-essentieller Unternehmensebenen, wird zur Voraussetzung, um mit agilen Fintech-Herausforderern mithalten zu können. Die freiwerdenden Ressourcen dürften in die divisionsübergreifenden Bereiche „Services“ und „Vermögensverwaltung“ fließen, die für die Betreuung von Bestandskunden zentral sind.

US-Regulierer schaffen Klarheit für Gehaltsvorauszahlungen

In einem wichtigen Schritt für Fintech-Innovation und Verbraucherflexibilität hat die US-Verbraucherschutzbehörde CFPB Rechtsklarheit für sogenannte Earned Wage Access (EWA)-Produkte geschaffen. Eine am 26. Dezember analysierte Stellungnahme besagt, dass bestimmte EWA-Modelle – insbesondere arbeitgeberfinanzierte, die keine verbindlichen Gebühren erheben – nicht als „Kredit“ im Sinne des US-Verbraucherkreditrechts gelten.

Diese Klarstellung macht einen restriktiveren Vorschlag vom Juli rückgängig, der den Sektor mit hohen Compliance-Auflagen belastet hätte. Indem die Aufsicht diese mit der Gehaltsabrechnung verknüpften Dienste von traditionellen Krediten abgrenzt, senkt sie die bürokratische Hürde für Arbeitgeber, die flexible Auszahlungsoptionen anbieten möchten.

Für Verbraucher bedeutet das weniger Reibung bei der Liquiditätsplanung zwischen zwei Gehaltszahlungen. Sie können auf verdientes Geld zugreifen, ohne die komplexen Offenlegungspflichten und Bonitätsprüfungen eines Kredits durchlaufen zu müssen – vorausgesetzt, das Modell basiert auf „No-Fee“ oder freiwilligen Trinkgeldern. Diese regulatorische Sicherheit dürfte mehr Banken und Fintechs ermutigen, On-Demand-Auszahlungen direkt in Standard-Girokonten zu integrieren.

EU-Digitalidentität: Ambitioniertes Projekt mit Startschwierigkeiten

Während in den USA Fortschritte bei regulatorischer Klarheit zu verzeichnen sind, kämpft das ehrgeizige digitale Identitätsprojekt der Europäischen Union mit bürokratischen und technischen Widerständen. Berichte vom 26. Dezember deuten an, dass die EU Digital Identity (EUDI) Wallet möglicherweise nicht fristgerecht vollständig einsatzbereit sein wird.

Experten weisen darauf hin, dass trotz abgeschlossener Pilotprojekte die Integration der Wallet mit realen Ausstellern und vertrauenden Diensten fragmentiert bleibt. Die Wallet soll Bürgern ermöglichen, digitale Berechtigungen wie Ausweise und Berufsqualifikationen sicher bei Banken vorzulegen, um Konten sofort zu eröffnen – und den papierlastigen KYC-Prozess (Know Your Customer) zu umgehen.

Die Komplexität, Standards in allen Mitgliedstaaten zu harmonisieren, erweist sich jedoch als große bürokratische Herausforderung. Die technische Interoperabilität für eine nahtlose „One-Click“-Bankerfahrung über Grenzen hinweg ist noch nicht gegeben. Für Banken in der Region bedeutet das eine Doppelbelastung: Sie müssen weiterhin alte Verifizierungssysteme betreiben, während sie gleichzeitig die Infrastruktur für die digitale Wallet vorbereiten.

Globale Konsolidierung: Der Trend zur schlanken Bank

Die Entwicklungen dieser Woche unterstreichen eine kritische Wende in der digitalen Banken-Erzählung. Der Fokus hat sich von neuen Features auf die Infrastruktur des Bankwesens verlagert. Der Kontrast zwischen der regulatorischen Klarheit in den USA und den Implementierungsproblemen der EU-Digitalidentität zeigt die Schwierigkeit dieses Übergangs. Während das Streichen von Regeln mit einem Federstrich geschehen kann, erfordert der Aufbau neuer digitaler Bürokratien komplexe technische Abstimmung.

Der Blick auf das erste Quartal des neuen Jahres zeigt: Der Branche dürfte eine Art Dominoeffekt von Citigroups Restrukturierung bevorstehen. Wettbewerber werden gezwungen sein, ihre eigenen Organisationsstrukturen zu überprüfen, um mit der neuen Agilität von Citi Schritt halten zu können. Sollte sich das „Project Bora Bora“-Modell als nachhaltig erweisen, könnte 2026 zum Jahr der „Lean Bank“ werden.