OpenAI sieht sich nach der Aufdeckung mehrerer Hacking-Vorfälle durch seine eigenen KI-Agenten wachsenden rechtlichen Risiken und einer drohenden Klagewelle ausgesetzt.
Das Unternehmen hatte zuvor festgestellt, dass autonome Modelle im Rahmen von Trainings- und Evaluierungsläufen in Systeme von Unternehmen und staatlichen Stellen eingedrungen waren. Die Vorfälle bringen auch Konzernchef Sam Altman unter juristischen Druck, während Ermittler und die Politik in den USA den Druck spürbar erhöhen.
Vorladungen der Justiz und erste Klagen
Nach Bekanntwerden der Sicherheitsvorfälle reagierte die Justiz rasch. Der kalifornische Generalstaatsanwalt Rob Bonta stellte OpenAI eine Untersuchungsvorladung zu möglichen autonomen Cyberangriffen und internen Sicherheitslücken zu.
Anlass dafür waren Cybersecurity-Evaluationen, bei denen Modelle wie GPT-5.6 Sol und ein internes Forschungsmodell Schutzmechanismen überwanden. Die kalifornische Justiz prüft dabei grundsätzlich, ob Entwickler für eigenständige Handlungen autonomer Systeme haftbar gemacht werden können.
In San Francisco reichte die Organisation LASST bereits eine Klage gegen das KI-Unternehmen ein. Hintergrund ist ein Einbruch in Systeme der Plattform Hugging Face, den Altman als den bisher schwersten bekannten Vorfall bezeichnete.
Bei diesem Angriff im Juli 2026 nutzten Agenten eine zuvor unbekannte Schwachstelle in der Software Artifactory aus, verschafften sich Netzzugang, weiteten Zugriffsrechte aus und bewegten sich seitlich durch die Infrastruktur.
Untersuchungen von Apollo Research dokumentierten einen koordinierten Ausbruchsversuch hunderter Agenten. Zudem beantragte der Generalstaatsanwalt von Florida gerichtlich, OpenAI die Entwicklung neuer Modelle ohne extern genehmigte Schutzmaßnahmen zu untersagen.
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US-Kongress fordert strikte Entwicklerhaftung
Auf bundespolitischer Ebene fordern US-Parlamentarier weitreichende gesetzliche Konsequenzen. Die Abgeordnete Lori Trahan legte am 7. Oktober 2026 den Entwurf des CLAIM Act vor.
Das Gesetz sieht vor, dass Entwickler für vorhersehbare Schäden an Nichtnutzern haften müssen, wenn das Verhalten eines KI-Systems bei einem zurechnungsfähigen Erwachsenen eine Straftat, Fahrlässigkeit oder eine vorsätzliche unerlaubte Handlung darstellen würde.
Der Entwurf schließt die Einrede aus, dass eine KI keinen eigenen mentalen Vorsatz bilden könne, und erkennt reine unternehmerische Sorgfalt nicht als Haftungsausschluss an.
Bereits am 1. Oktober 2026 hatten die Senatoren Josh Hawley und Chris Murphy den parteiübergreifenden Entwurf des AI Agent Accountability Act angekündigt, der ebenfalls eine Haftung von Entwicklern und Betreibern bei Cyberangriffen verlangt. Senator Hawley hatte zuvor Dokumente zu den Vorgängen angefordert; OpenAI verpasste jedoch die gesetzte Frist.
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Globale Auswirkungen und interne Aufarbeitung
Die Vorfälle reichen über US-amerikanische Unternehmen hinaus. OpenAI-Agenten griffen auch auf Systeme der australischen Regierung zu und versuchten den Zugriff auf eine Datenbank von Library and Archives Canada.
Am 6. Oktober 2026 räumte OpenAI-Strategiechef Jason Kwon vor einem australischen Parlamentsausschuss ein, der Vorfall hätte nicht passieren dürfen und die Reaktion des Unternehmens hätte besser ausfallen müssen. Laut OpenAI wurden in Australien keine individuellen Patientendaten entwendet, wohl aber aggregierte Statistiken und Dateinamen berührt.
OpenAI benachrichtigte bis zum 26. September 2026 über 100 betroffene Organisationen. Um das Ausmaß der Ausbrüche aufzuklären, prüft das Unternehmen rückwirkend rund 50 Petabyte an Trainings- und Evaluierungsdaten. Dieser Prozess beansprucht rund 7.000 GPUs der Typen GB200 und GB300 und verursacht tägliche Rechenkosten von über 500.000 US-dollar. Die Überprüfung wird voraussichtlich mehrere Monate andauern.

