Claude-Abwehr: Anthropic reduziert Distillations-Angriffe um bis zu 99 Prozent

Neue Barrieren verringern laut Anthropic den Datenabfluss; vollständige Abwehr bleibt offen, und die veröffentlichten Werte sind nicht unabhängig bestätigt.

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Der KI-Entwickler Anthropic hat neue Abwehrmaßnahmen gegen sogenannte Distillations-Angriffe auf seine Claude-Modellreihe in Betrieb genommen. Wie aus einem Unternehmensbericht vom 12. Oktober 2026 hervorgeht, reduzieren die Vorkehrungen das von externen Akteuren abgegriffene Datenvolumen um schätzungsweise 90 bis 99 Prozent.

Die Anzahl der extrahierten Reasoning-Tokens liege mittlerweile 10- bis 100-mal niedriger als vor den Gegenmaßnahmen und sei an manchen Tagen überhaupt nicht mehr messbar.

Unter Distillation wird das systematische Trainieren kleinerer KI-Modelle anhand der Ausgaben leistungsfähigerer Systeme verstanden. Anthropic veranschaulichte die Wirksamkeit dieser Methode anhand interner Tests: Ein Modell erreichte auf vollständigen Transkripten von Claude Opus 4.8 einen Wert von 80,4 Prozent auf der Benchmark SWE-bench Verified, während es mit zusammengefassten Transkripten lediglich auf 71,8 Prozent kam.

Dreistufige Verteidigung an der Programmierschnittstelle

Um das Abgreifen von Daten zu unterbinden, setzt das Unternehmen auf ein Paket aus technischen und administrativen Barrieren. Die erste Maßnahme mit der Bezeichnung „preserved thinking“ greift seit dem 31. August 2026 für API-Konten: Entwickler können den vorherigen Kontext bei den Modellen Claude Fable 5.1 und Opus 5.5 nicht mehr manipulieren. Bei Sonnet 5.5 wiederum sind Transkripte der Denkprozesse ausschließlich für die jeweils anfragende Organisation einsehbar.

Als zweite Säule dient ein zweistufiger Klassifikator, dessen Robustheit das Unternehmen mit internen Schutzmechanismen gegen biologische Waffen vergleicht. Das System weise eine Falsch-Positiv-Rate von unter 0,1 Prozent auf und sichert die Modelle Sonnet 5.5, Opus 5, Opus 5.5 sowie Fable 5 und Fable 5.1 ab.

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Die dritte Schutzebene umfasst strengere Nutzungsbeschränkungen und beschleunigte Sperren. Zehntausende Konten seien bereits blockiert worden, vielfach innerhalb von zwei Stunden nach Beginn einer auffälligen Kampagne.

Um den wirtschaftlichen Anreiz für Angreifer weiter zu senken, stellt Anthropic seit dem 24. September 2026 auch blockierte Anfragen in Rechnung. Nach eigenen Angaben lehnte das Unternehmen Billionen Tokens an zahlendem Datenverkehr und damit erhebliche Einnahmen ab, um die Distillation einzudämmen.

Umfangreiche Kampagnen und Sicherheitsbedenken

Die neuen Schutzmechanismen reagieren auf anhaltende, großangelegte Extraktionsversuche. Bereits in einem Bericht vom Februar 2026 dokumentierte Anthropic Kampagnen, die DeepSeek, Moonshot AI und MiniMax zugeschrieben wurden. Dabei seien über rund 24.000 Konten mehr als 16 Millionen Interaktionen registriert worden, um Fähigkeiten in den Bereichen logisches Schließen, Tool-Nutzung und Programmierung zu kopieren. Ein einzelnes Netzwerk kontrollierte damals zeitgleich mehr als 20.000 gefälschte Konten; ein weiteres Labor testete rund 12.000 Anfragen.

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Im September 2026 folgten Berichte über Kampagnen von Alibaba, Moonshot und DeepSeek gegen Anthropics Opus-Klasse, die teils Millionen Interaktionen pro Tag erreichten. Zudem führte Anthropic den Anbieter Zhipu mit seinem Modell GLM-5.3 an, der versucht habe, Claude Fable 5 zu destillieren, und seine Anfragen nach dem Anschlagen von Cyber-Schutzmechanismen modifizierte.

GLM-5.3 gilt laut CAISSI als fähigstes quelloffenes Modell im IT-Sicherheitsbereich. Z.AI, das Unternehmen hinter Zhipu, reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage von Reuters. Bei Moonshot wiederum wurden Kimi-Anfragen an Claude weitergeleitet, wobei ein Nutzer mit mutmaßlicher Nähe zur chinesischen Volksbefreiungsarmee das Modell zur Analyse von Kameraüberwachungsdaten einer Person einsetzte.

Anthropic warnt vor erheblichen nationalen Sicherheitsrisiken durch unkontrollierte Modell-Destillation und koordiniert seine Abwehr über Informationsaustausch mit anderen KI-Laboren, Cloud-Dienstleistern und Behörden.

Zugleich räumt das Unternehmen ein, dass die aktuellen Erfolge ein anhaltendes Katz-und-Maus-Spiel darstellen und deren Dauer ungewiss sei. Die vorgelegten Zahlen wurden bislang nicht unabhängig überprüft. Zudem verfehlte das Unternehmen das im Februar gesetzte Ziel, die Distillation vollständig abzuwehren, ohne legitime Nutzer dabei zu beeinträchtigen.