Claude: Anthropic rüstet KI mit Multiplayer-Kontext auf

Anthropic ersetzt den Slack-Classifer und erweitert Claude um Kontextspeicher, Web-Recherche, Hardware-Anbindung sowie günstigere Automatisierung.

Der KI-Entwickler Anthropic hat die Einstellung seines bisherigen Slack-Classifiers bekannt gegeben. Das System wird durch eine neue, kontextbewusste Lösung ersetzt, die darauf abzielt, die Integration der KI Claude in kollaborative Arbeitsumgebungen grundlegend zu verbessern. Damit vollzieht das Unternehmen einen strategischen Schritt hin zu einer sogenannten Multiplayer-KI, bei der die Interaktion zwischen Mensch und Maschine in geteilten digitalen Räumen präziser gesteuert wird.

Automatisierte Entscheidungsprozesse in der Kommunikation

Das neue System ermöglicht es Claude, vollständige Konversationen sowie hinterlegte Erinnerungen und spezifische Anweisungen zu erfassen. Auf dieser Basis entscheidet die KI eigenständig über die angemessene Form der Reaktion.

Das Spektrum reicht dabei vom Verfassen einer direkten Antwort oder dem Eröffnen eines neuen Diskussionsstrangs (Thread) bis hin zur Weiterleitung von Informationen oder dem bewussten Schweigen, falls kein Eingreifen erforderlich ist.

Laut Scott White von Anthropic führte die Umstellung zu einer um etwa 30 % besseren Einschätzung darüber, wann Claude aktiv in ein Gespräch eintreten sollte. Ein wesentlicher Aspekt der Neuausrichtung ist zudem die Handhabung von Ressourcen: Der für diese kontextuellen Analysen benötigte erweiterte Datenrahmen wird laut Unternehmensangaben nicht auf die regulären Nutzungslimits der Anwender angerechnet.

Einheitlicher Speicher und erweiterte Recherchemöglichkeiten

Bereits in den vergangenen Tagen führte Anthropic einen einheitlichen Speicher für die Bereiche Claude Chat und Cowork ein. Dieser Speicher wird während laufender Unterhaltungen kontinuierlich aktualisiert. Nutzer erhalten dabei die Möglichkeit, hinterlegte Themen einzusehen, zu bearbeiten oder bei Bedarf zu löschen.

Um Sicherheitsaspekten Rechnung zu tragen, sind sensible Themenbereiche wie Gesundheit oder Politik in den Standardeinstellungen ausgeschlossen. Während diese Sperre für Einzelnutzer in den Tarifen Free, Pro und Max voreingestellt ist, verbleibt die Steuerung in den Team- und Enterprise-Versionen auf administrativer Ebene.

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Zusätzlich wurde Claude Cowork um einen integrierten Browser erweitert. Dies erlaubt es der KI, eigenständig im Web zu navigieren und komplexe Rechercheaufgaben zu automatisieren, was die Funktionalität über die reine Textgenerierung hinaus erweitert.

Integration in Hardware und wissenschaftliche Forschung

Ein weiterer Schwerpunkt der aktuellen Entwicklung liegt auf der Interaktion mit der physischen Welt. In einer Testphase startete Anthropic den Model Hardware Standard (MHS). Dieser soll es Claude ermöglichen, mit Robotern und wissenschaftlichen Apparaturen zu kommunizieren. Zu den Partnern dieses Projekts zählen unter anderem AWS, Danaher, Hugging Face und Raspberry Pi.

Erste Ergebnisse aus der Forschungsvorschau verdeutlichen das Potenzial: Ein Laboraufbau an der Carnegie Mellon University (CMU), der üblicherweise Wochen in Anspruch nimmt, konnte innerhalb von acht Stunden realisiert werden. Bei der Anwendung durch das Unternehmen QuEra erreichte Claude eine Erfolgsrate von 99,3 % beim sogenannten Laser-Relock (695 von 700 Versuchen).

Die Wiederherstellungszeit sank dabei von etwa 150 Sekunden auf circa 6 Sekunden, während das Signalrauschen von 15,7 mV auf 1,55 mV reduziert wurde. Auch Genentech nutzt das MHS-Framework bereits für Machbarkeitsstudien im Bereich der BCA-Assays.

Wirtschaftlichkeit und rechtliche Rahmenbedingungen

Neben der technischen Leistungsfähigkeit rückt die Kosteneffizienz in den Fokus. Einem Forschungsbericht zufolge konnten Claude-Agenten zur Fehlerbehebung (Automated Alignment Reviews, AARs) Benchmarks ohne Leistungseinbußen verbessern. Die Kosten für diese automatisierten Prozesse belaufen sich auf etwa 4 US-Dollar pro Stunde, verglichen mit 150 US-Dollar pro Stunde für menschliche Experten.

Auf regulatorischer Ebene gab es für Anthropic eine bedeutende Entscheidung in den USA. Ein Bundesrichter blockierte dauerhaft die Einstufung des Unternehmens als Supply-Chain-Risiko durch das Pentagon. Dies hat direkte Auswirkungen auf die Zusammenarbeit mit Palantir, dessen Maven Smart System Claude nutzt. Der betreffende Rahmen umfasst eine Vertragsobergrenze von 1,3 Mrd. US-Dollar sowie eine Vereinbarung mit der US-Army über bis zu 10 Mrd. US-Dollar.

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Parallel dazu weitet Anthropic sein Engagement im Bildungssektor aus. Das Programm Claude for Teachers steht nun ganzen Schulbezirken offen. Schulen können demnach bis zum 30. Juni 2027 für ein Jahr kostenlos beitreten. Die Vereinbarung sieht vor, dass Daten nicht für das Training der Modelle genutzt werden, um die Einhaltung von Datenschutzstandards wie FERPA zu gewährleisten.