Anthropic rüstet sein KI-Modell Claude mit neuen Funktionen für autonome Arbeitsabläufe aus. Das System kann künftig komplexe IT-Prozesse eigenständig steuern.
Der KI-Entwickler Anthropic hat eine Reihe technischer Neuerungen vorgestellt, die Claude in die Lage versetzen, selbstständig Agenten-Workflows auszuführen. Im Zentrum steht eine neue Funktion für Claude Code, die am 28. Mai 2026 veröffentlicht wurde. Sie ermöglicht es, mehrere KI-Agenten parallel zu steuern und direkt miteinander kommunizieren zu lassen.
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Wie die neue Agenten-Architektur funktioniert
Die Claude-Code-Workflow-Funktion setzt auf eine JavaScript-basierte Orchestrierung. Das System kann Schleifen, Bedingungen und parallele Ausführungen verarbeiten. Eingebaute Wiederholungsmechanismen und Budgetkontrollen verhindern, dass die Rechenkosten aus dem Ruder laufen.
Besonders clever: Die Sub-Agenten kommunizieren über spezielle Dateien direkt miteinander. Dadurch sinkt der sogenannte „Token-Tax“ – der Rechenaufwand, der normalerweise bei großen Sprachmodellen anfällt.
Parallel dazu hat Anthropic ein Framework für sogenannte „AI Chiefs of Staff“ entwickelt. Diese Architektur besteht aus vier Schichten: Quellanwendungen, einer Kontextebene zur Prioritätendefinition und einer Automatisierungsebene für planmäßige Ausführungen. Über das Model Context Protocol (MCP) verbindet sich Claude mit gängigen Unternehmenswerkzeugen wie Gmail, Slack und Google Drive. Die KI kann so eigenständig Kalender verwalten und Briefings vorbereiten.
Große Unternehmen setzen auf KI-Agenten
Die ersten Anwender berichten von beeindruckenden Ergebnissen. Uber meldete, dass im ersten Quartal 2026 rund 25 Prozent aller Code-Commits über Claude Code abgewickelt wurden. CEO Dara Khosrowshahi bezifferte den Anteil der KI-generierten Code-Änderungen auf etwa zehn Prozent – allerdings bleiben diese weiterhin der menschlichen Prüfung vorbehalten.
Doch die Kostenexplosion bereitet Sorgen. COO Andrew Macdonald räumte ein, dass das Unternehmen sein gesamtes KI-Budget innerhalb von vier Monaten aufgebraucht habe. Das schnelle Wachstum der KI-Ausgaben sei zunehmend schwer zu rechtfertigen.
JLL, ein Immobiliendienstleister, hat den KI-Einsatz für seine 110.000 Mitarbeiter verpflichtend gemacht. Das Unternehmen testet derzeit Agenten für Outlook und Teams, die Kalender und Rechtsdokumente verwalten sollen.
Fujitsu gab am 27. Mai 2026 eine Partnerschaft mit Anthropic bekannt. Der japanische Technologiekonzern will Claude für seine 100.000 internen Mitarbeiter bereitstellen. Im Fokus steht eine selbstlernende Multi-Agenten-Technologie, die aus Ergebnissen lernt. In Tests habe dies zu einer durchschnittlichen Genauigkeitssteigerung von 28 Punkten geführt.
Sicherheit und Compliance als Fundament
Für den Einsatz in regulierten Branchen hat Anthropic vorgesorgt. Anfang Mai brachte das Unternehmen 28 Sicherheits- und Compliance-Integrationen auf den Markt. Am 21. Mai 2026 folgte die Claude Compliance API, die KI-Aktivitätsdaten direkt in bestehende Sicherheitsinformations- und Ereignismanagement-Systeme (SIEM) einspeist.
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Zu den Partnerunternehmen zählen CrowdStrike, Microsoft Purview, Okta und Wiz – letzteres wurde im März 2026 von Google Cloud für 32 Milliarden US-Dollar übernommen. Diese Integrationen sollen Unternehmen dabei helfen, die Durchsetzungsphase des EU AI Act im Jahr 2026 zu erfüllen. Bei Verstößen drohen Strafen von bis zu 35 Millionen Euro oder sieben Prozent des globalen Jahresumsatzes.
KI-Agenten noch nicht auf Chef-Niveau
Trotz aller Fortschritte: In komplexen technischen Umgebungen stoßen die Systeme noch an Grenzen. IBM Research und Artificial Analysis haben mit ITBench-AA einen neuen Benchmark für Unternehmens-IT-Aufgaben wie Site Reliability Engineering (SRE) entwickelt.
In Tests mit 59 Kubernetes-bezogenen Vorfällen erreichte Claude Opus 4.7 mit 47 Prozent den Spitzenwert, knapp gefolgt von GPT-5.5 mit 46 Prozent. Doch die Forscher stellten ernüchtert fest: Kein einziges aktuelles Spitzenmodell schafft eine Erfolgsquote von über 50 Prozent bei hochkomplexen, autonomen IT-Aufgaben.
Zudem ist Claude Opus 4.7 das teuerste Modell im Betrieb: Rund 5,38 Dollar kostet die Bearbeitung einer einzelnen Aufgabe. Zum Vergleich: Kleinere, spezialisierte Modelle schaffen das für 14 Cent.

