Die Entscheidung von Anthropic, die Ausführung von Claude Cowork für Abonnenten der Pro- und Max-Tarife vollständig in die Cloud zu verlagern, geht auf erhebliche Leistungs- und Hardware-Einschränkungen der bisherigen Lösung zurück.
Felix Rieseberg, der bei Anthropic die Bereiche Cowork und die Claude-Code-Desktop-App leitet, erläuterte am 5. Oktober 2026 auf der Plattform X die architektonischen Hintergründe.
Zuvor war die lokale virtuelle Maschine zwar mit Blick auf Funktionalität, Sicherheit und Datenschutz konzipiert worden, führte jedoch in der Praxis zu spürbarer Festplatten-, Akku- und Systemlast. Zudem habe das einfache Schließen des Laptops laufende Prozesse unterbrochen. Mit dem Cloud-Betrieb gehe das Unternehmen davon aus, zahlreiche dieser Probleme zu lösen.
Zuvor hatte das KI-Unternehmen die Option für die rein lokale Datenverarbeitung in den allgemeinen Einstellungen entfernt. Neue Cowork-Aufgaben in den kostenpflichtigen Tarifen Pro für 20 US-Dollar pro Monat sowie Max für 100 US-Dollar oder 200 US-Dollar pro Monat werden damit serverseitig verarbeitet.
Bislang fand lediglich die Modellinferenz auf Cloud-Infrastrukturen statt, während Tool-Aufrufe innerhalb einer lokal bereitgestellten virtuellen Maschine auf den Rechnern der Nutzer liefen.
Isolierte Sandboxes und lokale Schnittstellen
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Unter dem neuen Betriebsmodell startet jede Arbeitssitzung in einer separaten, isolierten Sandbox in der Cloud, die nach Beendigung des Vorgangs gelöscht wird und keinen Zustand mit anderen Sitzungen teilt. Lokale Verzeichnisse verbleiben auf den Endgeräten der Anwender.
Das Cloud-System erhält lediglich Kopien der konkret benötigten Dateien, sofern die Sitzung über die Desktop-Anwendung gestartet wurde und diese auf dem Rechner geöffnet bleibt. Sobald eine Sitzung entfernt wird, verfällt die Kopie im Rechenzentrum, während die Originaldatei auf dem Rechner unberührt bleibt.
Bestimmte Bedienfunktionen setzen weiterhin eine geöffnete Desktop-Applikation unter macOS oder Windows voraus. Dazu gehören das Lesen und Schreiben in verbundenen Ordnern, lokale MCP-Erweiterungen, der integrierte Browser sowie die direkte Steuerung von Bildschirminhalten via Maus- und Tastatureingabe.
Zeitgesteuerte Aufgaben laufen dagegen direkt in der Cloud an und erfordern kein eingeschaltetes Nutzergerät, haben in diesem Szenario jedoch keinen Zugriff auf lokale Ordner.
Vor der Umstellung initiierte lokale Aufgaben verbleiben bis zu ihrem regulären Abschluss in der lokalen Umgebung. Für diese Prozesse steht eine Exportfunktion für das Transkript bereit, um Arbeitsabläufe bei Bedarf in Claude Code weiterzuführen. Geplante Tasks und Projekte lassen sich allerdings nicht dorthin übertragen.
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Differenzierte Regeln für Unternehmenskunden
Für Geschäftskunden gelten abweichende Vorgaben: In den Tarifen Team und Enterprise bleibt das bisherige Verfahren verfügbar. Während Cloud-Sitzungen für Team-Konten standardmäßig eingeschaltet sind, verbleiben sie bei Enterprise-Kunden standardmäßig inaktiv. Die jeweiligen Administratoren behalten die Kontrolle über einen gesonderten Schalter.
Bei der Datenaufbewahrung greifen gestaffelte Fristen. Gelöschte Aufgaben verschwinden umgehend aus dem Nutzerverlauf und werden innerhalb von 30 Tagen aus dem Speicher des Backends entfernt.
Für Organisationen mit Anbindung an die Compliance-Schnittstelle beträgt die Vorhaltezeit für Transkripte von Remote-Sitzungen bis zu sechs Jahre, es sei denn, ein Anwender löscht den Vorgang manuell. Sofern Nutzer der Verbesserung der KI-Modelle zugestimmt haben, können de-identifizierte Daten für einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren in Trainingspipelines einfließen.
Wer zwingend auf lokaler Datenverarbeitung besteht, wird von Anthropic auf die kommandozeilenbasierte Umgebung Claude Code verwiesen. Deren Desktop-Variante stellt neben Cloud- und SSH-Umgebungen eine rein lokale Instanz bereit, die auf das Dateisystem des Nutzers zugreift, Kontextdaten zur Verarbeitung jedoch standardmäßig über die Entwicklerschnittstelle des Anbieters übermittelt.

