Unternehmen setzen zunehmend auf autonome KI-Systeme, die Aufgaben im Hintergrund erledigen. Die Technologiebranche erlebt einen grundlegenden Wandel.
Die großen Technologiekonzerne treiben die Entwicklung von sogenannter „Agentic AI“ massiv voran. Dabei handelt es sich um KI-Systeme, die selbstständig komplexe Aufgaben ausführen können – ohne ständige menschliche Kontrolle. Sowohl Anthropic als auch Microsoft haben in dieser Woche bedeutende Neuerungen vorgestellt. Parallel dazu zeichnet sich eine grundlegende Neuordnung der Preismodelle in der Unternehmenssoftware ab.
Anthropic bringt Claude Cowork aufs Handy
Seit dem 7. Juli 2026 können Max-Abonnenten den KI-Agenten Claude Cowork nicht mehr nur am Desktop, sondern auch mobil nutzen. Das Besondere: Nutzer können eine Aufgabe am Rechner starten und den Fortschritt später auf dem Smartphone verfolgen. Die Agenten arbeiten in der Cloud und führen Aufträge auch dann aus, wenn der Computer ausgeschaltet ist.
Die interne Nutzungsanalyse von über 1,2 Millionen Sitzungen in mehr als 600.000 Organisationen zeigt ein klares Bild: Geschäftsprozesse machen mit 33,4 Prozent den Löwenanteil der Cowork-Aktivitäten aus. Dahinter folgen Content-Erstellung (16,4 Prozent) und Softwareentwicklung (8,7 Prozent). Um die Verbreitung zu beschleunigen, hat Anthropic die Nutzungslimits bis zum 5. August 2026 verdoppelt. Der Konzern investiert massiv in die Infrastruktur und hat kürzlich einen 19 Milliarden Euro schweren Rechenzentrumsvertrag mit TeraWulf abgeschlossen.
Microsoft setzt auf eigene KI-Modelle
Ein strategischer Schwenk zeichnet sich bei Microsoft ab. Seit Anfang Juli 2026 leitet der Konzern zehntausende wöchentliche KI-Anfragen in Excel und Outlook an seine hauseigenen MAI-Modelle weiter. CEO Mustafa Suleyman begründet den Schritt mit Kosteneinsparungen: Man wolle die Abhängigkeit von externen Anbietern wie Anthropic reduzieren.
Zum Einsatz kommt das Modell MAI-Thinking-1 mit 35 Milliarden aktiven Parametern und einem 256.000 Token umfassenden Kontextfenster. Für Programmieraufgaben nutzt Microsoft MAI-Code-1-Flash, das laut Unternehmensangaben die Leistung konkurrierender Spitzenmodelle erreicht, dabei aber 60 Prozent weniger Token verbraucht. Die technische Umstellung geht mit veränderten Abrechnungsmodellen einher. Seit der Einführung der tokenbasierten Abrechnung im Juni 2026 berichten einige Nutzer von deutlich gestiegenen monatlichen Kosten.
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Neue Konkurrenz für etablierte Bürosoftware
Auch Google zieht nach. Am 7. Juli startete der Konzern die Mac-Beta von Gemini Spark für AI-Ultra-Abonnenten in den USA. Das Tool greift auf lokale Dateien zu und arbeitet sowohl mit Google Workspace als auch mit Drittanbieter-Apps wie Dropbox und Canva zusammen.
Ein neuer Herausforderer mischt den Markt auf: Der Unternehmer Bhavin Turakhia hat mit Neo eine KI-native Plattform vorgestellt, die er mit 30 Millionen Euro eigenen Kapitals finanziert hat. Neo vereint Projektmanagement, Tabellenkalkulation und Dateispeicher mit integrierten KI-Agenten. Nach einem internen Launch im April 2026 sollen Nutzer in Indien und den USA ab August 2026 Zugang erhalten. Die vollständige Markteinführung ist für Anfang 2027 geplant.
Der Haken an der KI-Revolution
Trotz der rasanten Verbreitung zeigen Studien erhebliche Hürden auf. Einer Untersuchung von IDC und Sage zufolge verbringen Finanzteams durchschnittlich 13 Stunden pro Woche damit, KI-generierte Ergebnisse zu überprüfen. Diese manuelle Kontrolle frisst rund 26 Prozent der Produktivitätsgewinne wieder auf, die die KI eigentlich bringen soll.
Eine separate Erhebung von Pipedrive ergab, dass 58 Prozent der Fachkräfte immer noch drei oder mehr Stunden wöchentlich für Verwaltungsaufgaben aufwenden. Viele beklagen eine falsche Priorisierung. Zwar wünschen sich 43,3 Prozent der Befragten KI, die E-Mails oder Zusammenfassungen zur Überprüfung entwirft – doch das Vertrauen bleibt die größte Hürde.
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Milliardenmarkt mit Risiken
Die Marktforscher von Gartner prognostizieren, dass agentische KI bis 2030 Ausgaben in Höhe von 234 Milliarden Euro im Bereich der Unternehmenssoftware umwälzen könnte. Traditionelle Preismodelle pro Arbeitsplatz würden dann durch ergebnis- oder tokenbasierte Abrechnungen ersetzt.
Die Deutsche Bank schlägt indes vorsichtigere Töne an. Analyst Jim Reid warnte am 8. Juli 2026, dass spürbare Produktivitätsgewinne noch Jahre auf sich warten lassen könnten. Sollte die Technologie die hohen Erwartungen nicht erfüllen, drohten negative Auswirkungen auf die globale Verschuldung.

