Das KI-Unternehmen Anthropic hat am 21. Oktober 2026 mit Claude Duet eine Vorabversion eines proaktiven persönlichen KI-Agenten vorgestellt. Die Anwendung basiert auf dem Modell Claude Opus 5.5 und richtet sich an Fachkräfte sowie Betreiber kleinerer Unternehmen. Das System steht als eigenständige App für die Betriebssysteme iOS und Android bereit und lässt sich zudem über die Weboberfläche von claude.ai nutzen.
Technisch operiert Claude Duet in einer eigens bereitgestellten virtuellen Maschine in der Cloud, die über einen separaten Webbrowser verfügt. Dadurch führt das System Aufgaben im Hintergrund auch dann fort, wenn das Mobiltelefon oder der Laptop der Anwender ausgeschaltet ist. Angebundene Benutzerkonten werden dabei in Abständen von mehreren Stunden und nicht kontinuierlich überprüft.
Umfassende Software-Integration und Aufgabenspektrum
Für die Einbindung in bestehende Arbeitsumgebungen greift Duet über den hauseigenen Claude Marketplace auf mehr als 6.000 Anwendungen zu. Unterstützt werden unter anderem Dienste wie Gmail, Google Calendar, Google Drive, Slack, QuickBooks, HubSpot, DocuSign, Stripe, Canva und Shopify. Künftig soll zudem eine Integration des Passwortmanagers 1Password folgen.
Im Rahmen dieser Ökosystem-Erweiterung steht auch eine Schnittstelle des Anbieters LinkSquares im Connector-Verzeichnis zur Verfügung. Kunden mit einem aktiven Abonnement der LinkSquares-Plattform sowie einem Team- oder Enterprise-Tarif von Claude können die Anbindung ohne zusätzliche Gebühren nutzen.
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LinkSquares betreut nach Unternehmensangaben mehr als 1.200 Unternehmenskunden, darunter TIME, ProPharma und DraftKings. CPO Andrew Leverone erklärte, dass die Schnittstelle KI-basierte Unterhaltungen direkt mit den betrieblichen Prozessen verzahne, die aus einer Anfrage einen fertigen Vertrag entstehen lassen.
Anwender können Dokumentensammlungen durchsuchen, Verträge nach Vorlagen aufsetzen und Formulare ausfüllen, während bestehende Zugriffsrechte, Freigabeketten und Prüfpfade gewahrt bleiben.
Im Alltag erstellt Claude Duet strukturierte Morgenbriefings aus eingegangenen E-Mails, Kalendereinträgen und Fachanwendungen. Der Agent übernimmt die Terminabstimmung, baut Dashboards auf, berechnet Vertriebs- und Finanzprognosen und programmiert funktionale Prototypen oder Web-Anwendungen per Text- oder Sprachbefehl.
Sicherheitsgrenzen und schrittweiser Rollout
Anthropic setzt für kritische Operationen auf verbindliche Schutzschranken. Bevor der Agent Nachrichten versendet, Dokumente unterzeichnet, Zahlungen über Stripe Link oder Shopify Shop Pay initiiert oder Daten löscht, ist eine ausdrückliche Bestätigung durch den Nutzer erforderlich.
Direkte Überweisungen zwischen Bankkonten sowie Wertpapiergeschäfte sind prinzipiell ausgeschlossen und lassen sich auch manuell nicht freischalten. Passwörter, Logins und UPI-Sicherheitscodes sind für den Agenten nicht einsehbar. Hochsensible Finanz- und Gesundheitsdaten rührt das System nur nach expliziter Einzelanweisung an.
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Ein dedizierter Klassifizierer sowie Sicherheitsabfragen verhindern die Ausgabe geschützter Daten wie Kreditkartennummern. Flankiert wird die Sicherheitsarchitektur durch externe Penetrationstests und ein Bug-Bounty-Programm; unabhängige Benchmarks oder Kennzahlen zur Erfolgsrate bei der Aufgabenbewältigung liegen noch nicht vor.
Zugleich verweist Anthropic auf anfängliche Grenzen: Der Agent könne Gesprächsfäden mitunter fehlerhaft interpretieren, Prioritäten falsch einordnen oder bei persönlichen Erledigungen wie Ticketkäufen Schwächen zeigen. Mit diesem Profil tritt Claude Duet gegen Konkurrenzsysteme wie Meta Muse (Start am 8. September 2026) und OpenAI Dots (Start am 29. September 2026) an.
Der Rollout startet über eine Warteliste für zahlende Kunden in den USA, die ein Abonnement von Claude Pro (20 US-Dollar monatlich) oder Claude Max (ab 100 US-Dollar monatlich) nutzen. Die Hintergrundprozesse werden auf das vorhandene Nutzungskontingent angerechnet.
Nutzer, die bis zum 30. November 2026 von der Warteliste zugelassen werden, erhalten einen vollständigen Reset ihrer Verbrauchslimits. Ein Termin für die breite Marktverfügbarkeit steht bislang nicht fest.

