Die Systeme können eigenständig Tabellen analysieren, Präsentationen erstellen und komplexe Arbeitsabläufe steuern. Doch die Belegschaft hinkt hinterher.
Claude erobert Excel und PowerPoint
Anthropic hat am heutigen Freitag eine Forschungsvorschau von Claude für Excel und PowerPoint veröffentlicht. Die KI kann Daten direkt aus Tabellen in Präsentationen übertragen – ohne manuelles Kopieren. Eine neue „Skills“-Funktion speichert wiederkehrende Arbeitsabläufe wie Datenbereinigung oder Finanzprüfungen.
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Der Schritt kommt nicht überraschend. Bereits im März zeigte der Ramp AI Index, dass Anthropic bei US-Konzernen zum bevorzugten KI-Anbieter aufgestiegen ist.
Microsoft zog gestern nach: Mit Microsoft Work IQ führt der Konzern eine intelligente Analyse-Ebene ein, die E-Mails, Chats und Meetings übergreifend auswertet. Copilot und andere KI-Agenten erhalten damit ein tieferes Verständnis für Zusammenhänge. Parallel dazu erhielt die Power Platform neue Funktionen: KI-Agenten lernen jetzt aus Rückmeldungen, und Power Automate Desktop vergleicht verschiedene Versionen von Arbeitsabläufen.
Spezialisierte Agenten für komplexe Aufgaben
Doch nicht nur die großen Player liefern Neues. Das chinesische Unternehmen Moonshot AI brachte heute Kimi Work auf den Markt – einen Desktop-Agenten, der Python-Code ausführt und lokale Dateien analysiert. Das System setzt auf eine Schwarm-Architektur mit bis zu 300 Unter-Agenten. Sie überwachen Marktdaten oder steuern Web-Browser über eine spezielle Brücke.
Auch die Vernetzung zwischen Drittanbietern und Microsoft schreitet voran. Gestern integrierte sich Pinecone Nexus in Microsoft OneLake. KI-Agenten können nun direkt auf Unternehmensdaten zugreifen, ohne sie manuell importieren zu müssen. Erste Tests zeigen: Der Token-Verbrauch sinkt drastisch, die Ausführungsgeschwindigkeit steigt um ein Vielfaches.
Smartsheet erweiterte ebenfalls gestern seinen MCP-Server. Er verbindet sich nun mit ChatGPT, Microsoft Copilot und Google Gemini Enterprise. Seit März haben 22.000 Nutzer die KI-Funktionen von Smartsheet genutzt. Fast ein Drittel aller KI-Aktionen veränderte dabei direkt Live-Dokumente.
Die Belegschaft ist nicht bereit
So vielversprechend die Technik klingt – die Mitarbeiter können kaum Schritt halten. Eine Umfrage von Skillsoft unter 2.000 Beschäftigten zeigt: Nur 24 Prozent fühlen sich fit im Umgang mit KI-Tools. Dabei nutzen bereits 86 Prozent irgendeine Form von KI in ihrem Job.
Besonders alarmierend: Die Führungsetagen überschätzen die Bereitschaft ihrer Teams massiv. Die Kluft zwischen wahrgenommener und tatsächlicher KI-Kompetenz beträgt über 50 Prozentpunkte. Gerade einmal 16 Prozent der Mitarbeiter erhielten eine formelle Schulung, bevor die Werkzeuge eingeführt wurden.
Grundlagenwissen bleibt entscheidend
Die neuen Tools ersetzen kein solides Fachwissen – sie setzen es voraus. Analysten von Learnesy betonen: „KI kann Formeln generieren und Daten bereinigen. Aber wer nicht versteht, wie Daten strukturiert sein müssen oder was PivotTables leisten, wird falsche Ergebnisse nicht erkennen.“
Das Risiko ist real: Verarbeitet die KI fehlerhafte Datenbasen, produziert sie zuverlässig falsche Resultate.
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Jobmarkt unter Druck
Die Automatisierungswelle hinterlässt Spuren. Branchendaten vom Juni zeigen: KI war im Mai 2026 bei 40 Prozent aller angekündigten Stellenstreichungen ein Faktor. Experten von Jobs for the Future verweisen auf die menschlichen Stärken: Empathie, kritisches Denken und ethische Urteilsfähigkeit – „dauerhafte Fähigkeiten“, in denen Menschen den Maschinen weiterhin überlegen sind.
Das Weltwirtschaftsforum erwartet, dass 86 Prozent der Unternehmen innerhalb der nächsten fünf Jahre KI-gesteuerte Veränderungen durchlaufen. Die aktuellen Produktivitätsdaten deuten jedoch auf eine Anpassungsphase hin. Die vollen Vorteile der Technologie werden sich erst zeigen, wenn die Belegschaft nachgezogen hat.

