Das US-KI-Unternehmen Anthropic hat einen bedeutenden Fortschritt in der theoretischen Physik gemeldet. Das KI-Modell Claude, in der Version Fable 5.1, hat die Sechs-Teilchen-Streuamplitude in der sogenannten planaren N=4-Super-Yang-Mills-Theorie bis zur neunten Schleife berechnet. Damit übertrifft die künstliche Intelligenz den bisherigen Rekord von acht Schleifen, den ein Team um den Physiker Lance Dixon im Jahr 2023 aufgestellt hatte.
Forschungsaufbau und methodische Durchführung
Die Berechnung wurde von den Anthropic-Physikern Liam Fitzpatrick und Siddharth Mishra-Sharma geleitet, die für das Vorhaben die spezialisierte Umgebung Claude Science nutzten. Den Anstoß für das Projekt gab eine öffentliche Herausforderung des Physikers Matt von Hippel, der Anfang August 2026 dazu aufgerufen hatte, die Neun-Schleifen-Amplitude rechnerisch zu bewältigen.
Ende August beauftragten die Forscher das KI-Modell mit der Aufgabe. Berichten zufolge agierte Claude nach dem Erhalt des Initialauftrags weitgehend ohne weitere menschliche Aufsicht. Dabei verfolgte das System zwei unabhängige Rechenwege, die auf etablierten physikalischen Methoden basierten.
Eine Neuentwicklung grundlegend neuer physikalischer Prinzipien durch die KI fand dabei nicht statt; stattdessen bewies das System eine hohe Effizienz bei der Anwendung bestehender komplexer mathematischer Verfahren.
Unabhängige Verifizierung und parallele Entwicklungen
Die Überprüfung der Ergebnisse nahm mehrere Wochen in Anspruch. Anfang September begann Lance Dixon mit der unabhängigen Verifizierung der von Claude gelieferten Daten. Dieser Prozess dauerte rund zwei Wochen an.
Am 16. September wurden die Resultate schließlich veröffentlicht. Die Genauigkeit der Berechnung zeigte sich darin, dass die zwei von der KI gewählten Darstellungen bei insgesamt 107.053 nichtnull Koeffizienten exakt übereinstimmten. Die gesamte Lösung umfasst acht Dateien mit einer Größe von jeweils über 100 MB.
Der bisherige Rekord lag bei acht Schleifen, aufgestellt 2023. Jetzt hat ein KI-Modell die Sechs-Teilchen-Streuamplitude in der planaren N=4-Super-Yang-Mills-Theorie bis zur neunten Schleife berechnet — auf 96 Prozessoren in etwa einer Woche, bei geschätzten Gesamtkosten von 1.000 bis 2.000 US-Dollar pro angewandter Methode. Wer solche Rechenläufe künftig einplant, braucht belastbare Zahlen statt Bauchgefühl. Kostenkalkulation und Praxisleitfaden jetzt anfordern
Zeitgleich mit den Fortschritten bei Anthropic erzielte ein Team der Chinesischen Akademie der Wissenschaften unter der Leitung von Song He ähnliche Ergebnisse. Dieses Team veröffentlichte am 17. September unabhängig Daten zu Amplituden von zwei bis neun Schleifen auf dem Repositorium Zenodo.
Während Anthropic auf Claude setzte, nutzte das Team um Song He das Modell GPT-6 zur Unterstützung bei Teilen der Nebenbedingungen sowie zur Erlangung des sogenannten Symbols der Neun-Schleifen-Amplitude.
Technischer Aufwand und theoretische Einordnung
Der für die Berechnung erforderliche Hardware-Einsatz blieb im Vergleich zu herkömmlichen Supercomputer-Projekten moderat. Die Rechenoperationen liefen etwa eine Woche lang auf 96 Prozessoren.
Die Kostenstruktur der KI-gestützten Forschung wird durch die vorliegenden Daten verdeutlicht: Während der reine Bootstrap-Rechenlauf laut Matt von Hippel etwa 100 US-Dollar kostete, schätzt Anthropic die Gesamtkosten für die Berechnung auf ca. 1.000 bis 2.000 US-Dollar pro angewandter Methode.
Zwei unabhängige Rechenwege, 107.053 nichtnull Koeffizienten, acht Dateien mit je über 100 MB — und eine Verifikation, die rund zwei Wochen dauerte. Der eigentliche Engpass liegt nicht im Rechenlauf, sondern in der Prüfung. Wie Sie KI-gestützte Ergebnisse belastbar gegenprüfen, bevor sie in Ihre Publikation gehen, steht in diesem Leitfaden. Checkliste zur unabhängigen Verifikation sichern
Trotz des Durchbruchs bleibt die physikalische Forschung vor weiteren Hürden. Die N=4-Super-Yang-Mills-Theorie gilt zwar als ein wichtiges mathematisches Testfeld, stellt jedoch ein vereinfachtes Modell dar und beschreibt keine realen Teilchen.
Komplexere Fragestellungen, wie etwa das Problem der N=8-Supergravity bei sieben Schleifen, gelten weiterhin als ungelöst. Die erfolgreiche Berechnung der Neun-Schleifen-Amplitude demonstriert jedoch die wachsende Fähigkeit von KI-Modellen, hochgradig spezialisierte wissenschaftliche Aufgaben in der theoretischen Grundlagenforschung autonom zu bewältigen.

