Der KI-Entwickler Anthropic hat seinen leistungsstärksten Sprachassistenten für alle Nutzer freigegeben – mit besonderen Sicherheitsvorkehrungen.
Am 9. Juni startete Anthropic die allgemeine Verfügbarkeit von Claude Fable 5, dem ersten Modell der neuen „Mythos“-Klasse. Bisher hielt das Unternehmen solche Hochleistungs-KI aus Sicherheitsbedenken zurück. Nun kommt sie auf den Markt – allerdings mit einem ausgeklügelten Schutzsystem.
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Gefährliche Anfragen landen beim alten Modell
Das Besondere an Fable 5: Ein duales Routing-System leitet potenziell riskante Anfragen automatisch an den Vorgänger Claude Opus 4.8 um. Die Klassifizierung erkennt dabei Anfragen aus den Bereichen Cybersicherheit, Biologie und Chemie. Laut Anthropic betrifft das weniger als fünf Prozent aller Nutzersitzungen.
„Wir setzen auf konservative Schutzmechanismen, auch wenn sie gelegentlich falschen Alarm schlagen“, erklärt Dianne Penn, Anthropics Produktchefin. Das sei der Preis für Sicherheit in einem Wettlauf nach oben.
Für spezialisierte Anwender gibt es zudem Claude Mythos 5 – eine uneingeschränkte Version. Die ist allerdings nur autorisierten Partnern zugänglich: 150 defensive Cybersicherheitsorganisationen über das Project Glasswing sowie ausgewählte Molekularbiologen.
Rekordwerte bei Softwareentwicklung und Forschung
Die Leistungsdaten des neuen Modells sprechen für sich. Im SWE-bench Pro, einem Benchmark für Softwareentwicklung, erreichte Fable 5 satte 80,3 Prozent – der bisherige Spitzenreiter GPT-5.5 kam auf 58,6 Prozent.
Der Zahlungsdienstleister Stripe berichtet von einem spektakulären Praxiseinsatz: Das Modell erledigte eine manuelle Migration von 50 Millionen Zeilen Ruby-Code – normalerweise ein Zweimonatsprojekt – an einem einzigen Tag.
Auch in der Wissenschaft glänzt die KI. Sie beschleunigte die Wirkstoffentwicklung um das Zehnfache und lieferte in der Genomforschung Ergebnisse, die spezialisierte Modelle übertrafen. Das Kontextfenster umfasst eine Million Token, der Wissensstand reicht bis Januar 2026.
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Deutlich teurer als der Vorgänger
Die Preise sind happig: Zehn Euro pro Million Input-Tokens, 50 Euro pro Million Output-Tokens – rund doppelt so viel wie bei Opus 4.8. Aktuell ist Fable 5 noch in den Standard-Abonnements enthalten, ab dem 22. Juni soll ein Kredit-basiertes System folgen. Verfügbar ist das Modell über Anthropics API und Webplattform sowie auf AWS Bedrock und Databricks.
Milliardenbewertung und Börsenpläne
Der Launch kommt zu einem Zeitpunkt rasanten Wachstums. Im Mai 2026 erzielte Anthropic einen Jahresumsatz von 47 Milliarden Euro bei einer Bewertung von 965 Milliarden Euro. Bereits Anfang Juni reichte das Unternehmen vertraulich seinen Börsenprospekt ein – der Börsengang rückt näher.
Hintergrund: Im März waren Details zur Mythos-Technologie durchgesickert, im April folgte die offizielle Ankündigung des defensiven Project Glasswing. Die Freigabe erfolgt zudem im Kontext aktueller Regierungsanordnungen zur freiwilligen KI-Sicherheitstests.

