Die US-Regierung hat die neuesten KI-Modelle von Anthropic weltweit sperren lassen – aus Sorge vor Spionage.
Anthropic hat den globalen Zugang zu seinen neuesten KI-Modellen Claude Fable 5 und Mythos 5 eingestellt. Grund ist eine Exportkontrollverfügung der US-Regierung vom 12. Juni 2026. Das Verbot untersagt ausländischen Staatsbürgern die Nutzung der Technologie. Um die Auflagen zu erfüllen, deaktivierte das Unternehmen die Modelle komplett.
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Spitzenwerte in Tests
Vor der Sperrung zeigte Claude Fable 5 Rekordleistungen in mehreren Branchentests. Der Epoch Capabilities Index vom 16. Juni 2026 bescheinigte dem Modell einen Wert von 161 Punkten – und damit zwei Punkte mehr als dem Hauptkonkurrenten GPT-5.5 Pro.
Die technischen Details sind beeindruckend: Fable 5 erreichte 88 Prozent im FrontierMath Tier 4, während GPT-5.5 Pro nur auf rund 75 Prozent kam. Beim Programmier-Benchmark SWE-Bench Pro erzielte Fable 5 eine Erfolgsquote von 80,3 Prozent. Das übertrifft sowohl den Vorgänger Opus 4.8 als auch die 58,6 Prozent von GPT-5.5 deutlich. Zum Zeitpunkt der Abschaltung hatte Anthropic das neue Modell zwischen 9 und 46 Euro pro Million Tokens angeboten.
Sicherheitsbedenken als Auslöser
Das US-Handelsministerium erließ die Verfügung am 12. Juni um 23:21 Uhr MEZ. Es war das erste Mal, dass die Behörde ihre speziellen Befugnisse aus dem Export Control Reform Act von 2018 für diesen Zweck nutzte. Handelsminister Howard Lutnick übermittelte die Anordnung persönlich an Anthropic-CEO Dario Amodei. Die Begründung: Die Modelle könnten von ausländischen Militärgeheimdiensten in China und Russland zweckentfremdet werden.
Der Entscheidung vorausgegangen waren Berichte über eine mögliche Jailbreak-Funktion. Amazon-CEO Andy Jassy hatte offenbar gewarnt, dass die Modelle mit einfachen Befehlen komplette Codebasen einlesen und kritische Sicherheitslücken identifizieren könnten. Während Mythos 5 bewusst mit vollständigen Cybersicherheitsfunktionen für geprüfte Nutzer entwickelt wurde, enthielt Fable 5 Schutzmechanismen. Diese sollten heikle Anfragen an eine schwächere Modellversion umleiten.
Anthropic selbst hält die Bedenken für übertrieben. Die genannten Fähigkeiten seien auch in anderen verfügbaren Modellen wie GPT-5.5 vorhanden. Experten wiesen zudem darauf hin, dass die angebliche Schwachstelle auf einer Technik beruhe, bei der das Modell gebeten wird, bestimmten Code zu reparieren – eine Funktion, die die meisten fortschrittlichen Programmierassistenten beherrschen.
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Wirtschaftliche Folgen und Reaktionen
Die weltweite Deaktivierung hat erhebliche Auswirkungen auf Unternehmenskunden. Europäische Technologieführer zeigen sich besorgt über neue Single-Point-of-Failure-Risiken im KI-Sektor. Mehr als 80 Cybersicherheitsmanager unterzeichneten am 14. Juni einen offenen Brief, der die Aufhebung der Beschränkungen fordert.
Die Führungsspitze von Anthropic führt intensive Gespräche zur Lösung des Konflikts. CEO Dario Amodei traf sich mit Finanzminister Bessent, Handelsminister Lutnick und dem nationalen Cyberdirektor Cairncross. Technische Mitarbeiter von Anthropic nahmen zudem am 15. Juni an Treffen im Handelsministerium teil. Dort diskutierten sie Sicherheitsvorkehrungen und Risikobewertungen der Mythos-Modelle.
Der Regulierungskonflikt trifft das Unternehmen in einer entscheidenden Phase. Anthropic hat kürzlich in den USA einen vertraulichen Börsengang (IPO) beantragt. Bereits Anfang Juni hatte eine separate Verfügung des US-Präsidenten freiwillige Testprotokolle für KI-Modelle eingeführt – 30 Tage vor ihrer öffentlichen Veröffentlichung. Die Branche steht zunehmend unter Beobachtung.

