Die US-Beschaffungsbehörde GSA weitet ihre Vereinbarung mit Anthropic aus. Öffentliche Stellen aller Ebenen zahlen künftig 40 Prozent weniger für die Nutzung von Claude – ein Signal für den wachsenden Preiskampf unter den KI-Anbietern.
Die General Services Administration (GSA) hat ihre OneGov-Beschaffungsvereinbarung mit dem KI-Entwickler Anthropic ausgeweitet. Kern der am 27. Oktober 2026 verkündeten Regelung: ein Rabatt von 40 Prozent auf den Token-Verbrauch aller Claude-Modelle, die öffentlichen Stellen zur Verfügung stehen.
Der entscheidende Unterschied zur bisherigen Praxis liegt im Adressatenkreis. Galten die Konditionen bislang nur für Bundesbehörden, profitieren nun auch Bundesstaaten, Kommunen sowie Stammes- und Territorialverwaltungen. Der Rabatt gilt sofort für Direktkäufe über den Multiple Award Schedule der GSA. Über kommerzielle Cloud-Plattformen wie Amazon Bedrock und Google Cloud Vertex AI soll er in den kommenden Monaten folgen.
Erfasst sind Claude Enterprise, Claude for Government und die Claude-API. Mindestabnahmemengen oder Ausgabenverpflichtungen gibt es nicht – die Behörden zahlen ausschließlich für die tatsächlich genutzten Tokens.
Vom Schnupperangebot zum Dauerbetrieb
Die neue Vereinbarung löst ein früheres OneGov-Arrangement aus dem August 2025 ab. Damals erhielten Bundesbehörden Claude für eine symbolische Gebühr von einem Dollar pro Nutzer oder Behörde – ein Einstiegsangebot, das am 31. Oktober 2026 ausgelaufen wäre.
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Für die Behörden markiert der Schritt den Übergang vom Testbetrieb zur regulären Nutzung. Die GSA beziffert die Einsparungen ihrer gesamten OneGov-Initiative seit dem Start auf mehr als 1,8 Milliarden Dollar, davon rund 1,6 Milliarden über Vereinbarungen zu fortgeschrittener KI. Anthropic erwartet durch den 40-Prozent-Rabatt langfristig Einsparungen von schätzungsweise einer Milliarde Dollar bei öffentlichen Stellen.
Hinter dem Deal steht ein grundlegender Wandel in der Beschaffung von Behördensoftware: weg von Lizenzgebühren pro Arbeitsplatz, hin zur Abrechnung nach Verbrauch. Der Druck ist groß – im September 2026 vereinbarte die GSA mit dem Konkurrenten OpenAI bereits 50 Prozent Rabatt auf den Verbrauch, gültig bis Dezember 2028. Der Wettbewerb der großen KI-Anbieter um den staatlichen Markt dürfte sich weiter verschärfen.
500 Behörden, rasant wachsende Nutzung
Rund 500 Bundes-, Landes- und Kommunalverwaltungen in den USA setzen laut Anthropic derzeit auf Claude. Die wöchentlich aktiven Nutzer von Claude for Government seien seit Februar um etwa das Achtfache gestiegen, die Gesamtnutzung in zivilen Bundesbehörden binnen zwölf Monaten um rund das 20-Fache.
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Für sensible Behördendaten läuft Claude for Government unter der FedRAMP-High-Autorisierung, die den Umgang mit kontrollierten nicht-geheimen Informationen und Materialien der Strafverfolgung erlaubt. Claude Enterprise strebt unter dem FedRAMP-20x-Rahmen den Status „Moderate“ an.
Zusätzlich zur Preissenkung plant Anthropic ein technisches Umsetzungsprogramm speziell für Behörden, angelehnt an die Betreuung privater Großkunden. Erste Zahlen aus einem Pilotprojekt im Bundesstaat Utah stimmen optimistisch: Dort testeten 34 Entwickler aus zehn Landesbehörden Claude Code. 80 Prozent von ihnen richteten ihre Arbeitsumgebung binnen 30 Minuten ein, 71 Prozent sparten nach eigenen Angaben in vier Wochen mehr als 20 Arbeitsstunden.
Ob sich diese Effizienzgewinne im Behördalltag flächendeckend bestätigen, wird sich zeigen. Der Preiskampf unter den KI-Anbietern dürfte jedenfalls weiter an Fahrt aufnehmen.

