Claude in Hongkong: Anthropic verschärft Kontrollen gegen VPN-Zugriffe

Betroffene melden Kontoschließungen wegen mutmaßlicher VPN-Nutzung; Anthropic hat sich bislang nicht öffentlich dazu geäußert.

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Nutzer des KI-Assistenten Claude in Hongkong berichten vermehrt über plötzliche Kontosperren. Hintergrund sind offenbar verschärfte Kontrollen des US-Entwicklers Anthropic gegen Zugriffe über virtuelle private Netzwerke (VPN). Erste Beschwerden und Warnungen betroffener Personen wurden am 1. Oktober 2026 auf Plattformen wie X, Reddit und Threads öffentlich.

Betroffen von den Maßnahmen sind sowohl zahlende Kunden von Claude Pro als auch Nutzer der kostenfreien Version. In Benachrichtigungen, die betroffene Nutzer von der Sicherheitsabteilung des Unternehmens erhielten, wurde der Schritt mit verdächtigen Signalen und Aktivitäten sowie Verstößen gegen die Nutzungsrichtlinien begründet.

Zwar bietet das Unternehmen die Möglichkeit eines Einspruchs an, dieser wurde nach Berichten von Anwendern jedoch in einigen Fällen mit dem Verweis auf eine endgültige Entscheidung abgelehnt. So berichtete etwa ein Betroffener, nach rund sechsmonatiger Nutzung des Dienstes über NordVPN aus Hongkong eine entsprechende Kündigung erhalten zu haben.

Muster der Blockaden und unklare Gesamtzahl

Anthropic führt Hongkong, Macau und Festlandchina nicht in der Liste der offiziell unterstützten Regionen. Zuwiderhandlungen können nach den Richtlinien des Anbieters mit Warnungen, vorübergehenden Sperren oder einer dauerhaften Schließung des Benutzerkontos geahndet werden. Viele Nutzer in der Region griffen daher bislang auf VPN-Dienste zurück, leiteten ihren Datenverkehr beispielsweise über Singapur um und nutzten ausländische Zahlungsdaten.

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Als wahrscheinliche Auslöser für die jüngsten Kontosperren gelten die Identifizierung von Rechenzentrums-IP-Adressen typischer VPN-Anbieter, die Verwendung virtueller oder ausländischer Kreditkarten sowie häufige Wechsel des Standorts bei der Anmeldung.

Anthropic setzt zur regionalen Lokalisierung auf IP-Adressen und weitere technische Signale. Eine Bestätigung dafür, dass das System den tatsächlichen physischen Standort hinter einer VPN-Verbindung ermitteln kann, liegt nicht vor.

Die Gesamtzahl der gesperrten Konten ist nicht bekannt. Den vorliegenden Berichten zufolge handelt es sich bislang um Einzelfälle und nicht um flächendeckende Massenblockaden. Anthropic selbst gab zu den verschärften Zugriffsbeschränkungen bislang keine offizielle Stellungnahme ab.

Ausweichmöglichkeiten und industrieller Hintergrund

In Entwicklerkreisen löste das Vorgehen Besorgnis aus. Ein Nutzer namens Thin-Instruction-465 auf Reddit berichtete von einem drohenden Sperrrisiko und riet dazu, rechtzeitig Datensicherungen anzulegen.

Lokale Softwareentwickler weichen infolge der Restriktionen vermehrt auf die Cloud-Schnittstelle (API) aus, deren Abrechnung nach Verbrauch allerdings mit deutlich höheren Kosten verbunden ist als die monatlichen Festpreisabonnements der Endkundenversion.

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Der Zugang zu westlichen KI-Modellen in Hongkong steht bereits seit Monaten unter genauer Beobachtung. Bereits im August 2026 beschränkte das Kryptounternehmen OKX den Zugriff seiner Mitarbeiter in Hongkong auf Claude, nachdem dort ein konto gesperrt worden war; Goldman Sachs hatte den Zugriff für Mitarbeiter am Standort Hongkong schon zuvor unterbunden.

Zudem wächst der Druck durch Missbrauchsvorwürfe: Im September 2026 warf Anthropic sieben chinesischen KI-Laboren industrielle Destillation vor. Darunter soll Moonshot AI zwischen Mai und Juli 2026 über 23 Millionen Transaktionen über Claude abgewickelt haben, die als Konten aus Singapur und Japan getarnt worden waren.