Claude in Russland: Anthropic sperrt massenhaft Konten und nennt drei Gründe

Nutzer verlieren den Zugang zu Claude und Arbeitsdaten; ein Test fand neun KI-Dienste ohne VPN in Russland erreichbar.

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Am 1. Oktober 2026 meldeten zahlreiche Nutzer des KI-Assistenten Claude in Russland massenhafte Kontosperrungen. Das US-amerikanische KI-Unternehmen Anthropic begründete diesen Schritt laut einem Bericht von The Bell mit verdächtiger Aktivität und möglichen Regelverstößen. Genaue Einzelgründe für die jeweiligen Sperren nannte das Unternehmen den Betroffenen jedoch nicht.

Prominente Ausfälle und Verlust von Arbeitsdaten

Die jüngste Sperrwelle traf zahlreiche IT-Fachleute und Führungskräfte russischer Technologieunternehmen, die durch die Blockaden den Zugriff auf Arbeitskorrespondenz und laufende Projekte verloren.

Unter den Betroffenen befindet sich Roman Maresov, E-Commerce-Leiter und Leiter für Transaktions-KI bei Yandex. Maresov meldete seine Sperrung über den Messengerdienst Telegram und kündigte an, von der Programmierumgebung Claude Code zu Codex zu wechseln.

Von den Maßnahmen sind auch langjährige Zahlungskunden betroffen. Dokumentiert ist unter anderem der Fall eines Nutzers mit einem Claude-Max-Abonnement für 200 US-dollar im Monat, der den Dienst seit über einem Jahr über einen virtuellen Server im finnischen Helsinki nutzte. Bereits am 30. September 2026 wurde die Sperrung eines Hauptkontos bei Claude Max verzeichnet, nachdem mehrere Rechner zeitgleich abgemeldet worden waren.

Ursachen und Durchsetzung der Regionalpolitik

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Russland steht nicht auf der Liste der von Anthropic unterstützten Länder; offiziell ist Claude dort nicht verfügbar. Zwar gibt es kein öffentlich angekündigtes Verbot von Virtual Private Networks (VPN), doch Verstöße gegen die Regionalpolitik berechtigen das Unternehmen dazu, Zugänge auszusetzen oder vollständig zu beenden. Berichten zufolge ermittelt Anthropic den tatsächlichen Standort von Nutzern und löscht betroffene Konten vollständig.

Der Branchenexperte Roman Adamenko vermutete als primären Auslöser der aktuellen Welle eine algorithmische Reaktion auf häufige Wechsel von IP-Adressen und Regionen über VPN-Dienste. Dmitry Antipov führte frühere Sperren hingegen auf strengere Überprüfungen unverifizierter Konten zurück. Es ist nicht das erste Mal, dass der Anbieter restriktiv vorgeht: Bereits im Mai 2026 blockierte Anthropic laut Medienberichten mehrere hundert russische Konten.

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Offiziell nennt Anthropic drei Gründe für eine Sperre: wiederholte Verstöße gegen die Nutzungsrichtlinien, der Zugriff aus einem nicht unterstützten Land sowie Verstöße gegen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Die Entscheidungen trifft fast ausnahmslos ein automatisierter Algorithmus, während das Sicherheitsteam allgemein auf verdächtige Signale verweist.

Betroffene können zwar über ein Formular Einspruch einlegen, in sozialen Netzwerken wird die Maßnahme jedoch meist als endgültig beschrieben. Bei verschuldeten Verstößen werden Gebühren nicht erstattet, bei Sperren ohne Verschulden erfolgt eine anteilige Rückzahlung.

Test zeigt geteilte Zugänglichkeit alternativer KI-Dienste

Vor dem Hintergrund der erneuten Sperrwelle, die diesmal auch als vertrauenswürdig eingestufte Privatkonten erfasste, untersuchte das Portal vsetut.pro am 1. Oktober 2026 die Erreichbarkeit von 25 KI-Servern von einer russischen Internetadresse ohne VPN oder Proxy. Während 15 Anbieter den direkten Zugriff blockierten, blieben neun Dienste ohne Hilfsmittel erreichbar – darunter OpenCode, Qwen, Z.ai, DeepSeek, MiniMax, Mistral, Kimi, Zed und Trae.