Anthropic hat am 17. September 2026 die Bewerbungsphase für die Beta-Version seines „Life Sciences Verification Program“ gestartet. Die Initiative gewährt verifizierten Forschungsteams und wissenschaftlichen Institutionen Zugang zu den Modellen Mythos, Opus und Sonnet mit permissiveren biologischen Schutzmaßnahmen als bei den allgemein verfügbaren Fable-Modellen.
Das Programm richtet sich an ein klar abgegrenztes Fachpublikum. Einzelpersonen mit Abonnements von Claude Pro oder Claude Max sind von der Beta ausgeschlossen.
Auch BAA-fähige Organisationen erhalten keinen direkten Zugriff; geschützte Gesundheitsdaten (PHI) müssen in einer separaten Nicht-BAA-Organisation verbleiben. Während an einem vorangegangenen Testprogramm Dutzende Organisationen teilnahmen, rechnet Anthropic nun mit einer Ausweitung auf Hunderte Institutionen.
Gestaffelte Sicherheitsprüfungen und erlaubte Anwendungsfelder
Die Freigabe der Modelle erfolgt über ein zweistufiges, risikobasiertes System. Unter dem Pfad „Standard Use“ erhalten Forschende Zugriff auf Mythos 5.1, Opus 5 und Sonnet 5, wobei die Berechtigung jährlich erneuert werden muss. Für komplexere Vorhaben existiert der Status „High-risk Use“, der eine zusätzliche Sicherheitsprüfung verlangt und alle sechs Monate überprüft wird.
Der Zugang zu High-risk-Mythos bleibt laut Anthropic auf eine kleine, gesondert geprüfte Gruppe beschränkt. Am 18. September 2026 präzisierte das Unternehmen, dass die Initiative diese beiden Stufen für Mythos-, Opus- und Sonnet-Modelle umfasst.
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Die genehmigten Einsatzbereiche decken weite Teile der pharmazeutischen und biomedizinischen Kette ab. Dazu zählen die Wirkstoffentwicklung, Forschungsbiologie, klinische Entwicklung, Fertigung, Grundlagenwissenschaft, Qualitätssicherung, Regulatorik, Lieferkettenanalysen sowie wissenschaftliche und investmentbezogene Prüfprozesse (Due Diligence).
Um Missbrauch zu verhindern und Vertraulichkeit zu wahren, werden Daten zu markierten Aktivitäten nach Unternehmensangaben 30 Tage lang aufbewahrt, compartmentalisiert gespeichert und nicht für das Training künftiger Modelle verwendet.
Technische Fortschritte bei der Biomolekül-Modellierung
Wie aus Berichten hervorgeht, erzielte Claude zuletzt deutliche Effizienzgewinne im biologischen Bereich. Das Modell optimierte über 30 Open-Source-Biomolekülmodelle in unter vier Wochen mit durchschnittlich rund viermal höherer Geschwindigkeit bei vergleichbaren Resultaten. Ein neuer Modus mit reduziertem Speicherbedarf („Lower-Memory“) ermöglicht es zudem, Systeme mit über 10.000 Tokens auf einem einzelnen NVIDIA-GPU-Knoten zu falten.
Bei De-novo-Proteinbindern verzeichnete das Unternehmen eine Reduktion des Rechenaufwands um rund zwei Größenordnungen an GPU-Stunden. Eine entsprechende Kampagne sei nach eigenen Angaben bereits für rund 150 US-dollar an GPU- und Token-Kosten realisierbar; der dafür entwickelte Optimierungscode wurde öffentlich zugänglich gemacht.
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Zudem veranstaltet Anthropic einen Protein-Design-Wettbewerb mit Nasslabor-Validierung von über 5.000 Designs und stellt hierfür bis zu 1 Million US-Dollar an Claude-Guthaben bereit.
Eigene Laborinfrastruktur und strategische Ausrichtung
Hinter der Freigabe steht eine gezielte Expansion von Anthropic in die Biowissenschaften. Das Unternehmen bestätigte den Betrieb eines eigenen Nasslabors in der San Francisco Bay Area.
Der Schwerpunkt liege auf der Grundlagenbiologie und nicht speziell auf der Wirkstoffentwicklung, wobei teils interne Experimente laufen und teils mit externen Partnern gearbeitet wird. Eric Kauderer-Abrams, Leiter des Bereichs Life Sciences bei Anthropic, betonte, dass in der Biologie der finale Test weiterhin und für einige Zeit echte Laborarbeit sein werde.
Eigene klinische Studien plant das Unternehmen vorerst nicht; Zeitpläne für den erweiterten Laborbetrieb oder konkrete Krankheitsziele nannte Anthropic bislang nicht. Der Schritt baut auf früheren Weichenstellungen auf: Im April 2026 übernahm Anthropic das Biotech-Startup Coefficient Bio für rund 400 Millionen US-Dollar und berief Novartis-Chef Vas Narasimhan in seinen Vorstand.
Zugleich bleibt die Risikokontrolle ein zentrales Thema, da Anthropic-CEO Dario Amodei Bioterrorismus zuvor als eine der großen Gefahren bei der Entwicklung hochentwickelter KI-Systeme bezeichnet hatte.

