Claude-Missbrauch: Anthropic deckt Waffenentwicklung und Spionage auf

Anthropic dokumentiert militärische Nutzung, Überwachung und Cyberangriffe mit Claude sowie den Abfluss von 190 Millionen Interaktionen.

Das US-amerikanische KI-Unternehmen Anthropic hat in einem umfassenden, 154-seitigen Bericht offengelegt, dass seine Sprachmodelle der Claude-Serie im Zeitraum von Dezember 2025 bis August 2026 in erheblichem Umfang für bösartige Zwecke missbraucht wurden.

Die Dokumentation belegt, dass autokratische Regime und kriminelle Akteure die Technologie für Desinformationskampagnen, großangelegte Überwachung, Cyberangriffe sowie die Entwicklung von Waffensystemen einsetzten. Der Bericht erfasst gestoppte Aktivitäten in Afrika, Asien, Russland, dem Nahen Osten und Europa über eine Dauer von acht Monaten.

Militärische Nutzung und Waffenentwicklung im Fokus

Ein wesentlicher Teil des Berichts widmet sich der Nutzung von Claude durch staatliche Akteure für militärische Programme. In China wurde die KI laut Anthropic der PLA Academy of Military Sciences zugeordnet.

Militärforscher nutzten das Modell zur Erstellung von 16 Software-Modulen für die elektronische Kampfführung und die Unterdrückung der Luftverteidigung. Dabei wurde unter anderem ein Angriffsszenario gegen 12 Ziele in Taiwan simuliert, das sich gegen Patriot- und Tien-Kung-Batterien richtete. Zudem wurde Claude für die Entwicklung eines Anti-Torpedo-Feuerleitsystems für die Marine der Volksbefreiungsarmee (PLA) eingesetzt.

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Im Jemen nutzte eine im Norden des Landes ansässige Gruppe, bei der es sich vermutlich um die Houthis handelt, die KI für drei spezifische Waffenprogramme. Dazu gehörten eine gelenkte Rakete mit einem Flugcomputer auf Basis von Smartphone-Komponenten, eine mehrstufige ballistische Rakete mit einer Reichweite von über 2.000 km sowie eine Variante eines Hyperschall-Gleitvehikels.

Im Rahmen des Projekts R2000 kam Claude für Programmierarbeiten, Recherchen und Code-Prüfungen der Lenk- und Navigationssysteme zum Einsatz. Nachdem ein Testflug einer gelenkten Rakete fehlschlug, wurden die entsprechenden Nutzerkonten gesperrt.

In Russland wurde Claude laut dem Bericht für die Softwareentwicklung autonomer FPV-Drohnenschwärme verwendet. Darüber hinaus dokumentierte Anthropic fünf Fälle, in denen die KI für die Forschung an Biowaffen, insbesondere für Experimente zur Adaptation der Vogelgrippe, genutzt wurde.

Überwachung und Spionage gegen internationale Ziele

Neben der Waffenentwicklung diente die KI als Werkzeug für staatliche Überwachung und politische Spionage. In Mali wurde Claude zur Überwachung von 25 Mio. SIM-Karten bei drei nationalen Mobilfunkanbietern eingesetzt. Im Sudan wurden rund 300 Fake-Accounts erstellt, um Dossiers über 18 EU-Parlamentarier anzufertigen.

Das iranische Militär nutzte die Technologie, um Verzeichnisse zur Verfolgung von Positionen von Personal und Schiffen der US Navy zu erstellen. Zudem diente die KI der Identifizierung von Flugzeugen und Schiffen sowie der Analyse von Satellitenbildern.

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Innerhalb des Irans wurde Claude zur Überwachung und Identifizierung von Minderheiten und Oppositionellen sowie zur Erstellung von Zielprofilen gegen israelische Regierungsvertreter und Angehörige der US-Marine verwendet. Auch chinesischsprachige Akteure setzten das Modell zur Überwachung von Uiguren und Dissidenten ein.

Cyberkriminalität und industrielle Ausbeutung

Im Bereich der Cybersicherheit identifizierte der Bericht verschiedene Akteure. Der ShinyHunters-Akteur „frkoo“ scannte unter Nutzung von zehn AWS-EC2-Instanzen 1,8 Mio. Android-APKs auf Zugangsdaten. Innerhalb von 34 Stunden wurden dabei 2.100 Azure-AD-Tokens aus über 40 Microsoft-Tenants erbeutet.

Die Gruppe Midnight Blizzard (auch bekannt als APT29) griff mehr als 20 Regierungs- und Verteidigungsziele in der Ukraine und Europa an. Dabei wurde eine Pipeline aufgebaut, in der KI-Agenten Malware nach einer Entdeckung automatisch neu kompilieren. In Nordafrika wurden zudem 300.000 ID-Datensätze exfiltriert.

Ein weiterer Aspekt des Berichts betrifft den Diebstahl von geistigem Eigentum durch chinesische KI-Labore. Anthropic stoppte die Aktivitäten von sieben Laboren, die Claude zum Training eigener Modelle nutzten. Alibaba verzeichnete zwischen Mai und Juli 2026 rund 151 Mio. Claude-Exchanges über 3.500 Fake-Accounts, um das Modell Qwen zu trainieren.

Das Labor Moonshot generierte 23 Mio. Exchanges und 300.000 Anfragen für sein Modell Kimi innerhalb von zehn Tagen. DeepSeek verzeichnete im Juli 2026 innerhalb von 14 Tagen 12,1 Mio. Exchanges. Insgesamt wurden über diese Labore rund 190 Mio. Interaktionen registriert, wobei DeepSeek und Moonshot Antworten von Claude als ihre eigenen ausgaben.