Das US-amerikanische KI-Unternehmen Anthropic hat in einem 154-seitigen Bericht offengelegt, dass russische Akteure das Sprachmodell Claude sowie das Werkzeug Claude Code zur Entwicklung von Software für tödliche Angriffsdrohnen eingesetzt haben.
Laut Dokumenten, die im September 2026 bekannt wurden, nutzte eine als GTG-27005 identifizierte Gruppe – ein Freelancer-Team unter den Namen DronDoc oder Serafim – die Technologie, um autonome Zielerfassungs- und Steuerungssysteme für FPV-Kamikaze-Drohnen zu programmieren.
Autonome Zielwahl und Schwarm-Koordination
Der Bericht von Anthropic dokumentiert Aktivitäten im Zeitraum von Dezember 2025 bis August 2026. Die gezielte Entwicklung der Drohnen-Software begann den Angaben zufolge Mitte Mai 2026. Die unter Einsatz der KI entstandene Software ermöglichte eine autonome Zielauswahl, die explizit die Identifizierung von Personen einschloss.
Zudem unterstützte das System die Terminalführung und den Detonationsbefehl, ohne dass eine menschliche Entscheidung im direkten Angriffsaugenblick erforderlich war.
Darüber hinaus war die Software laut dem Bericht zur Koordination von Drohnenschwärmen fähig. Ein direkt an Bord der Fluggeräte integriertes kleines Sprachmodell entschied eigenständig über das taktische Vorgehen, etwa den Angriff, die weitere Beobachtung des Ziels oder die Rückkehr zur Basis.
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Um die von Anthropic implementierten geografischen Zugangssperren zu umgehen, nutzte die Gruppe virtuelle private Server (VPS). Als Datengrundlage für das Training der Systeme diente unter anderem ukrainisches Kampfmaterial.
Technologiereife und Hardware-Funde
Die Entwicklung erreichte laut den Analysen einen Technologiereifegrad (TRL) von 3 bis 4. Dies bedeutet, dass die Funktionalität in Simulationen sowie durch Hardware-in-the-Loop-Tests nachgewiesen wurde. Es liegen bisher jedoch keine Belege für einen operativen Einsatz dieser spezifischen Software im Feld vor. Gleichwohl sind Tests der Drohnen im Raum Donezk dokumentiert.
In Wracks russischer Drohnen wurde zudem Hardware des Typs Nvidia Jetson Orin identifiziert. Während eine Finanzierung der Gruppe durch staatliche russische Stellen behauptet wird, konnte diese Verbindung bislang nicht verifiziert werden. Anthropic selbst stufte die Entwickler nicht als offizielle staatliche Entität Russlands ein.
Cyber-Spionage gegen ukrainische Organisationen
Neben der Waffenentwicklung deckte der Bericht weitere Missbrauchsfälle auf. Die Gruppe GTG-20006, die Methoden nutzt, welche mit dem Akteur Midnight Blizzard assoziiert werden, setzte Claude für Cyber-Spionage-Operationen ein. Ziel waren mehr als 20 ukrainische Organisationen aus den Bereichen Regierung, Militär und Diplomatie, darunter auch Drohnenhersteller.
Dabei wurden Techniken wie DNS-Hijacking über Hotel-WLAN-Verbindungen sowie der Einsatz von Malware für Windows, Android und iOS registriert. Die Akteure nutzten zudem kompromittierte WhatsApp-Konten und entwendeten ein Software Development Kit (SDK) für Drohnen-Vision-Systeme.
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Reaktion von Anthropic auf Sicherheitsverstöße
Anthropic gab an, insgesamt sechs Fälle im Zusammenhang mit der Entwicklung von Waffentechnik dokumentiert zu haben, an denen Akteure aus Russland, China und dem Jemen beteiligt waren. Sowohl russische als auch chinesische Gruppen hätten Claude dabei als Assistenten für das Waffen-Engineering missbraucht.
Infolge der Untersuchungen hat Anthropic neun Konten der Gruppe GTG-27005 gesperrt. Das Unternehmen erklärte, alle identifizierten schädlichen Aktivitäten unterbrochen zu haben. Der Bericht unterstreicht die wachsende Herausforderung für KI-Entwickler, die Nutzung ihrer Werkzeuge für militärische Zwecke durch Akteure jenseits staatlicher Strukturen zu unterbinden.

