Die US-Regierung hat am Freitag die Freigabe für das umstrittene KI-Modell Claude Mythos 5 von Anthropic erteilt – allerdings nur für einen exklusiven Kreis von über 100 vertrauenswürdigen Organisationen. Handelsminister Howard Lutnick gab die Entscheidung bekannt, die nach einer mehrtägigen Sperrung der sogenannten Frontier-Modelle erfolgt.
Kontrollierte Freigabe für Infrastruktur und Cyberabwehr
Die neue Genehmigung erlaubt Regierungsbehörden, privaten Unternehmen und ausgewählten Infrastrukturbetreibern die Wiederaufnahme der Nutzung von Mythos 5. Auf der Liste der zugelassenen Einrichtungen finden sich mehrere Fortune-500-Konzerne. Die überarbeiteten Lizenzauflagen sehen vor, dass für diese speziellen Partner keine Exportlizenz mehr erforderlich ist.
Lutnick zufolge ist der Schritt das Ergebnis bedeutender Fortschritte in den Gesprächen zwischen der Regierung und dem KI-Entwickler seit einer Exportkontrollverordnung vom 12. Juni. Im Rahmen der aktuellen Vereinbarung dürfen auch ausländische Mitarbeiter der zugelassenen Organisationen auf das Modell zugreifen – allerdings ausschließlich zu defensiven Cybersicherheitszwecken.
Während Mythos 5 für diese begrenzte Veröffentlichung freigegeben wurde, bleibt das Modell Fable 5 von Anthropic weiterhin gesperrt. Das Unternehmen hatte beide Modelle als Reaktion auf die Anordnung vom 12. Juni deaktiviert. Hintergrund ist eine Überprüfung durch Bundesbehörden, darunter das Büro des Nationalen Cyberdirektors und das Pentagon, die bestimmte KI-Entwicklungen als potenzielle nationale Sicherheitsrisiken eingestuft haben.
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Gestaffelte Rollouts und nationale Sicherheitsprüfungen
Die Beschränkungen für Anthropic fallen in eine Zeit, in der auch andere KI-Entwickler staatlichen Auflagen unterliegen. Am Freitag schränkte OpenAI ebenfalls die Einführung seines neuen Modells GPT-5.6 ein, einschließlich der Varianten Sol, Terra und Luna. Auf Anfrage der Regierung informierte OpenAI-CEO Sam Altman die Mitarbeiter darüber, dass der Zugang künftig nur noch fallweise für geprüfte Nutzer und staatlich genehmigte Kunden gewährt wird. Die allgemeine Verfügbarkeit der OpenAI-Modelle wird voraussichtlich in mehreren Wochen folgen.
Diese kontrollierten Veröffentlichungen sind Teil eines umfassenderen bundesstaatlichen Überprüfungsprozesses. Eine freiwillige Überprüfung leistungsstarker KI-Modelle ist derzeit durch eine bestehende Exekutivanordnung vorgeschrieben. Kritiker aus der Branche bemängeln jedoch, dass das Fehlen klarer Sicherheitsstandards und ein faktisches Lizenzierungssystem die Wirtschaftlichkeit der KI-Industrie und den Aufbau technischer Infrastruktur beeinträchtigen könnten.
Sicherheitsbedenken und Modellfähigkeiten
Die verschärfte Überwachung folgt auf konkrete Warnungen hinsichtlich der Fähigkeiten des Mythos-Modells. Bereits Mitte Mai hatte der Abgeordnete Andrew Garbarino, Vorsitzender eines Kongressausschusses, Alarm geschlagen – nach einer privaten Vorführung von Claude Mythos. Die Demonstration zeigte demnach, wie das Modell Schwachstellen in Bankensystemen identifizieren und ausnutzen sowie Pläne für kriminelle Aktivitäten entwickeln konnte.
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Die Bedenken konzentrieren sich auf den Wandel von KI von analytischen Werkzeugen hin zu „agentischen“ Systemen, die eigenständig gegen kritische Infrastrukturen vorgehen können. Bereits im April 2026 hatte Anthropic in Zusammenarbeit mit JPMorgan Chase und Apple das Projekt Glasswing gestartet – ein Vorhaben, das Insidern zufolge im Frühjahr zu Notfallsitzungen bei der Federal Reserve führte. Handelsminister Lutnick behält sich das Recht vor, die Liste der Organisationen, die auf Mythos 5 zugreifen dürfen, jederzeit zu ändern – während die Regierung die Sicherheitsauswirkungen von Frontier-KI-Modellen weiterhin bewertet.

