Claude Mythos: Anthropic startet KI-Sicherheitsmodell ab 10. Juni

Anthropic veröffentlicht KI Claude Mythos mit reduzierten Sicherheitsfunktionen. Das Modell entdeckte zuvor tausende Schwachstellen.

Juni 2026 für die Allgemeinheit zugänglich. Nach monatelanger eingeschränkter Nutzung unter dem Schutzprogramm „Project Glasswing“ kommt nun eine öffentliche Version auf den Markt – allerdings mit abgespeckten Sicherheitsfunktionen.

Das Modell hatte zuvor unter Verschluss gehaltene Fähigkeiten gezeigt: Claude Mythos identifizierte in kürzester Zeit tausende Software-Sicherheitslücken. Die öffentliche Version soll zwar verbesserte Mehrschritt-Aufgaben und logische Schlussfolgerungen bieten, die über den Vorgänger Opus 4.8 hinausgehen. Branchenbeobachter rechnen jedoch damit, dass die Cybersicherheitsfunktionen im Vergleich zur Partner-Version deutlich reduziert sein werden. Gerüchten zufolge könnte das Modell unter dem Namen Claude Fable auf den Markt kommen.

Anzeige

Während neue KI-Modelle wie Claude Mythos die Sicherheitslandschaft rasant verändern, stehen Unternehmen vor neuen regulatorischen Herausforderungen. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden zum EU AI Act hilft Ihnen, die kommenden Pflichten und Risikoklassen für KI-Systeme rechtzeitig zu verstehen. EU AI Act in 5 Schritten verstehen

Project Glasswing wächst rasant

Erst am 8. Juni 2026 weitete Anthropic das Programm massiv aus: Rund 150 weitere Organisationen aus über 15 Ländern kamen hinzu. Darunter befinden sich erstmals Unternehmen aus kritischen Infrastrukturen wie Energie, Wasser, Gesundheitswesen, Telekommunikation und Hardware-Produktion.

Mit BT stieß zudem das erste britische Unternehmen zur Initiative. Die Partnerschaft wurde auf dem UK AI Adoption Summit in Anwesenheit von Regierungsvertretern bekannt gegeben. BT, das täglich Millionen von Cyberangriffen abwehrt, will die Mythos-KI zur Stärkung seiner Verteidigung einsetzen. Anthropic stellt dafür Nutzungsguthaben in Höhe von 100 Millionen Euro sowie vier Millionen Euro für Open-Source-Sicherheitsgruppen bereit.

Rekordfundrate und neues Zeitproblem

Seit dem Start im April 2026 hat Claude Mythos die Sicherheitslandschaft bereits grundlegend verändert. Allein im ersten Monat entdeckte das Modell über 10.000 Schwachstellen mit hohem oder kritischem Schweregrad – in Betriebssystemen, Browsern und systemrelevanter Software.

Besonders beeindruckend: Unabhängige Prüfer bestätigten rund 90,6 Prozent der Funde in Open-Source-Bibliotheken als echte Sicherheitslücken. Doch die Geschwindigkeit der Entdeckung schafft ein neues Problem. Lag die durchschnittliche Zeit bis zur Ausnutzung einer Schwachstelle 2018 noch bei 2,3 Jahren, sind es heute nur noch zehn Stunden.

Anzeige

Die zunehmende Geschwindigkeit bei der Entdeckung und Ausnutzung von Sicherheitslücken durch KI erfordert von Unternehmen ein proaktives Handeln. Erfahren Sie in diesem kostenlosen E-Book, wie Sie Ihre IT-Sicherheit stärken und Ihr Unternehmen vor modernen Cyberbedrohungen effektiv schützen. Kostenloses Cyber-Security E-Book herunterladen

Anthropic-Vertreter betonen: Das Auffinden von Schwachstellen sei inzwischen einfacher als deren Behebung. Während Partner wie Cloudflare bereits tausende Fehler patchen konnten, berichten andere Organisationen, dass der Engpass sich komplett von der Erkennung zur Behebung verlagert habe.

Regulierungsbehörden werden hellhörig

Die Fähigkeiten von Claude Mythos haben internationale Finanz- und Sicherheitsbehörden auf den Plan gerufen. Bereits Anfang des Jahres äußerten Vertreter des Internationalen Währungsfonds, der Bank of England und der kanadischen Regierung Bedenken hinsichtlich der Risiken für die Finanzsicherheit. EU-Behörden wie die Agentur für Cybersicherheit (ENISA) führen derzeit Gespräche mit Anthropic über Bewertungsmechanismen.

Nicht alle Sicherheitsexperten sind von der Einzigartigkeit des Modells überzeugt. Der renommierte Kryptograf Bruce Schneier stellt die Transparenz der Veröffentlichungen infrage. Seiner Einschätzung nach könnten viele der gefundenen Schwachstellen bekannte technische Altlasten sein – keine echten Neuentdeckungen. Zudem seien nur sehr wenige der 10.000 gemeldeten Lücken als tatsächlich geschlossen bestätigt. Schneier vermutet, dass der Zeitpunkt der Veröffentlichungen das Vertrauen des Marktes vor einem möglichen Börsengang stärken soll.

Trotz aller Kritik bleibt die Stimmung am Markt positiv. Prognosemärkte zeigen eine deutlich gestiegene Zuversicht für eine Veröffentlichung im Juni – einige Wetten erreichten über 90 Prozent Wahrscheinlichkeit für einen Start noch vor Monatsende.