Rund 200 Organisationen aus über 15 Ländern nutzen künftig das KI-Modell Claude Mythos zur Abwehr von Cyberangriffen – darunter NATO und EU-Behörden.
Die rasante Entwicklung defensiver KI-Systeme geht mit neuen regulatorischen Anforderungen einher, die viele Betriebe vor Herausforderungen stellen. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet Ihnen einen kompakten Überblick über alle Pflichten und Fristen der EU-KI-Verordnung. EU AI Act in 5 Schritten verstehen: Fristen, Pflichten und Risikoklassen kompakt erklärt
Kritische Infrastruktur im Fokus
Die Expansion zielt gezielt auf Betreiber kritischer Infrastrukturen ab. Stromnetze, Wasserversorger, Krankenhäuser, Kommunikationsnetze und Hardware-Hersteller stehen im Zentrum des Programms. Bislang waren rund 50 Partner beteiligt – nun verdreifacht sich die Zahl.
Zu den neuen strategischen Partnern zählen die NATO und die Europäische Agentur für Cybersicherheit (ENISA). Auch Technologiekonzerne wie Samsung, Okta, SK Hynix und SK Telecom sind eingestiegen. Sie ergänzen die etablierte Runde aus AWS, Cisco, CrowdStrike, Google, JPMorganChase, Microsoft, NVIDIA und Palo Alto Networks.
Deutschland und Europa stark vertreten
Geografisch erstreckt sich das Programm nun auf Kanada, Australien, Indien, Japan, Neuseeland und Südkorea – sowie auf zahlreiche europäische Länder. Deutschland, Frankreich, Italien, die Schweiz, die Niederlande, Spanien, Belgien und Schweden gehören zu den teilnehmenden Nationen.
Der kanadische KI-Minister Evan Solomon bestätigte die Beteiligung des Canadian Centre for Cyber Security. Kanadische Unternehmen können das Mythos-Modell nun zur Schwachstellensuche einsetzen.
Zehntausende Sicherheitslücken entdeckt
Das Claude-Mythos-Modell ist darauf trainiert, komplexe Sicherheitslücken aufzuspüren, die teilweise jahernlang unentdeckt blieben. Die Bilanz ist beeindruckend: Über 10.000 kritische oder schwerwiegende Schwachstellen haben die Partner bislang identifiziert.
Allein bei der Untersuchung von mehr als 1.000 Open-Source-Projekten spürte das System 23.019 potenzielle Sicherheitslücken auf – davon 6.202 mit schwerwiegendem Risiko. Cloudflare meldete 2.000 Fehler, darunter 400 kritische. Mozilla entdeckte mit der KI 271 Schwachstellen in Firefox 150.
Anthropic-Vertreter warnen: Ein erfolgreicher Großangriff auf diese kritischen Infrastrukturen könnte mehr als 100 Millionen Menschen betreffen.
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Der Flaschenhals: Behebung der Lücken
Doch die Entdeckung ist nur der erste Schritt. Die eigentliche Herausforderung liegt in der Behebung. Bislang wurden lediglich 75 der kritischen oder schwerwiegenden Probleme tatsächlich gepatcht. Die Hersteller kommen mit der schieren Menge der Funde nicht hinterher.
Anthropic hat daher mit Claude Security ein weiteres Tool veröffentlicht, das auf dem Opus-4.8-Modell basiert und automatisiert Code-Scans und Patches durchführen kann.
IPO und regulatorischer Druck
Parallel zur Ausweitung von Project Glasswing hat Anthropic eigenen Angaben zufolge einen vertraulichen Börsengang bei der US-Börsenaufsicht SEC angemeldet. Dem vorausgegangen war eine Finanzierungsrunde über 65 Milliarden Euro, die das Unternehmen mit rund einer Billion Euro bewertete.
Die Expansion fällt in eine Zeit verschärfter Regulierung. Am 2. Juni 2026 wurde in den USA eine Executive Order zur Überprüfung von KI-Sicherheit unterzeichnet – zeitgleich mit Anthropics Bemühungen, seine Sicherheitsmodelle internationalen Partnern und der EU zur Verfügung zu stellen.
Anthropic-Manager rechnen damit, dass andere Entwickler innerhalb der nächsten sechs bis zwölf Monate eigene Mythos-Klasse-Modelle produzieren werden. Der Wettlauf um defensive KI-Lösungen hat damit erst begonnen.

