Das KI-Unternehmen Anthropic hat den Systemprompt seines Programmierassistenten Claude Code für das Modell Opus 5.5 um zwei Sätze erweitert, die das Nachbilden existierender Spiele untersagen. Die Vorgabe greift auch dann, wenn Anwender versuchen, einen bekannten Titel unter neuem Namen oder als vermeintlich eigenes Werk nachzuprogrammieren.
Eigene Spiele, eigenständige Genre-Titel und Projekte mit eigens erstellten Assets bleiben hingegen weiterhin zulässig. Eine Option zur Deaktivierung der Schutzfunktion existiert in den Einstellungen nicht.
Die Einschränkung beschränkt sich auf die Kombination aus Claude Code und Opus 5.5. Entdeckt worden war die Änderung im Regelcode namens „tengu_heron_brook“ um den 27. Oktober von dem X-Nutzer Chasm.
Addy Osmani von Anthropic bestätigte die Anpassung am 30. Oktober 2026 über die Plattform X. Die Ergänzung sei vorgenommen worden, da Verletzungen von Rechten des geistigen Eigentums gegen die Nutzungsrichtlinien des Unternehmens verstießen. Bei unberechtigten Blockaden legitimer Anfragen sollten Nutzer den Support kontaktieren.
Nachjustierung nach Fehlblockaden
In der Entwickler-Community sorgte die Neuerung rasch für Diskussionen. Programmierer auf GitHub und Reddit berichteten von Verweigerungen bei zahlreichen regulären Programmieraufgaben: Neben dem reinen Nachbau von Spielmechaniken waren auch die Analyse von Windows-Absturzabbildern, die Entwicklung von Anti-Cheat-Software, die Deinstallation vorinstallierter Smart-TV-Software sowie Arbeiten mit dem Werkzeug Reverse Engineer Anything betroffen.
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Ein Entwickler von Conflict Simulations meldete auf GitHub, Claude verweigere die Arbeit an eigenen digitalen Brettkriegsmodulen ohne Vorlage offizieller Verlagslizenzen; diese Blockaden blieben selbst nach dem Löschen der jeweiligen Sitzung bestehen.
Am 4. November 2026 lockerte Anthropic die Spiel-Nachbauregeln von Claude Code nach Ortszeit wieder. Während exakte Kopien verboten bleiben, sind eigene Spiele ähnlicher Genres mit Bezugnahme auf bestimmte Vorbilder wieder gestattet. Bei entsprechenden Kopieranfragen blockiert Claude Opus 5.5 nicht mehr pauschal, sondern schlägt eigenständig ein neues Spiel innerhalb desselben Genres vor.
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Ein Praxistest des Autors Ruben Circelli zeigte, dass Modding und Reverse Engineering im Grundsatz weiterhin funktionierten und die Restriktionen eng gefasst sowie leicht zu umgehen seien, das Modell bisweilen jedoch weiterhin legitime Aufgaben verweigere.
Druck aus der Spielebranche
Hintergrund der Verschärfungen sind wachsende Sorgen in der Spielebranche vor einer Flut automatisierter Kopien. Mark Brown vom Projekt Game Maker’s Toolkit berichtete, sein Spiel Word Play sei von Claude-Nutzern kopiert worden, die ihn anschließend bezüglich einer kommerziellen Veröffentlichung kontaktierten; monatelange Entwicklungsarbeit lasse sich in wenigen Minuten replizieren. Studio Bitdot verzeichnete zahlreiche Klone des Titels „Needle in a Haystack Simulator“ und kennzeichnete das Original auf Steam eigens.
Die Plattformbetreiber reagieren derweil unterschiedlich: Während Alliance Arts die Demo von „Drunken Goddess Reflux“ für das Steam Next Demo-Festival absagte und durch eine verloste geschlossene Beta ersetzte und Digital Sun Games den öffentlichen Test von „ReVamp“ strich, lehnte der Plattformbetreiber Valve eine Rolle als Gatekeeper ab. Das Unternehmen verwies darauf, dass Nachahmungen bereits vor dem Aufkommen moderner KI-Systeme existiert hätten.
In Deutschland setzt der rechtliche Rahmen dem Reverse Engineering ohnehin enge Grenzen: Der Paragraf 69e des Urheberrechtsgesetzes erlaubt das Dekompilieren von Computerprogrammen nur unter streng definierten Voraussetzungen. Für Entwickler, die durch restriktive Vorgaben kommerzieller Anbieter behindert werden, bleiben quelloffene Modelle ohne vergleichbare Schutzmechanismen laut Branchenberichten eine Alternative.

