Das KI-Unternehmen Anthropic hat die Veröffentlichung seines neuen Modells Claude Sonnet 5.5 bekannt gegeben. Die Mid-Tier-Entwicklung steht Entwicklern ab sofort auch in der Cloud-Infrastruktur AWS GovCloud für regulierte Entwicklungsaufgaben zur Verfügung. Nach dem Start des Modells am 28. September 2026 senkte der Anbieter zudem die Kosten für Cache-Zugriffe und passte seine Preis- und Sicherheitsprogramme für institutionelle Nutzer an.
Integration in AWS GovCloud für Sicherheitsanforderungen
In den Regionen von AWS GovCloud (US) sind Claude Sonnet 5.5 sowie Claude Opus 5.5 verfügbar, wodurch Arbeitsabläufe mit Claude Code für regulierte Workloads unter Einhaltung strenger Vorgaben wie den US-Exportvorschriften für Rüstungsgüter (ITAR) umgesetzt werden können. Das Vorgängermodell Claude Sonnet 5 verfügt über Zertifizierungen nach FedRAMP Class D sowie Autorisierungen nach DoD IL4 und IL5.
Für den Zugriff in AWS GovCloud stehen zwei Endpunkte bereit: Der Endpunkt bedrock-runtime unterstützt SDK-Funktionen, Guardrails, Knowledge Bases sowie ein Aufruf-Logging für detaillierte Audit-Trails. Der Endpunkt bedrock-mantle ermöglicht den Einsatz der nativen Anthropic Messages API inklusive serverseitiger Werkzeuge, Hintergrundinferenz und Projekten.
Durch das Sicherheitsprinzip des Zero Operator Access (ZOA) werden Kundeninhalte weder gespeichert noch protokolliert oder für Trainingszwecke verwendet. Das Setup lässt sich über einen Assistenten oder Umgebungsvariablen wie CLAUDECODEUSEBEDROCK=1 und AWSREGION=’us-gov-west-1′ konfigurieren; Modellversionen können über ANTHROPICDEFAULTOPUSMODEL fest vorgegeben werden.
Günstigere Cache-Reads und angepasste API-Guthaben
Zur Einführung am 28. September 2026 veranschlagte Anthropic für Claude Sonnet 5.5 Preise von 2 US-Dollar pro 1 Million Input-Tokens, 10 US-Dollar pro 1 Million Output-Tokens sowie 0,20 US-Dollar pro 1 Million Cache-Reads.
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Diese Cache-Read-Kosten wurden nun um 50 Prozent auf 0,10 US-Dollar gesenkt, was laut Anthropic die Betriebskosten bei den meisten agentischen Aufgaben um rund 20 Prozent reduziert.
Parallel dazu strukturierte das Unternehmen seine monatlichen API-Guthaben neu:
* Kontingente von maximal fünfmal 100 US-Dollar pro Monat
* Kontingente von maximal zwanzigmal 200 US-Dollar pro Monat
* Teambasierte Guthaben von bis zu 500 US-Dollar pro Monat im gemeinsamen Pool, aufgeteilt in 20 US-Dollar pro Standard-Nutzerplatz und 100 US-Dollar pro Premium-Nutzerplatz
Ungenutzte Beträge verfallen am Ende des jeweiligen Abrechnungszyklus. Diese Guthaben gelten nicht für Abonnements der Stufen Free, Pro oder Enterprise und sind von Diensten wie Claude Code, Amazon Bedrock, Google Vertex AI sowie Microsoft Foundry ausgeschlossen.
In Benchmark-Tests übertrifft Sonnet 5.5 andere Architekturen deutlich: Im Test GDPval-AA v2.1 erreicht das Modell 1840 Punkte (Haiku 5.5: 1620; Haiku 4.5: 735; GPT-6 Luna: 1437), im AA-Briefcase v1.1 1824 Punkte (Haiku 5.5: 1578; 4.5: 614; GPT-6 Luna: 1336) und bei OSWorld 2.1 83,9 Prozent (Haiku 5.5: 72,4 Prozent; 4.5: 15,7 Prozent; GPT-6 Luna: 48,9 Prozent).
Auf Terminal-Bench 4.0 liegt Sonnet 5.5 bei 70,6 Prozent, bei FrontierCode 1.1 bei 52,1 Prozent und in Chartography bei 61,6 Prozent. Im HLE-Test erreicht das Modell ohne externe Werkzeuge 56,9 Prozent und mit Werkzeugen 64,5 Prozent.
Dreistufiges Programm für Cybersicherheitsanalysen
Zudem wurden das Cybersecurity Verification Program (CVP) und Project Glasswing zu einer gemeinsamen Initiative mit drei Stufen zusammengelegt, die für Opus 5.5, Sonnet 5.5, Mythos 5.1 sowie künftige Modelle gilt.
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Die Basisstufe Defense Access richtet sich an Sicherheitszentren für Vorfallreaktionen, Schadsoftware-Analysen und Schwachstellenprüfungen, wobei Anträge innerhalb weniger Tage bearbeitet werden. Die Stufe Red Team Access für autorisierte Penetrationstests verlangt eine mehrwöchige Prüfung und steht nur Organisationen offen.
Die Stufe Specialized Access reduziert Schutzmechanismen auf ein Minimum; sie ist Betreibern kritischer Infrastrukturen wie Strom-, Flug- und Telekommunikationsnetzen sowie dem Interbanken-Zahlungsverkehr vorbehalten und setzt eine gemeinsame Prüfung mit US-Behörden voraus.
In Tests mit CyScenarioBench auf Basis von Claude Opus 5.5 wurden ohne CVP alle 50 Versuche bereits bei der ersten Eingabe abgewehrt. Unter Defense Access wurden 46 von 50 Versuchen blockiert und 4 erfolgreich ausgeführt, während mit Red Team Access ohne Blockaden 34 Aufgaben abgeschlossen wurden.
CVP ist auf der Claude-Plattform sowie Google Vertex AI und Microsoft Foundry verfügbar; bei Amazon Bedrock bleibt der Zugang Kunden von Enterprise Frontier Safeguards vorbehalten.

