Clio-Plattform: KI-Telefon und agentische Workflows ab November 2026

Clio vereint drei Kernprodukte in einer KI-Plattform und integriert Page; der Branchenbericht zeigt steigende KI-Nutzung in Kanzleien.

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Auf der Branchenkonferenz ClioCon in Boston hat der Legal-Tech-Anbieter Clio eine erweiterte, einheitliche Softwareplattform vorgestellt, die auf künstliche Intelligenz und agentische Workflows setzt. Das System führt die Kernprodukte Clio Grow, Clio Manage und Clio Work in einer zentralen Benutzeroberfläche zusammen, die ab November 2026 verfügbar sein soll.

Erweiterte Funktionen und automatisierte Workflows

Die aktualisierte Umgebung integriert mehrere neue Werkzeuge zur Prozessautomatisierung im juristischen Alltag. Dazu zählt das KI-gestützte Telefonsystem Clio Phones, das Anrufe aufzeichnet, transkribiert, zusammenfasst und darauf basierend Zeiteinträge für die Abrechnung vorbereitet. Ein einheitlicher Posteingang bündelt zudem die Kommunikation über E-Mails und SMS.

Für das Aktenwesen führt das Unternehmen Documents Pro ein, ein Dokumentenmanagementsystem inklusive Audio- und Videoverarbeitung, Transkriptionsfunktionen und Versionsverwaltung. Darüber hinaus erhalten Anwender Zugriff auf eine globale Rechtsbibliothek mit über 1 Milliarde Primär- und Sekundärdokumenten.

Für die Prozessführung ergänzt Clio Docket den Zugriff auf US-Bundes- und Staatsgerichtsakten, während Vincent Projects als kollaborativer Arbeitsbereich für KI-gestützte Tätigkeiten dient und Entwurfsfunktionen innerhalb von Clio Work bereitstellt.

Zukauf zur regulatorischen Überwachung

Während der Eröffnungs-Keynote in Boston gab Clio zudem die Übernahme des 2024 gegründeten Startups Page bekannt. Das in Kitchener-Waterloo ansässige Unternehmen entwickelt Software zur automatisierten Beobachtung von Gesetzgebungs- und Regulierungsprozessen, darunter Regierungsanhörungen und Gesetzesentwürfe in den USA, Großbritannien, Irland, Australien und Kanada.

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Nach eigenen Angaben überwacht das System zehntausende Quellen in mehr als 80 Jurisdiktionen. Page hatte vor der Transaktion eine Gesamtfinanzierung von 5,5 Millionen CAD erhalten.

Die finanziellen Rahmenbedingungen des Zukaufs wurden nicht offengelegt. Es handelt sich um die neunte Firmenübernahme von Clio; das 12-köpfige Team von Page wechselt geschlossen zum Softwarekonzern. Die Technologie soll künftig in das Recherchewerkzeug Vincent integriert werden.

Kanzleidaten und Mandantenakzeptanz

Parallel zu den Produktankündigungen legte Clio die elfte Ausgabe seines Branchenberichts Legal Trends Report vor. Den Erhebungen zufolge soll der Anteil des als abrechenbar erfassten Arbeitstags im Jahr 2026 einen Wert von 42 Prozent erreichen, nach 39 Prozent im Jahr 2025. Mit durchschnittlich 3,4 Stunden pro Tag bedeute dies einen Zuwachs an abrechenbarer Arbeit um 53 Prozent im Vergleich zum Jahr 2016.

Kanzleien, die Clio Work und Clio Manage einsetzen, verzeichnen laut dem Bericht einen um 10 Prozent höheren Umsatz pro verantwortlichem Anwalt, 6,5 Prozent mehr abrechenbare Stunden sowie eine um 2,5 Prozentpunkte höhere Inkassoquote als vergleichbare Kanzleien ohne Clio-KI. Über alle Kanzleien hinweg, die mindestens eine Clio-KI-Funktion nutzen, liege das Umsatzplus pro verantwortlichem Anwalt bei rund 8 Prozent.

Insgesamt nutzen dem Bericht zufolge 85 Prozent der befragten Rechtsprofis künstliche Intelligenz, gegenüber 79 Prozent im Jahr 2025. Bei Nutzern von KI für Entwürfe und Automatisierung berichten 82 Prozent von einer höheren Arbeitszufriedenheit.

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Die Hälfte dieser Gruppe gibt an, dass die Technologie zum Wunsch beiträgt, in der Kanzlei zu verbleiben, nach 36 Prozent im Vorjahr. 68 Prozent sehen eine Reduzierung lästiger Routinearbeiten, 65 Prozent verspüren mehr Vertrauen, 63 Prozent können komplexe Aufgaben selbstständiger bearbeiten und 73 Prozent berichten von einer besseren Arbeitsqualität.

Auf Mandantenseite hat fast ein Viertel der US-Erwachsenen bereits KI für Rechtsfragen genutzt; 46 Prozent würden vor dem Gang zu einem Anwalt ein KI-System konsultieren. Zugleich verlangen 82 Prozent Transparenz darüber, ob ihre Rechtsvertretung KI einsetzt, wobei 70 Prozent einer Kanzlei bei offengelegter Nutzung mehr Vertrauen entgegenbringen.

Nur 26 Prozent sind mit eigenständigen Entscheidungen durch KI-Systeme einverstanden; bei riskanten persönlichen Angelegenheiten sinkt dieser Wert auf 6 Prozent. Moderne Technologie oder KI spielen zudem für lediglich 6 Prozent der Mandanten eine entscheidende Rolle bei der Auswahl eines Anwalts, während 3 Prozent auf die Bearbeitungsgeschwindigkeit achten.

Anlässlich des 18-jährigen Firmenbestehens präsentierte das 2008 gegründete Unternehmen zudem einen überarbeiteten Markenauftritt mit neuem Logo und überarbeiteter Website, der gemeinsam mit der Markenberatung Wolff Olins entwickelt wurde. Clio bedient nach eigenen Angaben über 400.000 Rechtsexperten in mehr als 130 Ländern.