Im Rahmen des EASD-Kongresses 2026 in Mailand wurden umfassende Real-World-Daten zur Anwendung der Kaleido-Patchpumpe von ViCentra in Kombination mit dem Diabeloop DBLG1-Algorithmus und dem Dexcom G6-Sensor vorgestellt.
Die Analyse umfasst die Daten von 3.918 Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes aus Deutschland, Frankreich und den Niederlanden. Mit insgesamt 323.814 erfassten Personentagen bildet die Untersuchung über 90 Prozent der aktiven erwachsenen Nutzerbasis ab.
Die Ergebnisse der Analyse, die durch ViCentra B.V. und Diabeloop SA finanziert wurde, belegen eine mediane Zeit im Zielbereich (Time in Range, TiR) von 72,2 Prozent. Damit wurde der klinische Zielwert von mindestens 70 Prozent im Beobachtungszeitraum von bis zu 90 Tagen pro Teilnehmer überschritten.
Besonders signifikant zeigten sich die Werte bei der Vermeidung von Hypoglykämien: Die mediane Zeit unter 70 mg/dL lag bei 1,23 Prozent, während der kritische Bereich von unter 54 mg/dL lediglich 0,21 Prozent der Zeit einnahm, was etwa drei Minuten pro Tag entspricht.
Stabilität und Nutzung der Closed-Loop-Technologie
Ein zentraler Parameter für die Therapiesicherheit ist der Variationskoeffizient, der die Glukosestabilität beschreibt. In der Untersuchung lag der mediane Koeffizient bei 28,7 Prozent und damit unter der klinisch relevanten Stabilitätsschwelle von 36 Prozent.
Hierbei zeigten sich altersabhängige Unterschiede: Während die Gruppe der über 65-Jährigen einen Wert von 26,8 Prozent erreichte, lag dieser bei den 18- bis 24-Jährigen bei 31,1 Prozent. Die Akzeptanz des Systems spiegelte sich in einer hohen Nutzungsrate wider. Die mediane Sensor-Tragezeit betrug 98 Prozent, wovon die Anwender 97 Prozent der Zeit im automatisierten Closed-Loop-Modus verbrachten.
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Ökonomische Bewertung von AID-Systemen
Parallel zu den klinischen Daten der Patchpumpe verdeutlichen aktuelle Studien die langfristige Kosteneffektivität automatisierter Insulin-Dosierungssysteme (AID). Eine Untersuchung zum hybriden Closed-Loop-System MiniMed 780G, die unter Einsatz des IQVIA Core Diabetes Models durchgeführt wurde, untersuchte die Auswirkungen bei australischen Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes.
Über einen Zeitraum von 50 Jahren prognostiziert die Modellierung einen Zuwachs von 1,51 qualitätskorrigierten Lebensjahren (QALY) im Vergleich zu einer Therapie mit Mehrfach-Injektionen und kontinuierlicher Glukosemessung.
Demnach belaufen sich die kalkulierten Gesamtkosten über diesen Zeitraum auf 367.341 Australische Dollar gegenüber 317.819 Australischen Dollar bei herkömmlicher Behandlung. Das daraus resultierende inkrementelle Kosten-Effektivitäts-Verhältnis (ICER) liegt bei 32.840 Australischen Dollar pro QALY und bleibt damit unter der gängigen Erstattungsschwelle von 50.000 Australischen Dollar. Die zugrunde liegende ADAPT-Studie weist zudem eine deutliche Senkung des HbA1c-Wertes um 1,54 Prozentpunkte unter Nutzung des Systems nach.
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Entwicklungen und Leitlinien in Europa
In Spanien hat die Spanische Gesellschaft für Diabetes (SED) auf die wachsende Bedeutung dieser Technologien reagiert und ein Update ihrer Leitlinien für das Jahr 2026 veröffentlicht. Die beteiligten Experten aus den Bereichen Endokrinologie und Ingenieurwesen beschreiben darin vier aktuelle Systeme, wobei ein Gerät für die Markteinführung in der ersten Jahreshälfte 2026 vorgesehen ist.
Trotz der klinisch belegten Vorteile weisen Fachleute darauf hin, dass die Nutzung in Spanien noch auf niedrigem Niveau verbleibt. Es bestehen deutliche Unterschiede beim Zugang zu diesen Technologien zwischen verschiedenen autonomen Gemeinschaften und Krankenhäusern.
Als künftige Trends identifiziert die Fachgesellschaft vor allem adaptivere Algorithmen, eine zunehmende Verkleinerung der Hardware sowie die Einführung prädiktiver Überwachungsfunktionen. Während die primäre Indikation derzeit Typ-1-Diabetes bleibt, nehmen die Datenmengen zur Anwendung bei Typ-2-Diabetes stetig zu.

